In Himmelmert

Komplettes Haus wechselt für eine Kiste Bier den Besitzer

Der Plettenberger Dirk Kieslich (li.) verkaufte ein HUF-Haus in Himmelmert für eine Kiste Bier an Michael Langhorst aus Wagenfeld bei Osnabrück. Der baute es komplett ab bis auf die Bodenplatte.

Plettenberg - Bei der folgenden Geschichte geht es um ein Haus in Himmelmert, einen verrückten Mann aus Niedersachsen und einen Plettenberger, der am Ende sein gerade erstandenes Haus für eine Kiste Bier „verkauft“. Doch der Reihe nach.

 Alles begann an einem typischen Sauerländer Grillabend im Sommer letzten Jahres. Familie Kieslich aus dem Oestertal war bei Freunden in Himmelmert zum Grillen eingeladen. Die Familie wohnt oberhalb des Schmiedeweges am Pieneweg. Vom Grill aus hat man einen direkten Blick auf das Grundstück am Schmiedeweg 22.

Und das stach Familienoberhaupt Dirk Kieslich gleich ins Auge, suchte er doch ein neues Zuhause für die fünfköpfige Familie. „Als Plettenbergs erster und einziger Winzer und Hopfenbauer war ich schon lange auf der Suche nach einem passenden Grundstück“, sagte der Plettenberger, der schnell den Besitzer des Grundstücks ausfindig macht und wenige Wochen später den Kaufvertrag unterschrieb.

So gut der Familie das Grundstück gefiel, so wenig sagte ihnen das auf dem Grundstück stehende Haus zu. „Schon bei unserer ersten Besichtigung fiel uns der Gestank auf und schnell war uns klar, dass das Haus eigentlich nicht zu retten ist“, berichtete Kieslich. Die Kellerwände waren schwarz vor Schimmel und die Bodenplatte von ständiger Feuchtigkeit brüchig und porös.

Der massive Wasserschaden war nicht lokalisierbar und die Drainage mangelhaft. „Es war schnell klar, dass hier keine Sanierung mehr hilft, sondern nur der Abriss“, so Kieslich. Die Abbruch- und Entsorgungskosten von rund 30.000 Euro relativierten den günstigen Kaufpreis des Grundstücks, doch die Familie hatte sich schon in den über dem Grundstück verlaufenden Bach, die Teiche und das 2 500 Quadratmeter große Grundstück verliebt.

Per Kran wurde das Haus demontiert.

Die auf dem maroden Keller aufmontierte HUF-Haus- Komponente war noch gut in Schuss und von baulicher Top-Substanz. Da es sich bei einem HUF-Haus um ein hochwertiges Architektenhaus im Fachwerkstil handelt, setzte Dirk Kieslich kurzerhand eine Kleinanzeige ins Internet, wo er die Fensterscheiben und die Heizung einsetzte.

Es verging keine Stunde und es meldeten sich die ersten Interessenten und besuchten kurz darauf das Haus. Doch niemand wollte die Scheiben oder die Heizung kaufen, sondern die gesamte Haus-Konstruktion mitnehmen.

Ein Interessent wollte das Haus in Himmelmert zurückzubauen und es sich auf einem 10.000 Quadratmeter großen Grundstück im Westerwald als Sommerhaus wieder aufbauen. Doch der Mann kapitulierte letztlich vor der gewaltigen Herausforderung. Grundstücksbesitzer Dirk Kieslich änderte nun die Anzeige.

Scheiben und Heizung flogen aus der Beschreibung heraus und das komplette Haus wurde zur Demontage eingestellt. Auch ein Männerpärchen aus Köln, das nach Frankreich umziehen wollte, plante den Haus-Umzug und ein Rentner aus dem Hochsauerlandkreis liebäugelte mit einem Neuaufbau als Alterswohnsitz.

Das Haus vor der Demontage aus der Vogelperspektive.

Ein Fabrikant aus Plettenberg dachte an ein Haus für seine Tochter, doch letztlich wichen alle vor der gewaltigen Aufgabe zurück. Nicht so Michael Langhorst aus Wagenfeld (Landkreis Diepholz in Niedersachsen). Als Unternehmer brachte er schon Erfahrungen mit und hatte bereits ein Okal- und ein Bien-Zenker-Haus demontiert und wieder aufgebaut.

Man traf sich in Himmelmert am Grundstück und die Planungen wurden konkreter. Schnell war klar, dass angesichts des gewaltigen Aufwandes kein Geld zu verdienen war und so einigte sich Dirk Kieslich mit dem hünenhaften Mann aus Niedersachsens auf die alte Sauerländer Zahlungsweise.

Per Schwerlastkran wird hier das letzte Seitenelement des fast 40 Jahren alten HUF-Hauses in Himmelmert mitsamt Haustürelement demontiert und für den Abtransport in Richtung Bremen vorbereitet.

„Wir haben eine Kiste Bier als Preis festgelegt“, sagte Kieslich, der sich damit die Abrisskosten sparte. Michael Langhorst organisierte sich ein Helferteam und dann ging es los. Fast zwei Wochen dauerten die Vorarbeiten, ehe Ende Februar der Kran von Martin Fischer aus Ohle anrückte und zunächst das Dach und später die einzelnen Wandelemente demontierte.

Ein Sattelschlepper brachte das zerlegte Huf-Haus mit einer Gesamtfläche von 140 Quadratmetern schließlich in Richtung Bremen, wo es bald wieder aufgebaut wird. „Meine Kinder sind schon aus dem Haus und ich will in dem Haus mit meiner Frau wohnen“, sagte Langhorst, der für den Abbau und die Demontage rund 20.000 Euro und eine Kiste Bier investierte.

Weitere 150.000 Euro will er in eine zeitgemäße Dachdämmung, neue Fenster und die weiteren Installationsarbeiten stecken. Doch damit liegt er immer noch bei gerade einem Drittel der Kosten für ein neues HUF-Haus. Beim Richtfest in Bremen werden die Plettenberger vor Ort sein.

„Und wenn irgendwann auf dem Grundstück unser Kiesarenhaus steht, dann sind die Niedersachsen vor Ort“, hat Dirk Kieslich zwar ein Haus verloren, aber eine Kiste Bier und eine Freundschaft gewonnen.

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