Arbeiten in Höllmecke-Serpentinen

Zwei Minuten pro Käfer-Fichte: Zehn Hektar Wald werden abgeholzt

Der achträdrige Holzvollernter bei der Arbeit.
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Der achträdrige Holzvollernter bei der Arbeit.

Mit maschineller Leichtigkeit nimmt sich der Harvester die 25 Meter hohe Fichte vor: Die Sägevorrichtung benötigt nur Sekunden, um den Stamm zu kappen und den großen Baum gegen den Hang fallen zu lassen.

Wie an einer Schnur fährt der Sägekopf dann den Stamm entlang, entastet in wenigen Augenblicken ein containergerechtes Stück und schneidet es ab, als ginge es hier um einen Besenstiel. Drei weitere längere Baumstücke werden so bearbeitet, dann nimmt sich der Fahrer dieser achtsrädrigen Erntemaschine die nächste Fichte vor.

Pjotr Majerczyk, Maschinenführer dieses wendigen Harvesters, hat nur knapp zwei Minuten für Fällung und Verarbeitung dieser Fichte benötigt. Ein gewaltiges Tempo ist es, das hier die Mitarbeiter der polnischen Holzfällerfirma vorlegen. Zwei Mann sind mit den gewaltigen Maschinen befasst, zwei weitere sind mit Motorsägen direkt im Wald unterwegs.

Kein Durchkommen mehr

Ruckzuck bedecken Bäume, Baumreste und Äste die Fahrbahn der Höllmecke – hier ist kein Durchkommen mehr. Damit die Arbeiten gefahrlos durchgeführt werden können, ist die Höllmecke in Neuenrade seit Montag über einen Zeitraum von vier Wochen für den Verkehr gesperrt. Insgesamt zehn Hektar bearbeiten die Waldarbeiter mit ihren Maschinen rechts und links der Höllmecke. „Es wurde Zeit, dass es hier vorangeht. Denn noch ist die Konsistenz des Käferholzes in Ordnung,“ sagte Jürgen Humke, der mit seiner Firma mitverantwortlich für die Fällarbeiten ist und zum Auftakt dort nach dem Rechten schaute. „Ein halbes Jahr später und wir hätten hier ein Probleme mit der Verkehrssicherungspflicht gehabt.“ Humke ist sich sicher, dass das demnächst in vielen anderen Fällen passieren werde. Für die Waldbesitzer werde das teuer und das Holz sei nicht mehr ganz so gut verwertbar. Schon jetzt sei die Substanz manchmal angegriffen.

Jürgen Humke begutachtet die Arbeiten.

Dass der Borkenkäfer es sich hier gütlich getan hat ist an den Stämmen zu sehen; Zig kleine Löcher zeigen die Bohrarbeit der Insekten. Unter der Rinde sind die Fraßgänge auszumachen.

Holzarbeiter

Die Holzarbeiter werden sich von unten nach oben den Hang hinauf kämpfen. Humke und Co. halten die Abfuhrwege befahrbar, hier und da werde man die Wege breiter machen müssen. Regelmäßig werden die containergerecht geschnittenen Holzstapel abgefahren – das Holz ist für China bestimmt.

Bescheiden sieht es dabei mit dem Holzpreis aus. Besitzer könnten froh sein, wenn zehn Euro pro Festmeter übrig bleiben, so Humke.

Langfristig wird es „bunter im Sauerland“

Zur Zukunft der Wälder nach der Trockenheits- und Borkenkäferkatastrophe und der Aufforstung, sagte Humke, dass es langfristig „bunter im Sauerland“ werde. Doch ohne Nadelholz werde es sicher keine ertragreiche Holzwirtschaft geben, darüber müsse man sich klar werden. Zudem weiß er: „Die Fichten werden wir nicht los.“ Die Baumart werde schon durch die natürliche Saat einen gewissen Bestand haben. Gleichwohl merkte Jürgen Humke an, dass diese Gegend hier wohl ziemlich fichtenfrei werde. Dass deshalb der Borkenkäfer in der Gegend aussterbe, glaubt er aber nicht. So würden durchaus auch Lärchen angegriffen. Zudem müsse man sich fragen, wovon sich der Borkenkäfer künftig ernähren werde.. Eine gezielte Bepflanzung auf freien Flächen sieht Humke auch nicht unbedingt. Er glaubt, dass im Großen und Ganzen viele „auf natürliche Aufforstung“ setzen würden. „Die gucken erst einmal, was da von alleine kommt.“

Der Borkenkäfer hat sich hineingefressen.

Humke sieht mittelfristig auch Veränderungen bei den Sägewerken. „Die werden neue Wege gehen. Das klassische Bretter wird man nicht mehr so bekommen wie zuvor. Die nehmen kleine Stücke verzahnen und kleben.“ Davon ist Jürgen Humke überzeugt.

Arbeiter haben gut zu tun

Gut zu tun haben jedenfalls die Waldarbeiter. Die „Abstocker“, welche die Holzstämme für die großen Erntemaschinen vor und nacharbeiten. Zudem kommen sie dort zum Einsatz, wo der Vollernter nicht hinkommt. Klar ist: Reichlich Stunden müssen sie hier arbeiten. Sie liegen schon jetzt gut in der Zeit.

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