Ärztemangel in Plettenberg spitzt sich zu

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Plettenberg - „Wir müssen etwas tun“ – in dieser Aussage sind sich Politik und Stadtverwaltung einig, wenn es um den drohenden Ärztemangel in Plettenberg geht. Wie dringlich dieses Thema ist, zeigt die Tatsache, dass zum Jahreswechsel eine weitere Arztpraxis geschlossen wird.

Der Neurologe Daan Berkhout, der auf eine öffentliche Verabschiedung verzichtet, geht heute in den Ruhestand. Für die medizinische Versorgung im Stadtgebiet ist das ein großer Verlust, denn damit gibt es in Plettenberg künftig keinen sogenannten Nervenarzt mehr. Der nächste Neurologe ist nun Dr. Markus Will, Klosterplatz 3, in Attendorn.

Die Kassenärztliche Vereinigung hat nun reagiert und sucht nach Lösungen, um die neurologische Versorgung in Plettenberg zu sichern. Unter anderem hat sie die Stadt Plettenberg nun in ihrem Förderverzeichnis aufgenommen. Damit winken Medizinern, die sich in Plettenberg niederlassen möchten, finanzielle Unterstützungen der Kassenärztlichen Vereinigung. Das gilt in Plettenberg wohlgemerkt nur für Nervenärzte, nicht aber für Hausärzte.

Dabei wird sich in Zukunft auch der Bedarf nach Allgemeinmedizinern zuspitzen. Noch wird die Situation in Plettenberg mit 18 Hausärzten für rund 25 800 Einwohnern als „sehr stabil“ und „gut versorgt“ eingestuft. Doch ein Blick auf die Altersstruktur der Ärzte zeigt, dass es schon in wenigen Jahren Probleme geben könnte: Zwei der 18 Ärzte sind bereits über 70 Jahre alt, weitere sechs zwischen 60 und 64 Jahre. Viele dieser Ärzte dürften in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen. Die entscheidende Frage ist: Wie geht es dann mit den Praxen weiter?

Es ist längst sehr schwierig geworden, die vergleichsweise wenigen jungen Mediziner in eine ländliche Region wie Plettenberg zu locken. Orte wie Werdohl, Neuenrade, Meinerzhagen oder Kierspe können davon ein Liedchen singen; sie alle stehen im Förderverzeichnis für Hausärzte. Bis vor einem Jahr fand sich auch die Stadt Altena auf dieser Liste. Doch weil hier in einer lange leerstehenden Praxis nun zwei neue Hausärzte praktizieren und weil ein anderer Hausarzt einen Nachfolger gefunden hat, ist die Situation in der Burgstadt nun wieder stabil.

Die Politik jedenfalls ist angesichts der überwiegenden Negativbeispiele aus der Nachbarschaft gewarnt. „Wir müssen in Zukunft seitens der Stadt geeignete Maßnahmen ergreifen, um junge Ärzte zur Ausübung ihres Berufs nach Plettenberg zu holen“, forderte der CDU-Fraktionsvorsitzende Heiko Hillert unlängst im Stadtrat. „Gern würden wir dies in Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus und den ärztlichen Organisationen machen. Auch Hilfen der Stadt im gesetzlich zulässigen Rahmen zur Existenzgründung sind für uns dabei kein Tabu.“

Bürgermeister Ulrich Schulte kümmert sich schon länger um den drohenden Ärztemangel und beobachtet aufmerksam, wie andere Städte diesem Thema begegnen. Das Problem ist, dass es kein Patentrezept gibt. Im Stadtrat sagte Schulte: „Wir sind dabei, mit zwei, drei anderen Städten und dem Krankenhaus nach Lösungen zu suchen.“ Wie diese konkret aussehen, ließ er ebenso wie die Kassenärztliche Vereinigung bei ihren Nachfolgebemühungen für einen Neurologen offen. Fest steht: Die medizinische Versorgung in Plettenberg wird sich in den nächsten Jahren stark verändern.

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