Robert Beyer feiert 90. Geburtstag

Ältester Mitarbeiter der Heimatzeitung: „Journalismus ist meine Berufung“

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Zum 90. Geburtstag wirft Beyer einen Blick zurück.

Plettenberg – Robert Beyer, der Mann, der viele Jahrzehnte aktiv für die Heimatzeitung schrieb und immer ein fester Teil dieser war, feierte am vergangenen Wochenende seinen 90. Geburtstag. Mittlerweile ist er Mitglied der Seniorenredaktion, allerdings hält er sich weitestgehend im Hintergrund, trägt aber immer noch mit seinen Ideen und Anregungen zum Redaktionsgeschehen bei. Er führte in seinen Jahren als freier Mitarbeiter bei der Heimatzeitung und auch für das Radio hunderte Interviews, sprach mit Menschen aus allen Bevölkerungsschichten, um ihre Geschichten zu hören und sie dann weiterzuerzählen.

Die Redaktion nahm seinen 90. Geburtstag zum Anlass, um nun einmal seine persönliche Geschichte zu erzählen. Dafür wirft Robert Beyer einen Blick zurück auf seine Lebensgeschichte. Der Plettenberger ist bis auf einige körperliche Einschränkungen fit. Mit dem Laufen könnte es etwas besser sein, aber mithilfe von Rollator und Gehstock kommt er noch einigermaßen gut hin und her. Robert Beyer war schon immer gut im Erzählen und egal in welcher Situation, er hatte nie Scheu davor, sein Gegenüber zu unterhalten. 

Er erinnert sich an die schlimmen Jahre während des Zweiten Weltkriegs, die er als Hitlerjunge in Plettenberg erlebte. Er erinnert sich ebenfalls an die vielen, ereignisreichen und spannenden Jahre bei Firma Prinz, der DAK-Krankenkasse und Firma Schade, bei denen er in unterschiedlichsten Funktionen hauptberuflich tätig war. Aber eine besondere Zeit im Leben, die würde der 90-Jährige gerne vergessen – die Zeit nach dem Tod seines Sohnes, der 2016 mit nur 55 Jahren an Krebs verstarb. Mittlerweile hat Beyer ein Alter erreicht, das die wenigsten aktiv miterleben können. 

Die meisten Freunde und Bekannte Beyers leben nicht mehr – auch Familienmitglieder und seine geliebte Frau Ursula musste er schon gehen lassen. Dennoch gab es einige liebe Menschen, die den 90. Geburtstag mit dem Plettenberger feiern konnten. In Attendorn-Windhausen trafen sich 15 Familienmitglieder und Freunde, um auf das Leben mit Robert Beyer anzustoßen – unter den Gästen war auch der Plettenberger Bürgermeister mit seiner Ehefrau, aber nicht nur in der Funktion als Stadtoberhaupt, sondern auch als Neffe Beyers. 

In einem kürzlich erschienenen Bericht der Heimatzeitung ging es um Beyers Erinnerungen an seine Zeit als Hitlerjunge. „Der Bericht ging auf meiner Geburtstagsfeier reihum. Meine Familie hat sich natürlich sehr dafür interessiert“, erklärt Beyer und erinnert sich auch im jetzigen Gespräch mit der Heimatzeitung an die schlimmen Kriegsjahre, die der 90-Jährige mit den Worten „verrückte Jahre“ Revue passieren lässt: „Wir wohnten auf der Sundhelle und konnten von dort aus über die Hohe Molmert blicken. Wenn sich dort der Himmel rötlich färbte wussten wir, dass schon wieder Bomben gefallen waren“, erinnert sich Beyer, hält kurz inne und schüttelt dann ungläubig den Kopf: „Das kann man sich gar nicht vorstellen!“, ergänzt der Senior. 

Heutzutage verbindet man etwas Schönes, Gemütliches und Geheimnisvolles mit dem rötlichen Abendlicht – damals habe es etwas Schreckliches, Bedrückendes mit sich gebracht. Während des Gesprächs kommen Beyer Erinnerungen von Verletzten hoch, die ins alte Krankenhaus geliefert wurden, dorthin, wo jetzt das Matthias-Claudius-Haus steht. 

Die gesamte Hitlerjungen-Gruppe kam am 7. Oktober 1944 nach einem Bombenangriff auf Dortmund vom Aufräumeinsatz zurück, wo neun Kameraden den Tod fanden, „Wir durften darüber kein Wort verlieren, es galt, Stillschweigen über die Geschehnisse zu bewahren“, so Beyer. Er erinnert sich auch an Tauschgeschäfte mit den Amerikanern nach dem Krieg, an stundenlange Märsche durch den Wald aus Drolshagen nach Plettenberg, um in der Nachkriegszeit nach der Arbeit beim Bauern wieder nach Hause zu kommen – „ein Esser weniger am Tisch, das war viel wert“, erklärt Beyer, warum er unter der Woche nicht in Plettenberg war.

 Erinnerungen an die Angst vor den ehemaligen russischen Zwangsarbeitern, die durch die Wälder streiften und Überfälle verübten. Erinnerungen von ausgebombten Häusern kommen hoch, in denen die Hitlerjungen Aufräumarbeit leisteten, Leichen bargen und teilweise auch selbst von solchen Einsätzen nicht mehr vollzählig zurück in die Heimat kehrten. „Solche Erlebnisse vergisst man nie. Das bleibt für immer“, ist sich Beyer sicher. Auch heutzutage kann er noch nicht glauben, dass die Menschen zu der Zeit Adolf Hitler als Idol angesehen haben. „Wir fanden den alle toll. Sein Wort war so viel wert. Auch wir haben an den Sieg geglaubt – bis zuletzt“, erinnert sich Beyer und schüttelt wieder ungläubig den Kopf. „Wehret den Anfängen“, sagt der Plettenberger, der hofft, dass es nie wieder einen Krieg in Deutschland geben wird, bezogen auf heutige, beunruhigende Entwicklungen. „Menschen können schnell manipuliert werden, das hat man damals gesehen. Die Männer bei der SA wurden so gedrillt, dass sie nicht mehr wussten, was sie taten. So etwas darf nie wieder passieren“, appelliert Beyer. Das Leben des mittlerweile 90-jährigen Plettenbergers ist ruhiger geworden. 

In einem Blick zurück auf 90 Jahre Robert Beyer wird klar, dass aber nicht nur die Erinnerungen an die aufwühlenden Zeiten bleiben. Es bleiben auch die schönen Jahre mit der Familie, mit Freunden und auch mit der Nebentätigkeit als Reporter. „Würden Sie etwas anders machen, wenn Sie noch einmal entscheiden dürften?“ Auf diese Frage antwortet Beyer mit einem klaren „Ja. Ich würde hauptberuflich Reporter werden!“, da ist er sich sicher. „Der Journalismus ist meine eigentliche Berufung!“, ergänzt der Senior.

 Nicht nur die Interviews für die Heimatzeitung, auch die Porträts über Musiker seien seine besondere Leidenschaft gewesen. Zuletzt porträtierte er berühmte Persönlichkeiten als Moderator in seinen eigenen Sendungen „Notenschlüssel“, die über die Frequenzen von Radio MK ausgestrahlt wurden. Hinzu kamen unzählige Sendungen, die beim deutschsprachigen Sender „Radio Herz“ in Toronto/Kanada über den Äther gegangen sind. Übrigens, für seine Sendungen erhielt Beyer einige Auszeichnungen vom FÖLOK, so auch den Hörfunkpreis für seinen „Notenschlüssel“. Für seinen persönlichen Blick in die Zukunft wünscht sich Robert Beyer noch eine gute Zeit in Frieden und Gesundheit, ohne Krieg. „Aber vor allem auch, dass es meinen Liebsten – Freunden, Bekannten und Familienmitgliedern – in allen Zeiten gut geht!“

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