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Andere Kaufinteressenten wollten dieses Krankenhaus im MK schließen

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Von: Georg Dickopf

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Im Plettenberger Radprax-Krankenhaus werden die Besuchsregeln verschärft.
Im Plettenberger Radprax-Krankenhaus werden die bisher geltenden Besuchsregeln weiter beibehalten. © Schulz, Sebastian

Fünf Jahre nach der Übernahme des Plettenberger Krankenhauses durch die Radprax-Gruppe steht ein erneuter Besitzerwechsel an. Nun werden die Gründe genannt und es gibt erste Stimmen dazu.

Plettenberg - Laut André Hoppen, Geschäftsführender Gesellschafter der Radprax-Holding, habe man am Dienstag mit der Quartz Healthcare Group sarl eine Vereinbarung zur Übernahme der Radprax-Holding GmbH & Co. KG und deren Tochterunternehmen (Radprax-Gruppe) abgeschlossen. Die Transaktion stehe unter dem Vorbehalt der behördlichen Genehmigungen und werde laut Hoppen voraussichtlich im ersten Quartal 2023 abgeschlossen.

Gemeinsam mit Ludovic Robert, dem Europa-Geschäftsführer der Quartz Healthcare, und Emir Özler, dem operativen Europa-Leiter, informierte Hoppen am Dienstag die Krankenhaus-Belegschaft.

„Es gab natürlich einige Rückfragen“, betonte Hoppen, „aber unterm Strich war die Reaktion positiv.“

Das sind die Gründe für den Verkauf

Die Gründe für den Verkauf benannte Hoppen auf Anfrage unserer Zeitung wie folgt: „Wir sind als Radprax-Holding zu klein. Der Markt hat sich verändert. Uns werden ganze Mitarbeiterteams von größeren Unternehmen abgeworben“, sagt Hoppen. „In dieser Phase konnten wir noch die Weichen stellen, mit wem wir in die Zukunft gehen möchten. In zwei Jahren wären wir vielleicht geschluckt worden“, erklärte Hoppen.

Im Zuge der Übernahmegespräche habe es auch Mitbewerber gegeben, bei denen klar gewesen sei, dass das Plettenberger Krankenhaus nach der Übernahme geschlossen worden wäre.

„Aber genau das wollten wir nicht“, so Hoppen. Mit der Quartz Healthcare habe man ein Unternehmen gefunden, dass genau wie einst die Radprax-Holding ein Krankenhaus als Trägergesellschaft benötige, um die Medizinischen Versorgungszentren – Radprax betreibt 13 solcher MVZ-Standorte – weiterführen zu können.

Krankenhausdirektor Andrzej Ploch, Geschäftsführer André Hoppen, Schwester Simone Bergmann und Chefarzt Ralf Jelkmann (von links nach rechts) in einem der komplett neugestalteten Zimmer der Privatstation, die die Anmutung eines Hotelzimmers haben.
Krankenhausdirektor Andrzej Ploch, Geschäftsführer André Hoppen und Schwester Simone Bergmann (von links nach rechts) in einem der komplett neugestalteten Zimmer der Privatstation, die die Anmutung eines Hotelzimmers haben. © Dickopf

Krankenhaus ist Kern des Ganzen

„Das Krankenhaus ist sozusagen der Nucleus des Vertragswerkes – also der Kern des Ganzen“, so Hoppen. Die Quartz Healthcare habe nach einer Lösung gesucht, die den Betrieb der eigenen MVZ und der Radprax-MVZ auf eine rechtlich solide Basis stellt und keine Übergangslösung sei. Zudem sorge die Übernahme für eine bessere finanzielle Ausstattung. „Sie bringen frisches Geld mit. Die Plettenberger Bevölkerung muss sich keine Sorgen machen. Das Krankenhaus bleibt bestehen, niemand wird entlassen und wir suchen weiter nach zusätzlichen Mitarbeitern“, so Hoppen.

Vereinfacht worden seien die Verhandlungen auch durch die schwarzen Zahlen, die das Plettenberger Krankenhaus in den letzten zwei Jahren erwirtschaftet habe.

Alles in allem beschäftigt die Radprax-Holding mehr als 90 Ärzte und 950 Fachkräfte. Die Übernahme wird Quartz Healthcare zu einem der größten Anbieter von diagnostischer Bildgebung in Deutschland machen. An 26 Standorten werde die Gruppe dann die diagnostische Bildgebung in Deutschland betreiben und mehr als 1200 Fachkräfte beschäftigen.

Im Zuge der vollzogenen Übernahme äußerte sich Dr. Christian Le Dorze, Beiratsvorsitzender von Quartz Healthcare, wie folgt: „Mit Radprax haben wir einen Partner gefunden, der unsere Werte teilt: Medizinische Qualität, Menschen, Patienten und Technologie. Diese Akquisition ermöglicht es uns, unsere Wachstumsstrategie zu beschleunigen und unsere deutsche Plattform zu erweitern. Radprax hat eine führende Position im deutschen Markt und ist eine Erweiterung unserer Stärke im medizinischen Management.“

Das sagt der Bürgermeister


Der Plettenberger Bürgermeister Ulrich Schulte erfuhr im Urlaub noch vor der offiziellen Verkündung vom geplanten Verkauf des Krankenhauses an die Quartz Healthcare Group und informierte in dem Zuge auch die Plettenberger Ratsfraktionen.

„Herr Hoppen wollte nicht, dass ich über diese Entscheidung aus der Presse erfahre“, sagte Schulte, der zunächst sorgenvoll gewesen sei, als er gehört habe, dass es um das Thema Krankenhaus ging.

Er könne die zukünftigen Gesellschafter noch nicht einschätzen. Erfreulich sei aber, dass das Unternehmen bereits einige MVZ leite und das Plettenberger Krankenhaus damit eine weitere Bestandsgarantie habe, da man ein Krankenhaus aufgrund der gesetzlichen Vorgaben zum Betrieb der medizinischen Versorgungszentren benötige.

Dass hinter der Quartz Healthcare Group ein französischer Finanzinvestor stecke, erinnere natürlich erst einmal an Heuschrecken, doch grundsätzlich sieht Schulte die Übernahme positiv. „Es kann sein, dass sich die Übernahme sehr positiv auswirken wird“, so der Bürgermeister angesichts des starken finanziellen Hintergrundes der neuen Gesellschafter.

Das sagen die Kommunalpolitiker

Carsten Hellwig, FDP-Fraktionschef, hält es ebenfalls für falsch, die Übernahme schlechtzureden. „Als die Stadt Plettenberg das Krankenhaus mit unserer Zustimmung an die Radprax-Gruppe verkauft hat, hatten wir die weitere Entwicklung auch nicht mehr in der Hand. Man wird wahrscheinlich erst in zwei oder drei Jahren beurteilen können, wie diese Übernahme zu bewerten ist“, sagte Hellwig.

PWG-Fraktionschef Klaus Salscheider sieht den damaligen Verkauf des Plettenberger Krankenhauses an die Radprax-Gruppe als richtig an und ist auch diesmal positiv gestimmt.

Stefan Langenbach, SPD-Fraktionschef, zeigte sich überrascht vom Verkauf: „Unser Krankenhaus wurde von Radprax in den letzten Jahren ein großes Stück weit modernisiert, bot den engagierten Mitarbeitern einen zukunftssicheren Arbeitsplatz und unseren Einwohnern eine fachlich sehr gut aufgestellte Leistungspalette. Wir können nur hoffen, dass dieser Weg von den neuen Anteilseignern fortgeführt wird, damit das Krankenhaus in Plettenberg noch lange bestehen kann.“

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