Trauriges Szenario am Samstagabend

Gaffer (40) aus Plettenberg drohen jetzt bis zu drei Jahre Haft

Ein Gaffer störte am Samstag den Rettungseinsatz in Ohle.

Plettenberg - Oft kommen Gaffer und Schaulustige bei Unfällen ungeschoren davon, weil die Einsatzkräfte gar keine Zeit haben, sämtliche Personalien aufzunehmen. Anders verhielt es sich am Samstag gegen 19.30 Uhr beim Rettungseinsatz an der Fußgängerbrücke beim Ohler Aldi-Markt.

Wie berichtet war dort ein 29-jähriger Mann aus acht Meter Höhe auf die Bahngleise gestürzt. Nach neuesten Angaben der Polizei zog sich der Mann dabei schwere, aber nicht lebensgefährliche Verletzungen zu. Die Ruhr-Sieg-Strecke war unmittelbar nach Eingang der Meldung in der Leitstelle für rund eine Stunde bis 20.30 Uhr  für den Zugverkehr gesperrt worden. 

Ein 40-jähriger Plettenberger ließ sich währen des Rettungseinsatzes nicht davon abhalten, das Geschehen per Handy zu filmen, da er vermutete, ein Bekannter sei verwickelt. 

Als die Rettungskräfte, die einen Sichtschutz aufgebaut hatten, den Mann aufforderten, das Filmen zu unterlassen, pöbelte der Mann auch noch herum. In Richtung der Rettungssanitäter sagte er laut Polizei, „dass sie ihn in Ruhe lassen sollte, sonst würde er sie schlagen.“ 

Der beim Sturz schwer verletzte 29-Jährige befindet sich außer Lebensgefahr.

Mit dieser von der Polizei vermerkten Aussage erfüllt der Plettenberger neben dem Vorwurf der Gafferei auch noch den Tatbestand der Nötigung. Als Gaffer machte sich der 40-Jährige möglicherweise der unterlassenen Hilfeleistung strafbar. Er filmte nachweislich das Unfallgeschehen.

Das Gaffen sowie das Fotografieren oder Filmen am Unfallort, das auch die Opfer erfasst, kann eine Freiheitsstrafe nach sich ziehen. Sollte ein Schaulustiger laut § 201a des Strafgesetzbuches (StGB) „eine Bildaufnahme anfertigen, die die Hilflosigkeit einer anderen Person zur Schau stellt, unbefugt herstellt oder überträgt und dadurch den höchstpersönlichen Lebensbereich der abgebildeten Person verletzt, […], so kann dem Gaffer eine Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder eine Geldstrafe drohen.“ 

Die oben beschriebene Nötigung sieht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren vor. Der 40-Jährige Plettenberger darf sich also demnächst auf Post von der Staatsanwaltschaft einstellen. 

Dass die Polizei Smartphones sicherstellt, ist heute nicht ungewöhnlich. „Bei Unfällen, bei denen der Verdacht auf Handynutzung besteht, stellen unsere Beamten das Smarthphone sicher“, erklärte Pressesprecher Marcel Dilling. Ausgewertet werde es dann in der IT-Dienststelle der Kreispolizeibehörde in Iserlohn. 

Wenn jemand sein Handy nicht herausgeben wolle, könne die Polizei das Handy auch beschlagnahmen. „Innerhalb von drei Tagen müssen wir dann einen richterlichen Beschluss vorlegen“, sagte Dilling.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare