Wölfe auf der Durchreise?

+
Der Wolf ist auf der Durchreise.

Neuenrade/Balve - Förster Franz Josef Stein ist sicher: „Das wird uns noch eine Weile verfolgen und den Höhepunkt haben wir noch nicht erreicht.“ Es geht um den Wolf, der sich – aus dem Osten kommend – immer weiter in Deutschland ausbreitet.

 So häufen sich Sichtungen – auch in NRW – welche unter der Rubrik Wolf verbucht werden. Unlängst meldete sich eine Leserin vom Haller Weg, die ein großes, hundeartiges Tier in ihrem Garten am Waldrand gesehen hat, den sie als Wildtier – als Wolf – erkannt haben will. Weitere Nachforschungen ergeben, dass ein Auftauchen des Wolfes in unseren Gefilden durchaus im Bereich des Wahrscheinlichen liegt.

Sehr glaubwürdige Zeugen

So hat der zuständige Revierförster Franz Josef Stein in den vergangenen Monaten drei Anrufe bekommen und Gespräche mit Augenzeugen geführt, die einen Wolf gesehen haben wollen. Stein charakterisiert die Zeugen dabei „als besonnene Menschen“, die er für „sehr glaubwürdig“ hält. Auch er selbst hat eine Beobachtung in der Richtung aus dem fahrenden Auto heraus gemacht, konnte aber nicht mehr rechtzeitig anhalten und das Tier war verschwunden. Liegt Schnee, so passt er auf, ob er etwa Spuren entdeckt – bislang erfolglos. So hält der Förster es durchaus für wahrscheinlich, dass Einzeltiere auf der Durchreise gesichtet werden. So ein Tier könne schließlich 100 Kilometer am Tag zurücklegen.

Sichtung bei Brilon

Dass sich die Raubtiere hier niederlassen, hält er indes für unwahrscheinlich, zu kleinteilig sei es hier in der Sauerländer Kulturlandschaft. Ohne große, zusammenhängende Fläche fühlten sich diese Wildtiere nicht wohl. Bestätigte Meldungen gibt es durchaus. So wurde bei Brilon wohl ein Wolf gesichtet. Bestätigt ist auch die Meldung von dem Jungwolf im Münsterland. Andere Wolfssichtungen haben sich als Flop erwiesen. Einer entpuppte sich als Tschechoslowakischer Wolfshund.

Wolfsbeauftragter

Im Märkischen Kreis gibt es einen Wolfsbeauftragten – Thomas Kroll-Bothe. Der ist Revierförster in Plettenberg. Er hat eine entsprechende Schulung absolviert, hat aber noch nichts von Sichtungen in der Nähe gehört, verweist aber auf einen fotografierten Wolf bei Berleburg. Dass Einzeltiere hier durchziehen, hält er ebenfalls für gut möglich. Manchmal ändere sich auch das Verhalten der Beutetiere, das sei auch ein Indiz. So würden sich Wildschweine zu starken Verbänden zusammenschließen, um es den Räubern besonders schwer zu machen. Wie auch immer. Kroll-Bothe sagt: „Man darf gespannt sein, wie sich das entwickelt.“

Keine Sichtungen der heimischen Jägerschaft

Die heimische Jägerschaft hat jedenfalls nichts beobachtet: Dirk Prinz, Sprecher des Hegerings Werdohl-Neuenrade: Er könne nach Rücksprache mit der Kreisjägermeisterin und dem Hegeringleiter keine Sichtungen bestätigten. „Es ist auch keine Verhaltensänderung unseres heimischen Wildes zu beobachten, noch wurden irgendwelche Risse oder Tierkadaver gefunden, die auf eine Anwesenheit des Wolfes schließen lassen. Das soll nicht heißen, dass es nicht möglich ist, dass der Wolf durch Neuenrade oder Balve gezogen ist. Gesehen wurde er von uns aber nicht“. So bleibt es hierzulande bei einer bestätigten Sichtung bei Brilon.

Wenn Jungwölfe laufen müssen

Alle anderen Meldungen werden nur dann überhaupt gewertet, wenn sich auch ein Nachweis ergibt. So konnte Ralf Schultz, der für den Nordkreis für Wolfssichtungen zuständig ist, zwar auf drei Sichtungen verweisen – die sich allesamt aber als „nicht beweisbar“ erwiesen. Scholz sagte zudem, dass um den April herum die Wölfe „wieder laufen“ würden. Dann würden Welpen geboren und jene Wölfe, die zwei Jahre beim Rudel gewesen seien, um die kleinen Wölfe zu erziehen, müssten dann das Rudel verlassen – und sich eine neue Bleibe suchen. Die Frage sei, welche Richtung die Jungwölfe dann einschlagen würden.

Was tun bei Begegnung mit einem Wolf?

Wölfe sind hochbeiniger als Schäferhunde, haben einen geraden Rücken, der Schwanz ist gerade und buschig, haben eine graues Fell mit gelblich-rötlichem Einschlag. Was der Spaziergänger tun muss, wenn er einem Wolf begegnet, das schreibt das Bundesamt für Naturschutz:

- Ruhig bleiben, Abstand halten. Nicht weglaufen, rückwärts gehen, laut sprechen.

- Falls der Wolf nicht wegläuft, halten Sie an, schreien Sie, klatschen Sie in die Hände, machen Sie sich groß, um ihn einzuschüchtern.

- Haben Sie einen Hund dabei, leinen Sie ihn an, führen Sie ihn nahe bei sich. Sollte sich ein Wolf trotzdem nähern, rufen Sie laut, klatschen Sie in die Hände, um Ihre Anwesenheit deutlich zu machen.

- Locken Sie keine Wölfe an, füttern Sie die Tiere nicht – so verhindern Sie, dass ein Wolf seine Scheu vor dem Menschen verliert.

- Melden Sie Wolfsbegegnungen. Auffälliges Verhalten der Tiere kann so frühzeitig erkannt werden, so dass – wenn notwendig – gegengesteuert werden kann.

- Meldungen an Tel. 02 36 1 / 30 50 oder an den Wolfsbeauftragten Thomas Kroll-Bothe wenden. Er ist unter Tel. 02 39 1 / 55 96 47 erreichen.

An diesen Stellen wurden Spuren von Wölfen nachgewiesen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare