Von Maßnahmen überrascht

Ab Montag kein Präsenzunterricht mehr - sind die Schulen in Plettenberg dafür gerüstet?

Die Plettenberger Schulen waren von den Neuregelungen überrascht.
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Die Plettenberger Schulen waren von den ab Montag geltenden Neuregelungen überrascht.

Die Ankündigung von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, die Präsenzpflicht an Schulen ab Montag zu beenden, traf die Plettenberger Schulen ein Stück weit überraschend.

Plettenberg – Eltern von Schülern bis zur siebten Klassen wird freigestellt, ob sie ihre Kinder in die Schule schicken oder lieber von zu Hause aus lernen lassen. Für Schüler ab der achten Klasse soll der Distanzunterricht gelten.

Grundschule

„Wir haben jetzt gerade [Anm. d. Red.: Freitagmittag] erst erfahren, was das für uns konkret bedeutet“, kommentiert Nicole Friedrich als Leiterein der Hallenschule und der Grundschule Ohle das Schreiben von Mathias Richter aus dem NRW-Schulministerium. Es werde aber wohl darauf hinauslaufen, dass Eltern ihr Kind zu Hause lassen können. „Ich glaube aber, dass die meisten Grundschüler weiter kommen werden“, sagt Friedrich auch mit Blick auf die nicht unproblematische Betreuung, die ansonsten sehr kurzfristig geregelt werden müsste. Viele besorgte Eltern hätten angerufen. Diese sollen jetzt weitere Informationen auf der Homepage der Schule erhalten. Friedrich hätte sich allgemein klarere Regeln gewünscht.

Für die Schüler im Distanz-unterricht werde man die webbasierte App SchoolFox nutzen, die für die Hallenschule und die Grundschule Ohle besser geeignet sei. Anders als bei der vom Landesministerium zur Verfügung gestellten Plattform Logineo, die beispielsweise am Plettenberger Gymnasium genutzt werde, könne man bei Schoolfox nahezu alle Eltern per Smartphone informieren und darüber auch Lerninalte verschicken. Noch dazu enthalte die Plattform eine Übersetzungsfunktion, um auch bulgarische, türkische, italienische oder Eltern aus anderen Ländern informieren zu können. Wie jede Schule diesbezüglich verfahre, sei unterschiedlich. „Eine einheitliche Lösung in Plettenberg gibt es da nicht“, sagte Friedrich und ergänzte: „Wenn ich offiziell Kenntnis über die neuen Vorgaben des Schulministeriums habe, werde ich die Eltern darüber informieren“, sagt Friedrich, die es bedauerte, nicht früher informiert worden zu sein. „Dann hätten wir den Schülern am Freitag schon Bücher mitgeben können und alles besser vorbereiten können“, so die Schulleiterin.

Gymnasium

Inmitten eines sehr turbulenten Freitags am Albert-Schweitzer-Gymnasium fand Direktorin Elisabeth Minner kurz Zeit, um auf die aktuelle Situation einzugehen. „Wir regeln im Moment alles dafür, den Distanzunterricht für die Klassen 8 bis zur Q2 ab Montag über die Lernplattform Logineo abzuwickeln.“ Klausuren und Klassenarbeiten würden in der nächsten Woche und möglicherweise auch am 21. und 22. Dezember trotzdem geschrieben. Die Schüler würden dann aber nur für die Klausuren in die Schule kommen, so Minner zu den Ausnahmen vom Distanzunterricht.

Für die Klassen 5 bis 7 könnten die Eltern eine Befreiung für den Präsenzunterricht bei der Schule beantragen. „Die Lehrer werden am Montag alle in den entsprechenden Klassen sein und schauen, welche Schüler da sind“, so Minner. Für die Schüler im Distanzunterricht werde man die Lerninhalte ebenfalls über Logineo vermitteln und bereite dies gerade vor. Zudem verfasse sie gerade aktuelle Informationen für die Homepage der Schule, erklärte Minner.

Hilfreich sei gewesen, dass die Oberstufe noch an der Schule gewesen sei, als die Neuerungen verkündet wurden, die für Minner und das Kollegium in der Form überraschend und unangekündigt kamen. „Aber wir sind es ja mittlerweile gewohnt, schnell zu reagieren“, sagte Minner. „Man muss einfach schauen, wie man die Vorgaben pragmatisch umsetzt“, so die ASG-Direktorin.

Realschule

„Es gab vorher eine andere Aussage, daher hat es mich schon überrascht“, sagt Monika Storm, Leiterin der Geschwister-Scholl-Realschule, und wundert sich über die kurzfristige Kommunikation. Da man nicht wisse, ob alle Eltern davon erfahren hätten, versuche man sie – unter anderem über die Homepage und per Mail – zu informieren. Wie Eltern auf die neuen Regelungen reagieren, werde sich erst am Montag zeigen. „Wir werden uns darauf vorbereiten, dass alle Schüler der Klassen 5 bis 7 kommen.“ Danach sehe man weiter.

Evangelisches Familienzentrum Eiringhausen: Zeitpunkt der Ankündigung „sehr ungünstig“

Auch für Kindertageseinrichtungen hat der verschärfte Lockdown Folgen, allerdings weniger drastische als für die Schulen. Dennoch wurden Erzieherinnen und Eltern am Freitag überrumpelt. „Der Zeitpunkt am Freitag um 13 Uhr ist natürlich erst einmal sehr sehr ungünstig“, kritisiert Sabine Arndt, stellvertretende Leiterin im Evangelischen Familienzentrum Eiringhausen. Gestern fiel die Mitteilung mitten in die Abholzeit. Viele Eltern hätten beim Abholen der Kinder noch nichts davon gewusst. Die Telefone liefen heiß, so Arndt. „In erster Linie ist es für die Eltern schwierig: Wie regle ich die nächsten Tage?“

Glücklicherweise werden die Kitas anders als im Frühjahr nicht geschlossen. Das Familienministerium appelliert an die Eltern, das Betreuungsangebot in den Kitas nur dann zu nutzen, wenn es notwendig ist. Wo andere Möglichkeiten zur Betreuung bestünden, sollten diese genutzt werden.

Wer sein Kind bringen möchte oder es einfach muss, weil er oder sie selbst arbeiten muss, könne dies aber tun, betont Arndt. Insgesamt laufe der Betrieb der Kita am Montag normal weiter, nur wahrscheinlich mit einer kleineren Zahl an Kindern. „Wir müssen nun schauen, wie viele Kinder am Montag tatsächlich da sind.“ Die geplanten Schließzeiten der Kitas sollen laut Ministerium beibehalten werden. Für das Familienzentrum Eiringhausen hieße das, dass die Kita bis zum 23. Dezember geöffnet bleibt und nach der Schließung am 4. Januar 2021 wieder öffnet. „Sofern bis dahin nichts neues kommt“, sagt Arndt.

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