"Notfall Hausarzt"

Thema Praxensterben: Plettenberger Kinderarzt in ZDF-Reportage

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Plettenberg – Die Kinder- und Jugendarzt-Praxis von Michael Achenbach ist für die Versorgung von mehr als 3000 Kindern und Jugendlichen Plettenberg zuständig. Achenbachs Praxis platzt aus allen Nähten. Jetzt spielt der Mediziner eine entscheidende Rolle in der 37-Grad-Reportage mit dem Titel "Notfall Hausarzt - Praxensterben in Deutschland".

Als in den Nachbarstädten im Märkischen Kreis noch zwei weitere Kinderärzte wegfielen, wusste Michael Achenbach, dass harte Zeiten auf ihn zukommen werden. Endlich Unterstützung zu bekommen, ist seit Langem das größte Anliegen des Arztes, der die Politik für die schwierige Situation der Hausärzte in der Verantwortung sieht. 

Vor diesem Hintergrund war Achenbach einer der drei Protagonisten in der 37 Grad-Reportage des ZDF mit dem Titel „Notfall Hausarzt“

„Ich betreue teilweise 120 Patienten am Tag – das ist kaum noch möglich“, erzählt er im Interview. Die Praxis platze aus allen Nähten. Patienten wie die 15-jährige Julia, die sich seit Jahren ritzt, blieben irgendwann auf der Strecke. „Wenn von uns niedergelassenen Ärzten immer mehr verlangt wird und die Schlagzahl immer höher wird, fallen diese Jugendlichen hinten runter.“ 

Der einzige Kinder- und Jugendarzt weit und breit

Mittlerweile sei die Praxis von Achenbach – dem einzigen Kinder- und Jugendarzt weit und breit – so stark ausgelastet, dass die Patienten sich teilweise vor der Theke beschwerten, da sie auch weggeschickt werden müssten.

 „Wir können einfach nicht mehr alle Patienten annehmen“, so Achenbach. Anne Achenbach, die in der Praxis als medizinische Fachangestellte beschäftigt ist, sagt über ihre Kollegen und sich selbst: „Wir laufen alle am Limit. Es geht einfach nicht mehr“, so die Ehefrau des Arztes. Michael Achenbach erklärt in dem Zusammenhang, dass er auch nicht nur Arzt sei.

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"Alles andere kommt zu kurz"

 „Ich bin auch noch Ehemann, Familienvater und Freund – aber alles andere kommt zu kurz“, erklärt er, der selbst Vater von zwei Jugendlichen ist. Besonders sein Sohn würde darunter leiden, dass als Familie kaum noch Freizeit bliebe. Im Interview erzählt der 15-Jährige, dass er sich nicht daran erinnern könne, wann er das letzte Mal etwas mit seinem Vater unternommen habe. Der Feierabend fängt bei Michael Achenbach nicht mit dem Abschließen der Praxistür an, denn dann stehen teilweise noch Hausbesuche auf dem Programm – auch an Feiertagen.

 Der Kinder- und Jugendarzt sagt ganz klar: „ Die Politiker sind jetzt zum Handeln aufgefordert. Es muss sich etwas tun“. Falls Achenbach seine Praxis irgendwann einmal schließen sollte, sieht es für die jungen Plettenberger Bürger ziemlich schlecht aus...

Video online 

Die Reportage ist in der ZDF-Mediathek abrufbar.

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