Akt der Zivilcourage endet vor Gericht

Symbolbild

Neuenrade -  Mit einer Einstellung des Strafverfahrens gegen drei Männer aus Neuenrade endete am Dienstag im Amtsgericht Altena die juristische Auseinandersetzung um einen nächtlichen Streit, bei dem ein 38-Jähriger leicht verletzt worden war.

Der Mann hatte zu nachtschlafener Zeit, morgens um fünf Uhr, Getöse von der nahen Bahnhofstraße gehört. In einem Akt von Zivilcourage eilte er aus dem Haus und sah zwei Dinge: Einerseits waren Baustellenmarkierungen, mit denen der Gehsteig, der gerade erneuert wurde, von der Fahrbahn getrennt wurde, umgestürzt und gefährdeten den Verkehr. Andererseits sah der Zeuge drei junge Männer, die ein bisschen gezecht hatten und nun offenbar nach Hause wollten. Der Zeuge vermutete eine Verbindung zwischen den umgestürzten Markierungen und den Männern und stellte sie zur Rede. Darüber kam es zum Streit und schließlich zu einer Prügelei – zunächst zu zweit, dann mischten sich die Begleiter des Hauptbeschuldigten ein. Einer von ihnen habe seine hinzugeeilte Frau angegriffen, begründete der 38-Jährige einen kräftigen Stoß, der einen 26-Jährigen traf.

Der flog auf die Straße vor ein Auto und landete auf dessen Motorhaube. Der Fahrer stieg in Begleitung eines Schlagstocks aus und versuchte seinerseits, die Ruhe wiederherzustellen. Weitere Passanten stießen dazu, so dass letztlich ein rundes halbes Dutzend unausgeschlafener Neuenrader sich ein „Gefecht“ lieferte – so lautete jedenfalls die Formulierung des Hauptbelastungszeugen. Zurück blieben ein paar Blutergüsse, Abschürfungen und ein blaues Auge. Angefangen hatten natürlich immer die Anderen oder der Andere, während sich ansonsten jeder nur verteidigt hatte.

Richter wundert sich

Erstaunen löste indes der Hauptbelastungszeuge aus, weil er während der Keilerei noch ordnend auf die umgestürzten Baustellenmarkierungen eingewirkt hatte. „Wenn der mal austeilt, steht da kein Baum mehr“, schilderte einer der eher schmächtigen Angeklagten seine Einschätzung der Kräfte des 38-Jährigen.

Richter Dirk Reckschmidt wunderte sich nachdrücklich, dass der Zeuge den Kampf mit drei Gegnern aufgenommen hatte. „Wenn man Schläge auf den Kopf kriegt, muss man sich doch wehren“, erklärte der.

Mit Zustimmung aller Prozessbeteiligten stellte Richter Reckschmidt das Verfahren schließlich ohne Auflagen ein – am meisten gelitten hatten allerdings bei jenen Auseinandersetzungen offenbar die Nachtruhe und der gute Wille zur friedlichen Verständigung. - Von Thomas Krumm

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