LandEYE(S)-Theater wird mit Lob überschüttet

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L wir Land – das große Finale krönte die Premiere von LandEYE(S). ▪

NEUENRADE ▪ Großstadt oder doch lieber aufs Dorf? Keine leichte Frage, der die Teilnehmer des pädagogischen Theater-Workshops mit Kathrin Volkmer auf den Grund gingen. Im Schnelldurchgang mussten sich die Jugendlichen zu einer Gruppe formieren, Ideen entwickeln, Szenen gestalten und bis zur Aufführungsreife proben. Den Applaus, der am Samstagabend im Anschluss an die Premiere langanhaltend durch den Kulturbahnhof brandete, hatten sich die 15 Teilnehmer wohlverdient.

Ihr Stück aus aneinandergereihten Szenen wirkte modern, bediente sich bei den unterschiedlichsten Darstellungsmöglichkeiten und ging das Thema von allen Seiten an. Schon der Auftakt war außergewöhnlich – das performative Theaterlabor ließ grüßen. „Drei, zwei, eins – Go“, animierte Volkmer das Publikum zum Mitmachen. Als bunt gemischte Tierhorde vom Land arbeiteten sich die Laien-Schauspieler dann von hinten am schmunzelnden Publikum vorbei bis nach vorne zur Bühne – muhend und mähend wie Kühe und Schafe. Vorne angekommen, stellten sich die Workshop-Teilnehmer mit ihren besonderen Charaktereigenschften oder Fähigkeiten gegenseitig vor. Selbst einen so profanen Vorgang wusste die Gruppe modern zu verpacken und schürte so beim Publikum Erwartungen. Erwartungen, die wahrlich nicht enttäuscht wurden.

In den Szenen reflektierten die Jugendlichen ihre Situationen, bewerteten aus ihrer Sicht die Chancen für „Landeier“, wägten Vor- und Nachteile des Landlebens ab, ließen sich auf einen Dialog ein. Denn: Innerhalb der Gruppe schienen die Meinungen ebenso weit auseinander zu liegen wie in der gesamten Bevölkerung. Der Familientausch für ein Wochenende schien bestens geeignet, mit gegenseitigen Vorurteilen zwischen Städtern und Dorfmenschen aufzuräumen. „Ich bin ein Landei und finde das super“, lautete die Aussage eines Mädchens, die das familiäre Leben auf dem Land dem anonymen Nebeneinander in der Stadt klar bevorzugt. „Auf keinen Fall immer Landei“, stellte eine andere Teilnehmerin klar, dass sie sich irgendwann vom Land verabschieden möchte.

Im Anschluss an das abwechslungsreiche Stück und ein Gläschen Premieren-Sekt stellten sich die Initiatorin Kathrin Volkmer und ihre Workshop-Gruppe noch für persönliche Gespräche über das Stück oder das Thema im Allgemeinen zur Verfügung. Während Volkmer die Leistung ihrer Nachwuchsschauspieler schlicht beeindruckend fand, setzten ihre beiden Dozenten von der Hochschule Niederrhein aus Mönchengladbach, die sich unter anderem mit Kultur im ländlichen Raum beschäftigen, noch einen drauf und zollten dem ganzen Projekt ihren Respekt. ▪ maj

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