Die Jagdsaison ist für die heimischen Hegeringmitglieder eröffnet

Afrikanische Schweinepest und die Rückkehr des Wolfes

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Der Wolf galt schon als fast ausgestorben – jetzt ist er zurück und versetzt vor allem Tierhalter in Brandenburg und Niedersachsen in Angst und Schrecken. Der Wolf darf aber nicht geschossen werden, da er unter Artenschutz steht.

Plettenberg - Herbstzeit ist Jagdzeit – seit September ist offiziell die Saison der Jäger eröffnet. Vor allem die Afrikanische Schweinepest bereitet den heimischen Jägern Sorgen, deshalb werden auch die Wildschweine bei uns besonders bejagt. Aber auch ein anderes Tier rückt wieder vermehrt in den Fokus – der Wolf.

„Mittlerweile ist die Schweinepest ja schon bis nach Belgien vorgedrungen. Deshalb müssen wir Wildschweine besonders bejagen, was nicht immer so einfach ist“, erklärt Hartmut Tengler, Hegeringleiter aus Plettenberg. Er erklärt, dass deshalb Schweine jeden Alters geschossen werden müssten – außer führende Bachen, also Muttertiere. „Die Frischlinge dürfen nicht alleine gelassen werden, da sie sonst verhungern“, erklärt Tengler dazu. Verstärkt müsse auch das Damwild bejagt werden, das in den heimischen Wäldern in großen Populationen zu finden ist. „Die Landwirte beklagen immer wieder Schäden auf ihren Flächen durch das Damwild“, so Tengler.

Der trockene Sommer in diesem Jahr habe auch seine Konsequenzen mit sich gebracht. Die Tiere würden zwar genügend Wasser finden, dennoch gebe es eine überdurchschnittlich große Eichelmast zu beklagen. Das heißt, dass das Schwarzwild besonders viele Eicheln aufnimmt, die für einen hohen Gerbstoffgehalt sorgen. „Diese Stoffe müssen im Tierkörper durch Eiweiß ausgeglichen werden“, erklärt Tengler. Dieses Eiweiß fänden die Tiere vorwiegend in Würmern und Engerlingen. Deshalb würden besonders die Wildschweine verstärkt wühlen und sorgten somit für erhebliche Wildschäden auf Wiesen und Ackerflächen.

So wie auch bei Landwirt Gerhard Heist vom Bärenberg. Im letzten und auch in diesem Jahr verzeichnete er auf den umliegenden Wiesen große Wildschweinschäden und ergriff deshalb selbst die Initiative und installierte flächendeckend Elektrozäune. Die Jagd auf Wildschweine ist laut Tengler generell nicht so einfach, da die Tiere nachtaktiv sind. In Nordrhein-Westfalen sind Nachtsichtgeräte bei der Jagd verboten. „Wärmebild-Ferngläser sind aber erlaubt und helfen, das Schwarzwild bei Dunkelheit zu sehen“, so Tengler. Er sei aber auch gegen eine Einführung von Nachtsichtgeräten: „Für meinen Geschmack muss das nicht unbedingt sein. Das Wild soll ja irgendwie auch noch eine Chance haben“, so der Jäger. Er habe in 40 Jahren als Jagdscheinbesitzer noch nie das Gefühl gehabt, dass man hier durch das Verbot benachteiligt wäre. „Es reicht auch so, bei Mondschein auf die Jagd zu gehen“, findet er. Ein weiteres Problem, was aber eher den Menschen außerhalb NRWs Sorgen macht, ist die Rückkehr des Wolfes. Erst seit wenigen Wochen ist NRW offiziell „Wolfsland“ und hat ein „Wolfsgebiet“ am Niederrhein ausgewiesen, in dem nun spezielle Entschädigungsregeln für Tierhalter gelten.

Wie sinnvoll das ist, wurde im September in Bottrop klar. Dort hatte eine Wölfin ein Schaf gerissen, wie das Landesamt für Naturschutz (LANUV) bestätigte. Im Jahr 2018 wurden bisher 27 angebliche Wolfsattacken auf Nutztiere gemeldet. In neun Fällen wurde dies bestätigt, fünf Meldungen waren falsch, in 13 Fällen wird noch untersucht. „Das ist ganz furchtbar. Tiere wie Kühe. Schafe oder Pferde sind ja überhaupt nicht scheu und sehen die Gefahr erst viel zu spät. Sie haben keine Chance“, erklärt der Hegeringsleiter dazu. Da der Wolf aber unter strengem Artenschutz steht, dürfe man ihn auf keinen Fall jagen. „Wer auf ihn schießt, gibt den Jagdschein ab“, erklärt Tengler. Er glaubt aber, dass der Wolf nicht so schnell ins Sauerland vordringen wird. „Dafür ist es hier nicht dicht genug besiedelt. Der Wolf braucht riesige Wälder.“ In anderen Bundesländern wie Niedersachsen, Brandenburg und Sachsen, wo die Wolfspopulationen immer größer werden, wird ein nationales Konzept zum Umgang mit dem Wolf und die Möglichkeit einer Bestandsregulierung gefordert. Darüber soll der Bundesrat nun entscheiden.

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