Prozess-Auftakt um Plettenberger

Misshandelt und geschüttelt: Mann muss sich jetzt für Tod des Pflegekindes verantworten

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In der Notaufnahme des Klinikums Hellersen schöpfte eine erfahrene Ärztin bei der medizinischen Versorgung des 17 Monate alten Pflegekindes aus Plettenberg Verdacht auf eine Fremdeinwirkung. Der Pflegevater steht jetzt in Hagen vor Gericht.

Plettenberg – Am 2. August startet der Prozess vor dem Hagener Landgericht gegen einen 30-jährigen Plettenberger. Er muss sich für den Tod eines Kleinkindes verantworten. Darum geht es.

Der Pflegevater muss sich wegen Totschlags und Misshandlung Schutzbefohlener vor dem Schwurgericht verantworten. Los geht es am ersten Prozesstag um 9.30 Uhr.

Dem Pflegevater wird vorgeworfen, am 2. Januar in seiner Wohnung in Plettenberg seinen etwa eineinhalb Jahre alten Pflegesohn so heftig geschlagen und geschüttelt zu haben, dass dieser am folgenden Tag im Krankenhaus seinen Verletzungen erlag. Der schockierende Fall machte bundesweit Schlagzeilen.

Dabei soll der Angeklagte den Tod des Kindes zumindest billigend in Kauf genommen haben, so heißt es in der Anklageschrift. Der 30-Jährige soll dem Kind zumindest einen wuchtigen Schlag gegen den Kopf versetzt und mehrmals mit dem Endstück eines Staubsaugerrohrs auf den Kopf geschlagen haben. Außerdem soll er das Kind so massiv geschüttelt haben, dass es zu Blutungen in den Augen und Verletzungen im Gehirn kam.

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Die Obduktion soll weiter ergeben haben, dass der Angeklagte das Kind bereits zuvor im Zeitraum zwischen August und Dezember 2018 misshandelt und diesem den rechten Arm und das linke Schienbein gebrochen habe.

Die leiblichen Eltern des Kindes haben sich dem Verfahren als Nebenkläger angeschlossen. Diesen war im Juli 2018 vom Familiengericht die elterliche Sorge entzogen worden, woraufhin das erheblich erkrankte und in seiner Entwicklung zurückgebliebene Kind bei dem Angeklagten und seiner – inzwischen getrennt lebenden – Ehefrau, einer staatlich geprüften Kinderpflegerin, untergebracht wurde. Missstände in der Pflegefamilie sollen bei den regelmäßigen Kontrollen und Hausbesuchen nicht festgestellt worden sein.

Für Totschlag sieht das Gesetz im Regelfall eine Freiheitsstrafe von 5 bis 15 Jahren vor. Der Angeklagte befindet sich in Untersuchungshaft. Für das Verfahren sind insgesamt sechs Verhandlungstage vorgesehen. Enden soll der Prozess am 28. August, was sich jedoch noch ändern kann.

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