450-Jähriges wird bei Nacht der offenen Kirchen gefeiert

Wilkestraße – da fehlt leider das „n“. Vielleicht wird es im Zuge der Feierlichkeiten ja ergänzt. - Foto: von der Beck

NEUENRADE - 450 Jahre das ist wahrlich ein stolzes Alter. Das will die Evangelische Gemeinde Neuenrade auch standesgemäß feiern. Denn 450 Jahre alt wird die Kirchenordnung, die seinerzeit der weithin bekannte Neuenrader Humanist, Theologe, Denker und Hexentheoretiker Hermann Wilken aufgestellt hat– auf Plattdeutsch.

Von Peter von der Beck

Die Wilkensche Kirchenordnung ist ein Werk, das seinerzeit beispielhaft für die westfälischen Kirchengemeinden war. „Denn“, so erläuterte es Pfarrer Harald Steinhoff, „es gab ja nichts nach der Reformation“. Heutzutage sei diese Kirchenordnung nicht mehr in Gebrauch. Für Historiker ist diese Kirchenordnung ein wertvolles Kleinod. Vor allem das Neuenrader Exemplar, welches zudem noch mit diversen Randbemerkungen versehen und damit umso wertvoller ist. Mit Wilken und seinem Werk hat sich auch Dieter Stievermann befasst, der unter anderem die Geschichte Neuenrades beleuchtet hat.

Pfarrer Harald Steinhoff hat nun die Nacht der offenen Kirchen für die Würdigung gewählt, die zum Pfingstfest am 8. Juni begangen wird. „Fröhlich und feierlich“, so Steinhoff, soll es werden. Der grobe Plan steht, es soll abends um 19.30 Uhr mit einem Festgottesdienst starten, insgesamt stellt man sich bei der Kirchengemeinde eine mittelalterliche Ausrichtung vor. Minnegesang und Posaunenchor, Clownerien und Jonglage soll es geben, bis in die Nacht hinein könnte die Feier gehen. Das detailreiche Programm wird derzeit erarbeitet, sagte Steinhoff. Vielleicht steht auch Dieter Stivermann für den Festvortrag zur Verfügung. Klare Sache, dass natürlich auch die berühmte Kirchenordnung im Rahmen des Abend ausgestellt wird. Aktuell lagert sie im Sparkassentresor der Gemeinde.

Das eine oder andere Schmankerl rangt sich um den Humanisten und Melanchthon-Schüler Wilken. Steinhoff: „Wir wissen, wo die Grundmauern des Geburtshauses stehen: an der Ersten Straße. Dort sei ein Straßenschild angebracht, wo allerdings Wilke-Straße steht. „Vielleicht gelingt es uns ja im Rahmen der Feierlichkeiten aus der Wilke eine Wilkenstraße zu machen und das fehlende „n“ noch anzufügen“, sagte Steinhoff mit einem Augenzwinkern.

Zum Hintergrund: „Hermann Wilken, auch Hermann Witekind oder Augustin Lercheimer (Pseudonym) (* 1522 in Neuenrade; † 7. Februar 1603 in Heidelberg) war ein deutscher Humanist, Schriftsteller (Hexentheoretiker) und Mathematiker“, heißt es bei Wikipedia. Der gebürtige Neuenrader veröffentlichte unter dem Pseudonym Augustin Lercheimer von Steinfelden 1585 ein Buch gegen die Hexenverfolgung: „Christlich bedencken vnd erjnnerung von Zauberey“. Wilken, der später in Heidelberg Professor war, kehrte wohl 1564 für kurze Zeit in seine westfälische Heimat zurück, wo er als Nichttheologe vom Rat der Stadt Neuenrade (Wilkens Bruder war Bürgermeister), mit der Abfassung einer evangelischen Kirchenordnung beauftragt wurde.

„Diese erschien noch in demselben Jahr in Dortmund im Druck, wurde aber alsbald von Herzog Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg ebenso wie von der Reichsstadt Dortmund verboten“, heißt es bei Wikipedia.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare