Kunstwerk aus Kreidefarbe auf dem Pausenhof

Mit Worten und roten Buchstaben: Hönnequell-Schüler erinnern an grausame Zeit

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Mit Kreidefarbe wurden Worte auf den Pausenhof gesprüht, in denen ein Buchstabe immer rot markiert ist.

Neuenrade - Brutalität, Trauer, Massengräber: Mit diesen und anderen Worten wollen sechs Schüler der Hönnequell-Schule an die grausame Zeit und die vielen Toten des Zweiten Weltkriegs erinnern. Mit Kreidefarbe haben sie die Schriftzüge auf den Pausehof gesprüht.

Ein Buchstabe ist in jedem Wort rot markiert. Zusammen ergeben die roten Lettern die Worte „in memoriam“ – zum Gedenken, zur Erinnerung. Sich an den Zweiten Weltkrieg zu erinnern ist Ziel des freiwilligen Projektkurses, der dieses Jahr aus Schülern der zehnten Klassen besteht und von Lehrerin Melina Macanovic geleitet wird.

Ein Schuljahr lang trifft sich der Kurs 90 Minuten pro Woche, um über die Geschehnisse während der Zeit des Nationalsozialismus zu sprechen. „Ich interessiere mich schon mein ganzes Leben für Geschichte und ganz besonders für die Ära des Zweiten Weltkriegs und die Ideologie, die hier geherrscht hat“, erklärt HQS-Schüler Willem, warum er an dem Projektkurs teilnimmt und sich auch an der Malaktion beteiligt hat. 

Der Projektkurs der Hönnequell-Schule hat sich intensiv mit dem zweiten Weltkrieg befasst und die künstlerische Darstellung in der Corona-Unterrichtspause erarbeitet.

Gemeinsam mit Melina Macanovic haben die Schüler sich zehn Begriffe ausgedacht und sich eine Anordnung auf dem Pausenhof überlegt.

Dass die Worte weit verstreut sind und nicht sofort der Zusammenhang ersichtlich ist, dient einem Zweck: „Die Begriffe sollen sowohl den Krieg, der stattgefunden hat, als auch die NS-Diktatur beschreiben und erklären. Der Betrachter wird, wenn er auf den Schulhof kommt, vermutlich nicht sofort verstehen, warum die Begriffe dort stehen und was sie bedeuten. Genau das soll symbolisieren, dass der Nationalsozialismus nicht in einem Satz oder kurz erklärt werden kann, sondern, dass man sich damit wirklich intensiv befassen muss, um überhaupt zu verstehen, wie diese Ideologie funktioniert hat“, erklärt Willem.

Seine Mitschülerin Rebecca ergänzt: „Wenn man sich lange mit der Geschichte auseinandersetzt, bekommen die Worte auch eine ganz andere Bedeutung. Angst zum Beispiel: Wenn man das Wort ohne Hintergrundwissen liest, nimmt man das so hin. Wir wissen jetzt, wie sich die Menschen während des Krieges wirklich gefühlt haben, weil wir uns viel damit auseinandergesetzt und uns Filme dazu angesehen haben.“

„In memoriam“: Diese Wörter ergeben sich aus den roten Lettern. Vier Wochen soll die Kreidefarbe zu sehen sein.

Melina Macanovic legt dar, dass genau dies Ziel der Auseinandersetzung sei: „Das Projekt ist Teil der Erinnerungskultur, weil es in unserer Gesellschaft mehr und mehr vergessen wird, was damals passiert ist. Es geht darum, das Geschichtsbewusstsein wieder zu stärken.“

Voraussichtlich im nächsten Jahr werden die Schüler auch mehrere Gedenkstätten in Berlin besuchen.  Dieses Jahr musste die Exkursion coronabedingt ausfallen. Zusätzlich haben sie einen Vortrag mit Präsentation vorbereitet, den sie im Rathaus im Beisein von Bürgermeister Antonius Wiesemann halten wollen.

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