Rettungsaktion mit offenem Ende

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Am Samstag installierte das THW Altena im Auftrag der Unteren Wasserbehörde des Märkischen Kreises am Ende des FFH-Gebietes Auf dem Pütte einen künstlichen Deich, um so das in den Altarm gepumpte Wasser ansteigen zu lassen.

Plettenberg – Die kurzfristige Öffnung des Lennewehrs am Siesel vor rund sechs Wochen hat zwei Schutzgebiete im Bereich Siesel und Pasel trockengelegt. Eins davon wird jetzt vom THW Altena mit großen Pumpen künstlich bewässert. Das Ende dieser Maßnahme ist noch nicht abzusehen. Das FFH-Schutzgebiet Auf dem Pütte, also der alte Verlauf der Lenne im Bereich Siesel, wird seit Öffnung des Wehrs nun nur noch vom Wiebecke-Bach gespeist. Vorher wurde der Altarm zum großen Teil auch von der Lenne und den durchlässigen Bahndamm gespeist. Infolge der Wehröffnung ist der Altarm weitestgehend trocken gefallen.

Der dadurch entstandene Schaden sei derzeit noch nicht abschätzbar, teilt Matthias Hattwig vom Sachgebiet Naturschutz und Landschaftspflege des Märkischen Kreises auf Anfrage mit. Derzeit würde durch das Technische Hilfswerk Wasser in das FFH- und Naturschutzgebiet gepumpt, um den dortigen Lebensraum so gut es geht am Leben zu erhalten. „Es werden rund 800 Liter pro Minute gepumpt“, so Hattwig. „Damit soll das Austrocknen und das damit verbundene Absterben von geschützten Pflanzen und Tieren verhindert werden.“ 

Das THW Altena, das bereits seit gut vier Wochen im Einsatz ist, habe am 8. Mai mit einer weiteren Pumpe die Schlauchleitung vom alten Graben bis direkt in den Lenne-Altarm verlängert, da beim gemeinsamen Ortstermin festgestellt wurde, dass dort bisher über den alten Graben zu wenig Wasser ankommt, teilte Hattwig mit. Kosten unklar „Die Dauer der Bewässerungsmaßnahme ist noch nicht abzusehen, daher sind die Kosten derzeit nicht bezifferbar“, sagt er über den Einsatz. 

Auch in den zuständigen Behörden wird weiter nach einer Lösung gesucht: „Gemeinsam mit der Bezirksregierung unter Einbeziehung des Landesumweltamtes werden Maßnahmen zur künftigen Optimierung der Wasserzufuhr und Wasserhaltung im Lennealtarm am Siesel erarbeitet.“ Die Bezirksregierung und die Fachbehörden des Märkischen Kreises stünden miteinander in ständigem Austausch. Und genau dieser Austausch war erfolgreich, denn vor wenigen Tagen fand man eine Lösung, um das Wasserniveau im Altarm anzuheben. 

Das THW Altena war mit 20 Mitarbeitern im Einsatz.

Am Samstag vor Wochenfrist war ein 20-köpfiges THW-Team um den Ortsbeauftragten Frank Herbel dazu erneut gefragt. Nach einem Ortstermin mit Matthias Hattwig hatte die Naturschutzbehörde in Abstimmung mit dem Landesumweltamt angeordnet, den Durchlauf in Richtung Lenne mit einer künstliche Barriere zu versehen, um so den Wasserstand im Bereich des Altarms anheben zu können. Vor dem Ablass des Lennewehrs war das Lennewasser durch das Gleisbett in das FFH-Gebiet geflossen. 

Das THW Altena, das am Samstag mit fünf Fahrzeugen vor Ort war, bereitet das Bachbett zunächst für den Dammbau vor und platzierte dann mehrere kleinere Sandsäcke sowie zusätzliche Bigpacks per Kran im Bachbett und dichtete den Damm anschließend mittels Folie ab. 

Hattwig hätte in dem Zuge und auf ähnliche Art auch gerne das Naturschutzgebiet Auf der Humme kurz vor Pasel wieder mit Wasser gefüllt, doch dieser Maßnahme schob die Obere Wasserbehörde der Bezirksregierung Arnsberg einen Riegel vor. Geplant war, den Bereich, der nun nicht mehr durch das Lennewasser gespeist wird, künstlich mit Wasser vollzupumpen und einen natürlichen Wasserüberlauf zu bilden, um einen Wasseraustausch zu ermöglichen. Doch die Bezirksregierung befürchtet auch in diesem Bereich eine Gefährdung der nebenan liegenden Ruhr-Sieg-Strecke. Das Wasser könne dort ebenso wie in Höhe des Lennewehrs durch das Gleisbett sickern und die Standfestigkeit des Schienenwegs gefährden.

Das Naturschutzgebiet Auf der Humme wurde durch das Ablassen des Lennewehres trockengelegt.

Auf der Strecke gibt es zwar ohnehin wegen der alten Eisenbahnbrücke vor dem Sieseler Tunnel eine Tempobeschränkung für den Zugverkehr, aber das war für die Obere Wasserbehörde nicht ausreichend. Dass das Ablassen des Wassers nicht ohne Folgen blieb, ist offensichtlich. „Was da passiert ist, hat eine Kettenreaktion ausgelöst“, bedauert Hattwig, der nun versucht, das Beste aus der Situation zu machen. „Es gibt da leider nicht die einfache schnelle Lösung.“ Bis die eigentlichen Abdichtungsarbeiten am Gleisbett starten, wird noch einige Zeit dauern.

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