Frank Rest erinnert sich

40 Meter lange Schlange am Verkaufsstand - nur wegen Käse

Käse-Händler Frank Rest war nach dem Mauerfall auf dem Wochenmarkt in Bitterfeld - und sorgte mit seinem dort ungekannt großen Angebot für eine mehrere hundert Meter lange Schlange.
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Käse-Händler Frank Rest war nach dem Mauerfall auf dem Wochenmarkt in Bitterfeld - und sorgte mit seinem dort ungekannt großen Angebot für eine mehrere hundert Meter lange Schlange.

Dass es immer wieder an allem in der DDR mangelte, das wussten die West-Deutschen bereits vor der Wiedervereinigung. Wie groß der Mangel jedoch war, das konnte sich auch der Plettenberger Käse-Händler Frank Rest nicht vorstellen – und staunte nicht schlecht über die rund 40 Meter lange Schlange an seinem Käsestand in Bitterfeld.

Plettenberg - Es sind Geschichten wie diese, die die Wiedervereinigung greifbar machen: Das erste Aufeinandertreffen von Ost und West. Für Frank Rest war es bereits 1989 soweit, als die Mauer zwar schon gefallen, die Vereinigung aber politisch noch nicht vollzogen war. „Meine ersten Verkaufstage in der Noch-DDR werde ich nie vergessen“, sagt Rest, der mit seinem Käsewagen auf dem Plettenberger Wochenmarkt zu finden ist. Eher zufällig habe er erkannt, welch Verkaufspotential in der ehemaligen DDR herrschte.

Staunen über Vielfalt

„Eine Dame in Werdohl bekam Besuch von einer anderen Dame aus Bitterfeld. Letztere bewunderte die Vielfalt der Käseauswahl, die es in Bitterfeld nicht geben würde.“ Rest habe nicht lange gezögert: Kurzentschlossen habe er eine Tür geteilt, zwei Böcke, 40 Gouda-Käse, 100 Kilogramm Emmentaler und eine Zeigerwaage genommen, alles in einen alten Kastenwagen gepackt und sei dann nach Bitterfeld zum dortigen Wochenmarkt gefahren.

Rest habe vor Ort mit seinem Helfer den provisorischen Verkaufsstand aus zwei Böcken und der geteilten Tür aufgebaut, den Käse ausgelegt und sei dann zwecks Genehmigung zur Stadtverwaltung Bitterfeld gegangen.

Diese hatte keine Einwände und verlangte auch keine Standgebühr. Auf dem Weg zurück zu seinem Stand habe Rest eine, wie er sich heute noch erinnert, 40 Meter lange Schlange gesehen – „einer hinter dem anderen, wie in der ehemaligen DDR üblich“, sagt Rest.

„Wie ein Lauffeuer“

Die Schlange habe ihren Anfang an seinem Käsestand genommen. „Es hatte sich wie ein Lauffeuer verbreitet, dass Käse aus Westdeutschland zum Verkauf auf dem Markt angeboten wurde“, erinnert sich Rest.

Der gesamte Käsebestand sei verkauft worden. Frank Rest erklärt schmunzelnd: „Es wurden nicht große Stücke verlangt, nein, der Verkauf war mehr zu je 100 Gramm. Abends waren wir zwar glücklich, aber kaputt.“

Rest sei noch weitere zwei Jahre nach Bitterfeld gefahren und habe vornehmlich Lochkäse mitgenommen, der in der ehemaligen DDR nicht hergestellt worden und daher besonders begehrt gewesen sei.

„Was mich am ersten Verkaufstag sehr ärgerte, war ein anderer Wessi, der etwas weiter von mir die kleinen Coca-Cola-Flaschen für 5 DM verkaufte. Aber damals waren viele schräge Vögel unterwegs, die den euphorischen und zu der Zeit noch gutgläubigen Menschen dort nur das Geld aus der Tasche ziehen wollten“, erinnert sich Frank Rest.

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