Affelner Mühle

Wo sich Plettenbergs Poalbürger zum Schmaus treffen

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Frau Wirtin ist beliebt, seit 30 Jahren eine feine Adresse der Landgastronomie und für ihre Stammkunden aus dem Lennetal eine feste Größe

Plettenberg -  Das könnte eine Preisfrage fürs Fernsehquiz „Wer weiß denn sowas“ sein: Wie heißt die Exklave der Vier-Täler-Stadt mit 13 Buchstaben? Genau: Es ist die „Affelner Mühle“ an der Kreisgrenze zum Hochsauerlandkreis. 

Denn 60 Prozent der Gäste kommen aus Plettenberg; das Gästebuch liest sich wie das „Who is who“ unserer Heimatstadt. Und das geht so seit über 70 Jahren . . .

Dass Mühlenwirtin Martina Flöper am 1. Juli ihr 30-jähriges Jubiläum in der Gastwirtschaft in der Talaue der Wellingse bei Altenaffeln feierte – und die Festlaune den ganzen Monat Juli anhält – haben wir bereits in unserer Montagnummer auf der Lokalseite „Neuenrade“ würdigen können.

 Dabei wird der Beginn der Gastwirtschaft mit dem Jahr 1955 angegeben, als durch die Mühlenreform erzwungen der Mühlenbetrieb endete und ein neues Standbein gesucht wurde. Doch die Erinnerungen der Plettenberger Stammgäste gehen noch wesentlich weiter zurück, reichen bis zum Kriegsende 1945. Uschi und Wilhelm Bartsch sowie Helmut Herzhoff erinnerten sich für das Süderländer Tageblatt und auch Wirtin Martina Flöper hatte jede Menge historische Fakten zu berichten. 

Davon, dass die Affelner Mühle bis Mitte der 50er Jahre eine Mischung aus Landwirtschaft, Sägewerk und Getreidemühle war, doch der Erwerbszweig Mühle enden musste. Großmutter Bernadine Müller, früh verwitwet, hatte so ein echtes Problem. Ihre Tochter Elisabeth hatte, welche glückliche Fügung, den Maurer Werner Gierse kennengelernt. Der heiratete 1957 nicht nur „Lisbeth“, sondern zog auch 1955 als Verlobter die Gaststube hoch. 

Den alten Affelnern ist Gierse als langjähriger Postbote für die ganze Freiheit Affeln noch ein Begriff. Morgens verteilte er die Post, ab dem späten Nachmittag konnte er sich um alles rund um die Affelner Mühle, den Gasthof und das große Anwesen kümmern. 

Also: 1955 begann, zunächst recht bescheiden und als Nebenbetrieb, die Wirtschaft in der Affelner Mühle. Auf den Tisch kam Hausmannskost, immer dabei die herzhaften Handschnittchen. Damit wurde die Mühle groß. „Viele sind in den 50er Jahren von Plettenberg zu uns hochgewandert“, erinnert sich Martina Flöper, die von klein auf immer im Geschäft dabei war und die Gastwirtschaft quasi mit der Muttermilch erfuhr. 

Nicht nur die Schnittchen wurden weithin gerühmt. Kinder erinnern sich an „Florida Boy“ als be- und geliebtes Erfrischungsgetränk, an den großen Spielplatz mit Karussell und an das unbeschwerte Spiel am Bachufer. Kinderglück, Dein Name war Affelner Mühle. So muss das auch für die Gäste aus dem Ruhrgebiet gegolten haben. 

Es war die Zeit, in der Willy Brandt versprach, eines Tages werde man den Himmel über der Ruhr wieder als blau erkennen können – „Ruhris“ fanden damals den blauen Himmel, die klare Luft, das saubere Wasser, das herzhafte Essen im Sauerland. Sie verreisten damals – und das für zwei oder drei Wochen, heute undenkbar – zu Schröders auf den Wellin bei Herscheid oder zu Müllers/Gierses zur Affelner Mühle. In aus heutiger Sicht bescheidenen Fremdenzimmern wurde man untergebracht und war doch glücklich.

Gäste von der Ruhr genossen Landleben 

Auch das gehört zur Wirklichkeit auf dem Wellin wie in der Affelner Mühle: Gebaut wurde immer. Bis Ende der 70er Jahre ist an der Mühle stets und ständig um- und ausgebaut worden, wurde im Rahmen der Möglichkeiten modernisiert und erweitert. Denn die Nachfrage nach Landkost und Landlogie war groß. 

Martina Flöper geborene Gierse konnte 1987 also ein gut eingeführtes Geschäft übernehmen, das sie zunächst noch mit Mutter und Großmutter betrieb. Nicht „drei Damen vom Grill“, sondern die drei Damen von der Affelner Mühle, so war das damals in den 80er Jahren. 

An Oma Bernadine Müller kann sich Wilhelm Bartsch, der früher einen Malerbetrieb mit Verkaufsgeschäft an der Uhlandbrücke (Gasthof Zur Erholung, heute „Akropolis“) betrieb, noch bestens erinnern. Bartsch („Wir bekommen das Süderländer Tageblatt in der dritten Generation“) weiß es noch ganz genau: „Direkt nach dem Krieg , ich war 1945 elf Jahre alt, bin ich mit meiner Mutter Erna zu Fuß zur Affelner Mühle zu Oma Müller gewandert. 

Dort gab es ein Brot mit guter Butter und Schinken.“ Sein ganzes Leben hat er diesen Genuss nicht vergessen. Die Affelner Mühle war damals der Kartoffellieferant für die Familie Bartsch. „Oma Müller kam mit dem Bauern mit Pferd und Wagen nach Plettenberg und ihre Einkeller-Abonnenten wurden im Herbst versorgt. Wir hatten einen kühlen Keller und kellerten zwischen 14 und 20 Zentner Kartoffeln ein. 

Die mussten dann bis weit ins nächste Jahr hinein ausreichen, denn Nachkaufen war damals unmöglich.“ Als später in den 50er Jahren der Wirtschaftsbetrieb an der Affelner Mühle erblühte, gehörten Uschi und Wilhelm Bartsch rasch zu den Stammgästen. Die Taufe ihrer Enkelkinder Mona und Timo haben sie später hier gefeiert wie auch manchen runden Geburtstag „am großen Tisch“. 

Heute kommen sie wöchentlich in die „Freiheit“ und genießen den Ruhestand nach langjähriger Selbstständigkeit und späterem Angestelltendasein in der Firma Otto Rentrop, wo Wilhelm Bartsch nach dem Auslaufen des Malergeschäftes Fahrer- und Hausmeistertätigkeiten für Chef Adolf Rentrop übernahm und stolz ist, noch heute Firmenrentner zu sein. Auch Helmut Herzhoff aus Plettenberg („Seit ich 1955 geheiratet habe, haben wir das Süderländer Tageblatt im Haus“) verkehrt seit 1957 regelmäßig in der Affelner Mühle.

Er verbindet eine besonders rührende Geschichte mit dem Gasthaus. „Meine Frau war im Krankenhaus. Mein Schwiegervater, ich und meine Tochter Elke hatten einen Zwergspitz bekommen. Der Welpe war pechschwarz und musste abgeholt werden. Wir hatten die >Tina< dabei und kehrten in der Mühle ein. Dort waren die Plettenberger Poalbürger und hatten eine riesige Hündin dabei. Unsere Tina machte sich in der Stube selbstständig und trottete zu der Riesenhündin hin. Uns wurde Angst und Bange. Und was war? Die Hündin nahm Tina in die Schnauze und brachte sie zu uns zurück.“

Viele Gäste haben Stammplatz und -tag 

Zweimal wöchentlich kommt Herzhoff heute in die Mühle, ist dort u.a. als leidenschaftlicher Spargelesser bekannt. – Die Gesellschafterversammlung der Wassergenossenschaft Eiringhausen tagt regelmäßig in der Mühle. – Familiennamen wie Langemann, Schachta, Altenkämper, Rahn, Zange fallen. Sie alle haben Stammplätze und oft Stammtage im Lokal, seit Jahren schon. Traditionsfeste von Gruppen des Plettenberger Hegerings werden begangen. Und oft kommen heute die Enkel, die über Eltern und Großeltern die Mühle zu lieben gelernt haben.

Gastlichkeit auf der Kreisgrenze

Die Affelner Mühle befindet sich genau auf der Kreisgrenze des Märkischen Kreises zum Hochsauerlandkreis, in Altenaffeln an der äußersten Grenze der alten „Freiheit Affeln“ – und genau an der Landstraße von Altenaffeln zur Sorpe. Die Mühle hat dienstags, mittwochs, freitags und samstags geöffnet ab 15 Uhr (Küchenzeit ab 17 Uhr) sowie sonntags bereits ab 11.30 Uhr. Sonderöffnungszeiten sind möglich. Eine typische Sonderöffnung ist die für ein Frühstücksbüfett, das ab acht Personen sinnvoll ist und auf Bestellung angerichtet wird. Gerade Gesellschaften älterer Gäste werden heutzutage gerne vormittags ausgerichtet, weil man im Hellen ab- und anreisen kann und nicht mehr abends mit dem Auto fahren muss. 

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