Die Zukunft der Stadt Neuenrade im Blick

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Elke Dickehage-Wette und Bernhard Peters im Gespräch am Rande der Ikek-Veranstaltung

Neuenrade - Die zukünftige Entwicklung der Gesamtstadt Neuenrade zu steuern gab es eine Reihe von Veranstaltungen - jetzt präsentierten die Stadtplaner den Abschlussbericht.

Es gab eine ganze Reihe von Veranstaltungen, Stadt- und Dorfbegehungen, etliche Bürger gingen mit, darunter einige kommunalpolitisch engagierte Neuenrader, auch die Verwaltungsspitze und Stadtplanungsprofis von Wolters und Partner. Viel erfuhren die Planer dabei. Sie sammelten alles, analysierten und erstellten am Donnerstagabend einen Abschlussbericht mit Diskussionsangebot und Aussprache für das „integrierte kommunale Entwicklungskonzept“ (Ikek).

Entwickelt wird damit ein Handlungsrahmen für die Stadtentwicklung Neurades. Die vielen einzelnen Projekte, die dem Gesamtziel dienen, können dann mit viel Geld aus Landesmitteln gefördert werden. Gut 40 Neuenrader aus Stadt und Ortsteilen waren dafür in den Kaisergarten gekommen, um sich den Abschlussbericht anzuhören. Stadtplaner Michael Ahn übernahm dabei die Gesamtmoderation. 24 Seiten umfasste der Abschlussbericht, darin enthalten: Jede Menge Kartenmaterial und ein paar Grafiken, um den sperrigen, mit Stadtplaner- und Verwaltungsjargon gespickten Bericht aufzulockern. Ahn selbst veranschaulichte immer wieder mit Beispielen das notwendigerweise abstrakt gehaltene Werk.

Es gehe ja auch darum, ein Gesamtkonzept abzuliefern. Und wünschenswerte Einzelprojekte müssten dann dem übergeordneten Ziel unterworfen werden, wenn sie denn förderwürdig seien. Dabei kommt Neuenrade, vor allem, was die Kernstadt anbelangt, ganz gut weg. Ahn klassifiziert Neuenrade als Mittelstadt, als Gegenpol zu Großstädten. „Man wohnt hier gut, auch im Vergleich“, sagte Ahn.

 Eine seiner Ansicht nach gute Versorgungslage der Kernstadt machte er aus, es gebe gute Kennzahlen was Arbeitsplatzentwicklung, Gewerbe und Reserveflächen anbelange. Die Dörfer sieht er vor allem als Wohnstätten und sieht dabei kritisch, dass sie stark befahrende Ortsdurchfahren haben. Lob gab es auch für das Bürgerengagement in Neuenrade und den Ortsteilen. Das sei sehr gut, das habe er anderswo auch schon anders erlebt. Hier gebe es keine schweigenden Mitläufer, sondern ideenreiche Leute, die sich Gedanken machen würden.

Das einzige Manko sei, dass man es trotz intensiver Bemühungen nicht geschafft habe, eine Jugendveranstaltung auf die Beine zu stellen. Da gebe es offensichtlichen Handlungsbedarf. Auch was die ältere Generation anbelangt, ist er nicht zufrieden. Da sei ganz Neuenrade mit den Ortsteilen noch nicht gut genug vernetzt. Es fehle einfach an Strukturen, um die Mobilität besonders Älterer zu gewährleisten. Es wäre super, dass jeder älter werde, aber man werde auch nicht fitter. Er sieht Bedarf für ein „breites Mobilitätsangebot“, das von guten und sicheren Fahrradwegen, über Carsharing, E-Bike-Ladestationen bis hin zur Digitalisierung (Lebensmittelversorgung via App) reichten, vor allem, um Ortsteile und Kernstadt zusammenzubringen. Gleichzeitig müssten sich die Neuenrader aber auch der Vorteile der ländlichen Siedlungsstrukturen bewusst werden: Landschaftsverbundenheit, Nachbarschaftskultur als Gegenpart zur Individualisierung hatte der Stadtplaner als Stichworte.

Bei Handlungsschwerpunkten, die von Raumentwicklung über Mobilität, Gewerbe, Tourismus bis hin zu bürgerschaftlichem Engagement reichte. Dazu listete er jede Menge stadtteilübergreifende Projekte auf. Natürlich gibt es auch stadtteilspezifische Leitprojekte. Ein recht sperriges Leitbild formulierte er dann auch: Die Folgen des demografischen Wandels möge man ‘verträglich“ gestalten durch Verbesserung der örtlichen Funktionen und Strukturen“. Die guten Aspekte der gewachsenen Funktionsteilung zwischen Kernstadt und Dörfern sollten gefördert werden und den daraus resultierenden Ansprüchen an Mobilität und Funktionsaustausch müsse man durch geeignete Maßnahmen begegnen. Es gab auch eine kurze Diskussion. Kritisch merkte einer an, dass ihm da einiges zu allgemein gehalten sei, das könne man ja fast bei jeder anderen Stadt so formulieren. Stadtplaner Ahn sagte dazu, dass man das durchaus so halten müsse, schließlich gelte, es Entscheidern über Fördermaßnahmen ein gesamtstädtisches Konzept mit Zielrichtung zu präsentieren, das sei naturgemäß abstrakter.

 Letztlich ist der Öffentlichkeitsprozess abgeschlossen: Das ganze geht nun an die Politik und Verwaltung, welche daraus ein Konzept entwickeln muss. Danach geht es um die Bewilligung bei Bezirksregierung und Land. Viele Möglichkeiten gibt es: Sogar mit Fördermitteln geschaffene Stellen sind drin. Die Rede war von Stadtteilmanagern oder Fördertopf-Experten, welche die Mittel beschaffen könnten.

Von Peter von der Beck

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