Rauchverbot als Brandbeschleuniger

Nur wenige hatten sich zur Versammlung eingefunden.

Neuenrade - Es war eine überschaubare Runde, die sich am Dienstag im Gasthof zur Borke eingefunden hatte: Zehn Wirte aus Altena, Neuenrade und Plettenberg waren der Einladung von Heinz Friedriszik zur Versammlung des Wirtevereins gefolgt.

„Wenn ich in die Runde schaue, wird mir doch ein wenig wehmütig ums Herz, was aus den einzelnen Ortsverbänden geworden ist,“ so der Gastgeber. „Vor 30 Jahren saßen wir hier alleine vom Ortsverband Neuenrade oft mit 30 Leuten zusammen.“ Friedriszik beklagte das Kneipensterben, mit dem viele seiner Kollegen zu kämpfen haben.

Gründe sieht er im gesellschaftlichen Wandel. Nach der Arbeit gingen die Leute heute nicht mehr auf ein Feierabendbier in die nächste Eckkneipe, sondern eher nach Hause. Auch Schützenfeste und Feuerwehrfeiern machten den Wirten Konkurrenz. Friedriszik sprach von unfairem Wettbewerb, denn während Kneipen und Gaststätten hohe Auflagen erfüllen müssten, reiche es bei den genannten Festen in der Regel aus, wenn das Bier kalt ist. „Das verschärfte Rauchverbot in NRW wirkt dabei noch wie ein Brandbeschleuniger“, stellte er das Hauptproblem dar.

Dem schloss sich auch Lars Martin vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) an. „Wenn die Leute zum Rauchen vor der Tür stehen, trinken sie auch weniger“, stellte er fest. „Die Folge sind Umsatzeinbußen von 30 bis 40 Prozent.“ Ein weiteres Problem sei der Lautstärkepegel: „Auch die Raucher wollen sich unterhalten. Wenn der Laden voll ist, stehen dann 50 Leute vor der Tür – dann wird es laut.“ Mit den Raucherräumen und und gekennzeichneten Raucherkneipen seien alle gut klar gekommen, viele Gastronomen hätten viel Geld investiert, um die Extraräume einzurichten. Der Dehoga wünscht sich die alten Ausnahmeregelungen daher zurück.

Martin wusste zu berichten, dass 63 Prozent der Bürger die jetzige Regelung ablehnten – Ergebnis einer von dem Dehoga in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage. Ein Aktionsbündnis habe bereits genügend Unterschriften gesammelt, um ein Bürgerbegehren anleiern zu können. Derzeit werde Geld zusammengekratzt, um die Werbetrommel zu rühren und dann auf Unterschriftenjagd für das eigentliche Volksbegehren zu gehen.

- Von Laila Weiland

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