Die Daktiker unterhalten Plettenberger Publikum zum siebten Mal mit Theaterstück

Abenteuerlichen Ausflüge in Syntax und Semantik

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„G 8, 9 … - aus! Das Adolphinum schlägt zurück“ lautete der Titel des Programms. Auch Dauerbrenner wie Inklusion und Integration oder die Digitalisierung kamen im Stück nicht zu kurz und wurden amüsant inszeniert.

Plettenberg - „Es war wunderbar, Herr Dr. Bass!“ – und zwar nicht nur von ihm, sondern von allen vier Daktikern, die das Publikum am Freitagabend im Dietrich-Bonhoeffer-Haus bestens zu unterhalten wussten.

„G 8, 9 … - aus! Das Adolphinum schlägt zurück“ lautete der Titel des Programms und hätte tagesaktueller nicht sein können. Am Städtischen Adolphinum gibt es „wahlausgangsresistent“ ab sofort einen G8- und einen G9-Zweig.  

 Lehrerin Hildegard Lengowski (Brigitte Lämbgen) soll diesen leiten, muss sich aber in Unterrichtsbesuchen und einem Quiz („Woran erkennt man eine Grundschullehrerin?“) beweisen. Doch es kamen auch Dauerbrenner wie Inklusion und Integration oder die Digitalisierung nicht zu kurz. Während den Schülern das Smartphone bereits in die Wiege gelegt wurde, sieht sich die Lehrerschaft des Adolphinums mit „Beamer, ELMO und Smartboard“ völlig überfordert. „Früher war besser!“ hörte man deutlich mehr als einmal.

 Besonders gut kam der „Informations-Abend für Eltern der bildungsfernen Stadtteile“ an. Das Licht im Saal ging an und plötzlich fand sich das Publikum selbst in der Rolle ebendieser Eltern wieder; Seite an Seite mit einer russischen Mutter, die ihrer Tochter Großes zutraut, aber von dem überheblichen Oberstudienrat Karl-Eduard Krick (Hans-Peter Königs) nicht ernstgenommen wird, und einem Vater, der seinen Sohn gerne bis in die Abendstunden in der Schule verwahrt lassen möchte. Statt Aufklärung über die mögliche schulische Laufbahn ihrer „verhaltensoriginellen Kinder“, erhalten die Eltern Verbesserungsanweisungen ihrer eigenen „abenteuerlichen Ausflüge in Syntax und Semantik“. 

Um das Programm der Daktiker lustig zu finden, bedarf es zwar keines Lehramtsstudiums, aber der überdurchschnittlich hohe Anteil an aktiven wie auch pensionierten Pädagogen unter den rund 150 Zuschauern sprach Bände. So war es zumindest von Vorteil, sich im schulischen Dunstkreis zu bewegen, um einige Anspielungen oder Übertragungen wie die der „Springstunde“ – ein Lehrer hüpft kleinmädchenhaft über die Bühne – zu verstehen.

 Auch beim Propagandalied „Kohle fürs Nichtstun“, das die klassischen Klischees des Lehrerberufs bediente (viel Freizeit und wenig Arbeit), hätte so mancher vielleicht gedacht „Wieso? Stimmt doch!“

 Ebenso mit den anderen Musikstücken wussten die Daktiker zu überzeugen. Mal wurden die Tücken und Fehler beim Kopieren besungen, mal die Unterschiede der 16 Bundesländer – immerhin ist Bildung Ländersache. Viel Zuspruch erntete der Schlusssong „Das Adolphinum schlägt zurück“ zur Melodie von „The lion sleeps tonight“ sowie die Zugabe „Wunderbar, Herr Dr. Bass“ bei der Hans-Peter Königs in seiner Rolle des OStR Krick den keine Miene verziehenden Hermann-Josef Skutnik als Dr. Aschobald Bass umgarnte. Unterbrochen wurde der rote Faden des Programms immer mal wieder durch den Schlag einer Triangel, der eine weitere Folge von „Das macht Schule“ ankündigte. In kürzesten, pointierten Szenen wurden verschiedene Schulbegriffe oder –begebenheiten erzählt. Besonders viel Beifall erhielt die Folge „Gott“: eine in ein weißes Gewand gehüllte Person schreitet über die Bühne, zwei Lehrer beugen sogleich ehrfurchtsvoll die Knie. Wer das gewesen sei? – „Der heilige Elternwille!“ 

Andreas Boxhammer, Brigitte Lämbgen, Hans-Peter Königs und Hermann-Josef Skutnik gaben am Freitagabend zwar einen sehr überspitzen, aber keinesfalls völlig aus der Luft gegriffenen Einblick in das alltägliche schulische Treiben. Mit Spielfreude und zündenden Gags wussten sie das Publikum vom ersten Moment an zu fesseln. Daher verwundert es nicht, dass dies bereits der siebte Auftritt vor Plettenberger Publikum gewesen ist. 

Gemessen an dem vollen Erfolg, ist eine nochmalige Wiederholung nicht auszuschließen. In diesem Sinne: „Vielleicht bis zum nächsten Schuljahr!“

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