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Gegen das Vergessen: Frühe Hilfe bei Alzheimer besonders wichtig

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Von: Sabrina Jeide

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Auch bei Demenz verbunden bleiben
Passend zum Motto „Demenz – verbunden bleiben“ helfen einige Jugendliche den Bewohnern im Matthias-Claudius-Haus bei der Nutzung eines Smartphones. Es ist eine Aktion des Projektes Lebensfreude zum Alzheimer-Tag. © Sabrina Jeide

Um die Gesellschaft auf die Situation der Menschen mit Demenz aufmerksam zu machen, findet bereits seit 1994 der Welt-Alzheimertag am 21. September statt. Auch in Deutschland geht es darum, die Öffentlichkeit für die Situation der rund 1,6 Millionen Menschen mit Demenz und ihrer Angehörigen zu sensibilisieren.

Plettenberg – Die „Allianz für Menschen mit Demenz“ ist eine Initiative der Bundesregierung, die die Woche der Demenz 2015 als gemeinsame öffentlichkeitswirksame Maßnahme ins Leben rief: Sie soll das Verständnis und die Unterstützung für Betroffene und pflegende Angehörige weiter fördern. Das Motto lautet dieses Mal: „Demenz – verbunden bleiben“.

Was im Großen gedacht ist, wird vor Ort im Kleinen gemacht: Auch in Plettenberg und Herscheid gibt es ein Demenz-Netzwerk, das interkommunal unter dem Dach des Gesundheits- und Pflegenetzwerkes arbeitet. Wie bei so vielem, verhinderte aber auch hier die Corona-Pandemie manches Projekt und manche Idee. Nichtsdestotrotz setzen sich viele Menschen in Plettenberg und Herscheid für die Belange Demenzerkrankter und derer Angehörigen ein. Für sie ist es wichtig, dass man offen mit der Situation umgeht und aus dem Krankheitsbild kein Geheimnis macht – denn nur so kann den Betroffenen geholfen werden.

Alzheimer-Erkrankte kämpfen täglich mit ihrem Gedächtnis
„Ist der Herd aus?“ – An Alzheimer Erkrankte kämpfen täglich mit ihrem Gedächtnis. Doch es gibt Möglichkeiten, zumindest das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen. © dpa

Pflegeberatung MK

Für viele ist die Pflegeberatung Märkischer Kreis ein wichtiger Ansprechpartner. Die für Plettenberg zuständige Pflegeberaterin Simone Kuhl rät allen Betroffenen, Auffälligkeiten zu beobachten und nicht zu lange mit einer möglichen Diagnose zu warten. Nicht immer sei eine Vergesslichkeit gleich eine Demenz, es könne auch andere Ursachen geben.

Wenn Angehörige oder Betroffene selbst aber über einen Zeitraum von etwa einem halben Jahr hinweg immer wieder Schwierigkeiten feststellen, dann sollte das Gespräch mit einem Facharzt gesucht werden.

„Wenn das Kurzzeitgedächtnis stark nachlässt, Betroffene im normalen Alltag überfordert scheinen oder aber jemand im erweiterten häuslichen Umfeld plötzlich unsicher ist und sich auf einem eigentlich bekannten Weg – zum Beispiel zum Friseur – plötzlich verläuft, dann ist eine Abklärung ratsam“, sagt Kuhl.

Eine Demenz ist nicht heilbar, aber ihr Verlauf lasse sich verzögern. Die Alzheimer-Krankheit ist dabei die häufigste Form der Demenz. Wer Hilfen möglichst frühzeitig etabliere, der könne dafür sorgen, „dass das tägliche Miteinander gut und lange funktioniert“, weiß Simone Kuhl aus ihrer Erfahrung.

Ist erst einmal eine Diagnose gestellt, sollten Betroffene prüfen, ob ihnen Leistungen aus der Kranken- und/oder Pflegeversicherung zustehen. Das kann eine Eingruppierung in einen Pflegegrad sein, aber auch bestimmte Umbaumaßnahmen sowie Pflegehilfsmittel, wie eine automatische Herd-Abschaltung oder aber ein GPS-Tracker, wenn Patienten zu einer hohen Lauftendenz neigen.

In Lüdenscheid findet regelmäßig ein Kurs für pflegende Angehörige statt. Hier erhalten die Teilnehmer viele Informationen über das Krankheitsbild, aber auch praktische Tipps für den Umgang mit den Betroffenen.

Projekt Lebensfreude

Seit gut einem Jahr gibt es in Plettenberg das Projekt Lebensfreude, das in Trägerschaft zwischen Matthias-Claudius-Haus der Evangelischen Perthes-Stiftung und der Freiwilligenzentrale des Diakonischen Werkes entstanden ist. Es soll die Arbeit mit Senioren fördern, ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und ihre Lebensqualität verbessern.

Und genau deshalb entstand passend zum Alzheimer-Tag auch die Idee einer kleinen Aktion, die Jugendliche und Bewohner des Matthias-Claudius-Hauses zusammenbringt. Entsprechend des Mottos „Demenz – verbunden bleiben“ helfen einige Jugendliche den Senioren bei der Nutzung eines Smartphones, leisten quasi „digitale Nachhilfe“, wie Silke Vieregge von der Freiwilligenzentrale erklärt.

Etabliert hat sich mittlerweile auch der Tanztreff im Ohler Saal, der einmal im Quartal stattfindet und zudem alle, die Lust auf Musik und Tanzen haben, recht herzlich eingeladen sind.

Gedächtnistraining und Bewegung für zuhause

Auch zuhause lässt sich das Gedächtnis trainieren – ebenso wie sich Bewegungsübungen einfach in den Alltag integrieren lassen. Prima geeignet ist beispielsweise das Spiel „Stadt, Land, Fluss“, bei dem man Begriffe mit bestimmten Anfangsbuchstaben benennen muss – zum Beispiel eine Stadt mit B oder ein Land mit D. Es lässt sich beliebig um Tiere, Berufe oder auch Namen erweitern. Da es wichtig ist, in Bewegung zu bleiben, bieten sich auch hier einfache Übungen an. Ob Aufgaben mit den Händen (Kreisen, Greifen etc.) oder Bewegungen zur Musik: Der Fantasie sind eigentlich keine Grenzen gesetzt. Auch Übungen zur Auge-Hand-Koordination (Malen, Puzzeln, Handarbeiten) sind sinnvoll.

Bewegungsangebote

Bewegungsangebote spielen unter anderem im Altenzentrum St. Josef oder im Matthias-Claudius-Haus eine große Rolle. Während in der Stadt der Plettenberger Turnverein mit Übungsleiter Peter Opitz die Senioren mit Konzentrations-, Gedächtnis- und Bewegungsübungen in Schwung bringt, übernimmt im Altenzentrum St. Josef diese Aufgabe Annette Dunker (SV Plettenberg). In Eiringhausen waren bereits vor vielen Jahren zwei Gruppen als landesweites Modellprojekt des Rehasportverbandes in Kooperation mit verschiedenen Pflegeverbänden entstanden.

In allen Gruppen wird versucht, die Beweglichkeit der Bewohner und die kognitiven Fähigkeiten möglichst lange mit alltagsbezogenen Übungen zu erhalten. Das Streichen über den Kopf simuliert das Kämmen; das Entlangfahren mit den Händen an den Beinen das Anziehen von Strümpfen. Gemeinsam versucht man, Gedächtnisübungen mit Bewegungen zu kombinieren.

Insgesamt verfolgen alle, die sich in Plettenberg und Herscheid engagieren, ein gemeinsames Ziel: Sie möchten die Lebensqualität der Demenzerkrankten und ihren Angehörigen möglichst lange erhalten.

Weitere Informationen

Die Internetseite www.wegweiser-demenz.de des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hält zahlreiche Informationen, Ansprechpartner und Projekte bereit. Es gibt beispielsweise auch ein Alzheimer-Telefon, an dem sich Interessierte informieren können.

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