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45 Millionen Euro teuer: Pläne für
Krankenhaus-Neubau im MK

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Von: Georg Dickopf

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Auf dem ehemaligen Freibadgelände im Grünetal könnte möglicherweise ein Neubau des Plettenberger Krankenhauses Platz finden. Die dortige Bike Arena ist seit Monaten verwaist und verwahrlost zusehends.
Auf dem ehemaligen Freibadgelände im Grünetal könnte möglicherweise ein Neubau des Plettenberger Krankenhauses Platz finden. Die dortige Bike Arena ist seit Monaten verwaist und verwahrlost zusehends. © Dirk Lohmann

Seit über 63 Jahren gibt es das Plettenberger Krankenhaus an der Bracht, doch in den letzten Monaten haben die Gesellschafter der Radprax-Gruppe, die das Haus betreibt, ernsthaft über einen Neubau nachgedacht.

Plettenberg -„Das bestehende Krankenhaus würde in dem Fall nach dem Umzug in den Neubau abgerissen“, betonte André Hoppen, Geschäftsführer der Radprax Krankenhaus Plettenberg GmbH, auf Anfrage unserer Zeitung.

„Allerdings“, und das gab er zu bedenken, „warten wir jetzt erst einmal die Zuteilung der Fördergelder für den Ausbau der Geriatrie ab.“ Zwar könne man diese möglicherweise auch für einen Neubau verwenden, eine Sanierung im Bestand sei aber sehr viel wahrscheinlicher.

Den Förderantrag habe er fristgerecht am 30. November bei der Bezirksregierung Arnsberg eingereicht. Dabei gehe es gemäß Paragraph 21a um Einzelfördermaßnahmen gemäß des Krankenhausgestaltungsgesetzes.

„Wir hoffen auf eine Förderung in Höhe von vier Millionen Euro“, sagte Hoppen mit Blick auf den mit 100 Millionen Euro gefüllten Fördertopf. Mit dem Geld könne man eine Kernsanierung und Erweiterung des betroffenen Gebäudekomplexes vornehmen. Wenn die Bewilligung frühzeitig erfolge, sei bereits im Frühjahr 2022 ein Start der Planungen denkbar. Zwei Monate später könnte dann der Startschuss für den rund sechsmonatigen Umbau erfolgen. Die Grobplanung sehe 31 Betten in der geriatrischen Abteilung vor.

Bewertung des Geriatrie-Bedarfs

Ob der Ausbau genehmigt wird, dürfte auch von der Bewertung des Geriatrie-Bedarfs im Kreis abhängen, denn in dem zum Kreiskrankenhaus Lüdenscheid gehörenden Werdohler Krankenhaus gibt es bereits eine große geriatrische Abteilung.

Dass man sich bei der in Wuppertal ansässigen Radprax-Gruppe auch mit einem möglichen Krankenhausneubau in Plettenberg beschäftigt, hängt mit dem begrenzten Platzangebot am heutigen Standort zusammen. „Es wird ständig geprüft, inwieweit eine Sanierung im Bestand möglich ist, da wir diese bevorzugen. Die Bausubstanz an sich ist gut, es muss aber perspektivisch eine Kernsanierung vorgenommen werden“, betonte Hoppen. Nach der Sanierung der Station 5 (Privatstation), der Cafeteria und der geplanten Sanierung der Station 2 (Geriatrie) sei man auf einem guten Weg, das Krankenhaus am bisherigen Standort erhalten zu können.

Ohne Förderung kein Neubau

Das als „Projekt 2030“ bezeichnete Vorhaben sei lediglich eine Option, die allerdings angesichts neuester Kostenschätzung immer unwahrscheinlicher wird. Hoppen sprach bei einer möglichen Umsetzung zunächst von einem Investitionsvolumen in Höhe von 25 bis 30 Millionen Euro – realistisch müsse man aber von mindestens 45 bis 50 Millionen Euro ausgehen. „Ohne Förderungen des Landes NRW ist ein Neubau nicht realisierbar“, gab Hoppen zu verstehen. Dass das Thema Neubau ernsthaft angegangen wurde, zeigen die Überlegungen zum möglichen Standort für den Neubau. Da der jetzige Krankenhaus-Standort aufgrund der umliegenden Wohnbebauung nicht ausreichend Platz für einen Neubau bietet, schauten sich die Verantwortlichen auch das ehemalige Dura-Gelände an der Königstraße an, das sich mittlerweile im Besitz der Firma Junior befindet.

Ein historisches Krankenhausbild, das Ende der 50er Jahre entstand.
Ein historisches Krankenhausbild, das Ende der 50er Jahre entstand. © Archiv Hassel

„Ein Krankenhaus auf einer kontaminierten Industriebrache zu errichten, hätte nicht gepasst“, befand Hoppen, weshalb man sich nach Rücksprache mit Bürgermeister Ulrich Schulte nach weiteren Grundstücken umsah.

Stadt würde bei Gelände-Suche helfen

In der engeren Auswahl befindet sich dabei das ehemalige Freibadgelände. Dort, wo bis Ende der 90er Jahre das Freibad Grünetal zu finden war, entstand 2016 die Sparkassen Bike Arena. Fünf Jahre nach der großen Eröffnung bietet das Gelände nur noch einen trostlosen Eindruck – der Bike-Park ist praktisch tot und der verantwortliche Radsportclub Plettenberg hat sich aufgelöst.

„Ich habe Kay Hömberg gesagt, dass wir eine alternative Nutzung des Geländes untersuchen“, sagte Bürgermeister Ulrich Schulte, der die Krankenhaus-Planungen auf Anfrage unserer Zeitung ebenfalls bestätigte. „Wichtig war es uns als Stadt, Hilfe bei der Suche anzubieten, damit das Krankenhaus in Plettenberg bleibt“, betonte der Bürgermeister.

Neben dem Freibadgelände, das sich im Eigentum der Stadt Plettenberg befindet, sei auch ein zentral gelegenes Grundstück angeschaut worden, das aber nicht der Stadt gehöre. Was das ehemalige Freibadgelände im Grünetal angeht, sprach André Hoppen von einem grundsätzlich geeigneten Standort.

„Vor dem 14. Juli war die Fläche kein Problem, aber nach dem Hochwasserereignis muss man sich das Grundstück wahrscheinlich noch einmal genauer anschauen“, betonte der Radprax-Geschäftsführer.

„Wenn es zu einem Neubau kommen sollte, ist das Areal auf jeden Fall in der engeren Auswahl“, so Hoppen. Geachtet werde dabei auch auf eine optimale Zufahrt für die Rettungsfahrzeuge, die aktuell wenig vorteilhaft durch das angrenzende Wohngebiet führe.

Grundversorgung soll bleiben

Dass die Stadt Plettenberg einem Krankenhaus-Neubau grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber stehe, sei schon einmal positiv. Doch die Chancen, dass es tatsächlich zum Neubau kommt, sind laut Hoppen nicht allzu hoch. Auf 90:10 bezifferte der Geschäftsführer die Wahrscheinlichkeit, dass man das vorhandene Gebäude mit Fördermitteln baulich ertüchtigt und die Modernisierung wie bei der Privatstation fortsetzt. Der Neubau wäre dann vom Tisch – auch wegen der massiv gestiegenen Baukosten.

André Hoppen unterstrich, dass das Plettenberger Krankenhaus in jedem Fall ein Haus der Grundversorgung bleibe, auch wenn die Geriatrie ausgebaut werde.

Die Innere Abteilung mit Kardiologie und Gastroenterologie, die Anästhesie und die Chirurgie mit der Endoprothetik, Unfallchirurgie und Viszeralchirugie seien weitere wichtige Standbeine des Krankenhauses – und das ganz unabhängig vom Standort in Plettenberg.

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