Raub auf Gastwirt: Zwei Jahre Haft für Täter

Symbolbild

Neuenrade -  Mit einem tiefblauen Auge kam im Landgericht der Räuber davon, der einen Gastwirt in der Neuenrader Altstadt am 2. Weihnachtsfeiertag genötigt hatte, ihm 300 Euro auszuhändigen. Zwei Jahre auf Bewährung kassierte er für die schwere räuberische Erpressung, die im Normalfall mit einer Mindestfreiheitsstrafe von fünf Jahren geahndet wird.

„Zwei Umstände verhindern eine langjährige Freiheitsstrafe“, erklärte der Vorsitzende Richter Till Deipenwisch. Der Geschädigte habe den Überfall mit einem Messer an seinem Hals „cool hingenommen“ und im Gerichtssaal „abgeklärt geschildert“. Die Entschuldigung des Angeklagten hatte der Zeuge ausdrücklich akzeptiert. „Da haben Sie Riesenglück gehabt“, mahnte der Richter den Angeklagten. Der zweite Punkt betraf die Konsequenzen, die der 39-Jährige aus seinem Tun von sich aus gezogen hatte: Seit Monaten befindet er sich in einer Klinik zu einer Drogenentzugstherapie, der auch das Gericht nach Anhörung des Klinikleiters einiges zutraute. Dennoch wird das Vertrauen, dass der Angeklagte sein Leben wieder in den Griff bekommen wird, von einer Reihe von Kontrollmaßnahmen begleitet: Um seine Haftstrafe nicht doch noch antreten zu müssen, muss er die begonnene Therapie erfolgreich zuende bringen, eine Übergangsphase zur Rückkehr ins normale Leben absolvieren und sich nach der Rückkehr zu seiner Familie monatlich einem Drogentest unterziehen. Angeordnet wurde auch die Unterbringung in einer geschlossenen staatlichen Entziehungsanstalt, die aber mit Blick auf die laufende Therapie ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt wurde. Außerdem muss der 39-Jährige dem Gastwirt jene 300 Euro zurückzahlen, die er ihm in der Weihnachtsnacht abnahm. „Ich möchte mich nochmals entschuldigen. Ich weiß, dass ich etwas Schlechtes getan habe“, sagte der Angeklagte in seinem letzten Wort.

Die Strafkammer hielt ihm in seinem Urteil die dilettantische Begehungsweise des Überfalls zugute, bei dem er nur sehr unzureichend mit einem Schal maskiert gewesen war. Die relativ kleine Beute und die verzweifelte Situation des Räubers wogen ebenfalls zu seinen Gunsten. Auch der Einsatz einer Schusswaffe sei vor Gericht nicht nachzuweisen gewesen, stellte der Richter fest. Eingestellt wurde das Verfahren wegen einer zweiten Bedrohungssituation in der Tatnacht, die das Gericht nach der Beweisaufnahme als eher zweifelhaft einschätzte. Strafverschärfend wertete die Kammer hingegen den Umstand, dass das Messer dem Hals des Zeugen „relativ nah“ gekommen war.

Da sich alle Prozessbeteiligten im Hinblick auf die fällige Sanktion einig waren, verzichteten sowohl Rechtsanwältin Katja Kirmizikan als auch Staatsanwalt Klaus Knierim auf weitere Rechtsmittel. Das Urteil wurde dadurch sofort rechtskräftig. - thk

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