Frau hatte sich in Wohnung verbarrikadiert

Abschiebung trotz Corona im MK: Frau nachts abgeführt und in Risikogebiet geflogen

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Mit einer ähnlichen Türramme öffneten die Mitarbeiter der Zentralen Ausländerbehörde die verbarrikadierte Wohnungstür der Albanerin in Plettenberg.

In der vergangenen Woche beobachtete ein Anwohner des Plettenberger Wohngebietes Eschen nachts gegen 2.30 Uhr einen ungewöhnlichen Vorgang, als vier Einsatzfahrzeuge, die Polizeifahrzeugen glichen, vor einer Wohnung vor fuhren und die verbarrikadierte Haustür gewaltsam aufbrachen.

Plettenberg – Wie Recherchen unserer Redaktion ergaben, ereignete sich die Aktion am vergangenen Mittwoch. Christoph Hüls, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Iserlohn, konnte einen polizeilichen Einsatz ausschließen. Vor Ort war auch ein Bus mit Coesfelder Nummernschild. 

Nachforschungen ergaben, dass dieser – das bestätigte Christoph Hüsing, Sprecher im Kreis Coesfeld – zur Zentralen Ausländerbehörde im Kreis Coesfeld zählt. „Die Mitarbeiter haben bei einer geplanten Abschiebung Amtshilfe für die Kollegen im Märkischen Kreis geleistet“, betonte der Sprecher. Die jeweiligen Einsätze bei Auslieferungsverfahren würden dabei in der Koordinierungsstelle in Köln festgelegt. 

Auslieferung in Plettenberg: Ausländerbehörde des MK vor Ort

Das konnte auch Kreissprecherin Ursula Erkens bestätigen. Ein halbes Dutzend Mitarbeiter der Ausländerbehörde des Märkischen Kreise sei in besagter Nacht in Plettenberg im Einsatz gewesen. „Es ging um die Auslieferung einer Albanerin“, erklärte Erkens. Deren Asylantrag sei abgelehnt worden, weshalb sie „vollziehbar ausreisepflichtig“ gewesen sei. Ihr Antrag auf Aufenthaltserlaubnis wegen angeblicher Reiseunfähigkeit sei abgelehnt worden – daher seien die Rechtsmittel erschöpft gewesen und die Ausländerbehörde habe die Abschiebung in das Heimatland vollzogen.

Per Türramme mitten in der Nacht Zugang verschafft

Ein Zeuge spricht gegenüber der Redaktion von einer großen Zahl an Kräften der Ausländerbehörde, die an dem Einsatz am frühen Mittwochmorgen beteiligt gewesen seien. Um die mehrfach gesicherte Tür aufzubrechen, kam offenbar eine Türramme zum Einsatz, denn die Bewohnerin habe die Tür verrammelt, so der Zeuge. Da Abschiebungen nicht angekündigt werden und der Flug von Düsseldorf nach Albanien am Morgen angesetzt war, wurde die Behörde mitten in der Nacht aktiv. Am Düsseldorfer Flughafen wurde die Albanerin aus Plettenberg der Bundespolizei übergeben, die die Begleitung beim Flug nach Albanien übernahm. Laut Robert-Koch-Institut gilt Albanien seit dem 15. Juni als Risikogebiet. 

Laut Ursula Erkens habe es coronabedingt zuletzt nur sehr wenige Abschiebungen im Kreis gegeben. Nun dürfte die Zahl aber wieder ansteigen.

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