Bewährungsstrafe nach einem Unfall, unter dem alle leiden

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Tödliche Folgen hatte das Überholmanöver einer 57-jährigen Finnentroperin auf der B236 bei Pasel, an deren Folgen ein 68-Jähriger Motorradfahrer verstarb. Die Finnentroperin bekam eine einjährige Bewährungsstrafe. 

Plettenberg - Warum eine 57-jährige Autofahrerin aus Finnentrop am 21. Juli auf der B236 zum Überholen eines Lastwagens ansetzte, blieb auch bei der Fortsetzung ihres Strafverfahrens rätselhaft. Bei dem frontalen Zusammenstoß mit einem 68-jährigen Motorradfahrer aus Finnentrop-Deutmecke war dieser noch am Unfallort in der Nähe des Abzweigs nach Pasel verstorben.

Das Schöffengericht in Altena sah nach der Vernehmung von zwei Zeugen „ein ganz hohes Maß an Fahrlässigkeit“ im Verhalten der Angeklagten und verurteilte sie zu einer Haftstrafe von einem Jahr auf Bewährung. Außerdem muss sie 1000 Euro Geldbuße an die Justizkasse zahlen. 

„Das hätte genauso gut mir passieren können“, erinnerte sich ein 76-jähriger Fahrradfahrer aus Attendorn. Er befand sich zum Zeitpunkt des Unfalls knapp vor dem Getöteten auf dem Weg nach Plettenberg, als hinter einem entgegenkommenden Sattelzug plötzlich der VW Touran der Angeklagten auftauchte. Zuvor habe er das Auto nicht sehen können, was den Schluss nahe legt, dass auch die 57-Jährige von ihrer Position hinter dem Laster überhaupt nicht sehen konnte, was auf der Gegenfahrbahn los war.

 „Wie rüpelhaft kann sich ein Verkehrsteilnehmer benehmen?“, sei ihm damals angesichts des plötzlichen Ausscherens durch den Kopf gegangen, erinnerte sich der Fahrradfahrer. „Das Auto kam knapp an mir vorbei“. Ein Ausweichen wäre in diesem Moment niemandem mehr möglich gewesen. Das hinter ihm fahrende Motorrad fuhr nicht auf dem Randstreifen und krachte in den VW Touran der Angeklagten.

 Auch eine 25-jährige Zeugin aus Lennestadt, die eine längere Strecke hinter der Unglücksfahrerin gefahren war, verstand deren Verhalten nicht: „Ich wusste überhaupt nicht, warum sie nach links zieht.“ Zuvor habe die 57-Jährige keinerlei Auffälligkeiten in ihrem Fahrverhalten gezeigt. „Es war ein ganz fürchterlicher Verkehrsunfall, unter dem alle leiden“, fasste Richter Dirk Reckschmidt das Geschehen zusammen. Die Idee, an dieser Stelle zu überholen, sei „völlig blödsinnig“ gewesen. „Das war alles vermeidbar.“

 Die Strafe fiel deshalb im Spektrum dessen, was nach einer fahrlässigen Tötung üblich ist, relativ hoch aus. „Alles andere ist nicht angemessen.“ Die Angeklagte, die fast die gesamte Sitzung über geweint hatte, erinnerte der Richter daran, dass die Familie des Opfers ebenfalls leide. „Der Motorradfahrer hatte keine Chance.“ Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Angeklagte verzichteten auf weitere Rechtsmittel – das Urteil ist deshalb rechtskräftig.

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