Wolfgang Grupp zu Gast im Kaisergarten

Wolfgang Grupp sprach Klartext, berichtete von seinen Erfahrungen als Unternehmer in Deutschland.  Foto: Jentzsch

NEUENRADE - Er will den Unternehmern nicht vorschreiben, wie sie ihre Firmen zu führen haben. Wolfgang Grupp hat im Laufe der Jahrzehnte als Chef des Textilartikelherstellers Trigema seine Erfahrungen gemacht und teilt seine Meinung zu wirtschaftlichen und sozialen Themen jedem mit, der sie hören will.

Am Dienstagabend hatte die Vereinigte Sparkasse im Märkischen Kreis den deutschen Vorzeige-Unternehmer eingeladen, vor einem interessierten Publikum zu sprechen. Und Grupp zog seine Show ab, so wie man den Kopf des 1200-Mann-Betriebs aus dem beschaulichen Burladingen in Baden-Württemberg, einer 12000-Seelen-Gemeinde, kennt.

Er spricht Klartext, immer und mit jedem. So leitet er sein Unternehmen, so tritt er auch auf der Bühne auf. Und seine Thesen beruhen auf lediglich einem einzigen Ansatz: seinem unternehmerischen Erfolg in einer zweifelsohne nicht gerade einfachen Branche.

Wolfgang Grupp steht hinter Deutschland und seiner Bevölkerung wie kaum ein anderer Unternehmer. Auslagerung der Produktion ins Ausland, für Grupp undenkbar. Eine Bezahlung der Mitarbeiter auf einem Niveau, das es ihnen nicht ermöglicht, sich und ihre Familien von dem Einkommen zu ernähren – für Grupp ist dieses Verhalten eine Schande. Der Trigema-Chef fährt auf einer anderen Schiene, leitet sein Unternehmen zwar mit harter Hand, weiß die Ware Mensch aber zu schätzen.

Nur wer keine Angst um seinen Arbeitsplatz hat, ist in der Lage, 100 Prozent zu leisten, betont Grupp. Und Probleme löst er schnell und konsequent, bevor sie größer werden. Tipps, die vielen Unternehmern und Konzernlenkern, die dem Größenwahn verfallen sind und nicht von voll haftenden Inhabern sondern der neuen Manager-Generation geführt werden, helfen würden. Grupp bezog sich in seiner feurigen Rede auf aktuelle Nachrichten aus der Wirtschaft, lokal wie global, und ist überzeugt, dass viele „Chefs“ den falschen Weg eingeschlagen haben.

Kein Tag vergeht heutzutage ohne neue Fusionsmeldungen. Wachstum muss generiert werden, koste es was es wolle. Der Umsatz muss steigen, die eigentlich relevante Rendite fristet ein Schattendasein. Zu welchem Zweck, fragte der prominente Redner am Dienstag plakativ und ist der Meinung, das man auch mit weniger zufrieden sein kann, zum Wohle aller Beteiligten.

Den Überblick im eigenen Unternehmen zu behalten, stets zu wissen, mit wem man gerade spricht, was im Unternehmen passiert, sei für ihn elementarer Bestandteil seiner Philosophie – Gier und Selbstüberschätzung ein Tabu. Deshalb würde er auch kein weiteres Wachstum im klassischen Sinne anstreben. Wachstum generiere er über die Wertigkeit seiner Ware, alles andere könnten die Konkurrenten aus China oder Bangladesh besser.

Wenn Wolfgang Grupp über seine Mitarbeiter spricht, dann nennt er sie die Trigema-Familie. Seinen Mitarbeitern das Gefühl zu geben, wichtig zu sein, sie zu motivieren, den Kontakt zur Basis zu pflegen, möchte der Trigema-Boss anderen Unternehmerkollegen als guten Rat mit an die Hand geben. Für kurzfristiges nicht nachhaltiges Gewinnmaximierungsdenken scheint kein Platz in Wolfgang Grupps Strategie zu sein.

Von Markus Jentzsch

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