„Zum ehrenden Gedächtnis“

Das Kriegerdenkmal an seinem ursprünglichen Standort an der Ecke von „Erster Straße“ und „Dahler Straße“.

NEUENRADE -  Ein Kriegerdenkmal erinnert per Wortdefinition an Krieger. Im eigentlichen Sinne müsste das Neuenrader Denkmal somit Gefallenendenkmal heißen. Es erinnert in erster Linie an die Gefallenen der Kriege von 1866 und von 1870. Am 20. Juli 1873 wurde in einer Zeit, die geprägt war vom überschwänglichen Patriotismus, der Grundstein für das Denkmal gelegt.

Die Kaiserkrönung lag gerade zwei Jahre, der Sieg über den Erbfeind Frankreich gerade einmal drei Jahre zurück. Aufgebaut wurde das Denkmal nicht am heutigen Standort am Stadtgarten, sondern außerhalb der Altstadt auf dem Gelände der Villa der Familie Hillecke an der Kreuzung Dahlerstraße und Erstestraße. Neben dem Denkmal stand damals ein Pavillon der gerne als Ziel für Sonntagsausflüge genutzt wurde.

Für 285 Reichsmark schuf der Kölner Dombildhauer Peter Fuchs die Säule. Zuvor hatten die Bürger der Stadt Neuenrade 334 Reichsmark gespendet, mit denen zumindest die Kosten für den Rohbau gedeckt werden konnten. Die Stadt Neuenrade erklärte sich bereit, die restlichen nicht gedeckten Nebenkosten zu übernehmen.

1905 musste das Denkmal zum ersten Mal versetzt werden. Die zunehmende Motorisierung zum Anfang des 20. Jahrhunderts machte einen Ausbau der Dahler Straße nötig. Versetzt wurde die Säule in den Stadtgarten, allerdings näher zur Ersten Straße gelegen, als am heutigen Standort. Dort stand sie über 60 Jahre, bis sie der Begegnungsstätte des Deutschen Roten Kreuzes weichen musste. Seit 1971 steht die Säule an ihrem Platz an der Ecke der Straßen „Am Stadtgarten“ und „Am Wall“.

Metalltafeln die offensichtlich nachträglich angebracht wurden, nennen die Namen der Gefallenen aus Neuenrade im Preußisch-deutschen Krieg und im deutsch-französischen Krieg.

Ortsheimatspfleger Rolf Dieter Kohl vermutet, dass die Namen ursprünglich in den Stein gehauen wurden, aber nach und nach verwitterten.

Im Krieg von 1866 starben zwei Bürger der Stadt Neuenrade: Wilhelm Quinke und Gustav Ackermann. Während des deutsch-französischen Krieges starben die Bürger Gerhard Berkenwirt, Adam Klein, Theodor Dickehage und der bereits im Serienteil zur jüdischen Gemeinde erwähnte Moses Löwenberg.

Für die Pflege und Erhaltung des Denkmals habe anfangs der Neuenrader Wehrverein gesorgt, berichtet Rolf Dieter Kohl. Gegründet wurde dieser von Kriegsveteranen der beiden Kriege. „Die haben das Denkmal für die folgenden Jahrzehnte unter ihre Fittiche genommen“, kommentiert der Ortsheimatpfleger.

Rolf Dieter Kohl betrachtet den Zustand des Denkmals mit Sorge, so könnte Grünbelag entfernt werden und kleinere Witterungsschäden beseitigt werden. Die Metallplatten mit den Inschriften und den Namen der Gefallenen sind lesbar und in einem guten Zustand, wie es darunter aussieht kann auch Dr. Kohl nicht sagen.

Von Sebastian Berndt

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