Gegner hoffen auf neuerlichen Baustopp

Windräder auf dem Kohlberg: Investor macht mächtig Tempo

Die Eisenbewehrung der Windenergieanlage 6 auf dem Kohlberg. Bis April sollen die Fundamente fertig sein.

Neuenrade – Investor SL Naturenergie drückt mächtig aufs Tempo beim Bau der sechs Windräder auf dem Kohlberg.

Nachdem das Verwaltungsgericht Arnsberg im November die Klage der Windkraftgegner abgewiesen und damit den zwischenzeitlichen Baustopp aufgehoben hat, laufen die Arbeiten auf Hochtouren. Die Fundamente der sechs Anlagen sollen bereits im Frühjahr fertig sein und auch über die Bürgerbeteiligung an den Windrädern wurde mit der Stadt bereits gesprochen. Derweil versucht die Bürgerinitiative „Rettet den Kohlberg“ weiterhin alles, um den Bau der Windenergieanlagen doch noch zu verhindern. 

Nach der Gerichtsentscheidung zögerte die SL Naturenergie nicht lange und ließ die Baumaschinen schnell wieder in Neuenrade anrollen. So werden auf dem Kohlberg derzeit schon die Fundamente für die Anlagen erstellt. 

Neue Anträge eingereicht

Mitglieder und Verantwortliche der Bürgerinitiative „Rettet den Kohlberg“ sind mehr als unglücklich mit dieser Situation. Anträge der Bürgerinitiative – ein Antrag auf Zulassung der Berufung und ein Eilantrag, mit dem am Ende ein neuerlicher Baustopp erreicht werden soll, liegen zur Entscheidung beim Oberverwaltungsgericht. Der Vorsitzender der Bürgerinitiative, Dr, Frank Hoffmann, sagte: „Wir haben entsprechende Anträge gestellt und können die Arbeiten nicht verhindern. Wir müssen eben die Entscheidung und die Begründung des Gerichts abwarten, mehr können wir im Moment nicht tun.“ Ob bei einem für die Initiative negativen Bescheid eine Fortsetzung des Verfahrens beim Bundesverwaltungsgericht möglich wäre, konnte Dr. Hoffmann nicht sagen. „Da werden Urteile von grundsätzlicher Bedeutung gesprochen. Ob so etwas für den Kohlberg relevant wäre, vermag ich nicht zu sagen. Das müssen dann Juristen entscheiden.“ 

Dr. Gudrun Dahme, Sprecherin des Oberverwaltungsgerichtes, konnte nach Rücksprache mit dem zuständigen Senat keinen Termin oder Zeitrahmen für eine Entscheidung nennen. 

Auf dem Kohlberg werden Fakten geschaffen

Auf dem Kohlberg werden derweil Fakten geschaffen. So sind die Zufahrten inzwischen längst mit Kies befestigt und hergerichtet, an vier der sechs geplanten Anlagen wird die Gründung vorgenommen. So fahren derzeit etliche Lkw-Betonmischer über die neuen Kies-Straßen durch den Wald, denn zwei Anlagen, so schreibt die Investoren-Sprecherin Maureen Nauen, sind schon „bereit zur Betonage“. 

Über die neu angelegten Kies-Straßen fahren derzeit regelmäßig Lkw-Betonmischer.

Arbeiter sind mit der Armierung der weiteren Fundamente für die Windenergieanlagen, die mit den Rotoren eine Höhe von gut 200 Metern erreichen, befasst. Die ersten Turmbauarbeiten würden nach Aushärtung des Betonkörpers gestartet, heißt es von der Sprecherin. 

22 Meter Durchmesser

Welches Ausmaß die Betonfundamente haben, beschreibt der stellvertretende Geschäftsführer der SL Naturenergie, Milan Nitzschke: „Die Fundamente für unsere Windenergieanlagen haben einen Außendurchmesser von etwa 22 Metern. Ihre Fläche entspricht damit der eines halben Handballfeldes. Die Tiefe beträgt rund dreieinhalb Meter.“ Angesichts des sehr gut geeigneten Bodens sei keine tiefere Gründung erforderlich. 

Auch einen Zeitrahmen nannte Nitzschke: „Ziel ist es, alle Fundamentbauarbeiten bis Ende April abgeschlossen zu haben.“ Die Investoren machen über ihre Sprecherin klar: „Um möglichst schnell sauberen Strom mit unseren Windenergieanlagen produzieren zu können, liegt uns ein zügiger Baufortschritt natürlich sehr am Herzen.“ 

Gesprächstermin im Rathaus

Während die Mannen der Bürgerinitiative auf ein für die Initiative positives Urteil des Oberverwaltungsgerichtes hoffen, geht man seitens der Investoren von einem anderen Urteil aus. So hatte SL-Naturenergie-Geschäftsführer Klaus Schulze Langenhorst bereits unmittelbar nach dem Urteilsspruch erklärt, dass es für die Projektgegner jetzt sicher nicht einfacher werde, nachdem das Gericht erklärt hatte, bei der Genehmigung der Windräder keine Fehler festgestellt zu haben. 

Die SL Naturenergie macht deshalb auch organisatorisch weiter: Unlängst besuchte Schulze Langenhorst das Neuenrader Rathaus. Darauf angesprochen sagte er, dass er Vorgespräche in Sachen Bürgerbeteiligung an den Windrädern geführt habe. Wie diese für das Kohlberg-Projekt konkret aussehen könnte, dazu wollten sich die SL-Verantwortlichen allerdings noch nicht äußern. Der stellvertretende Geschäftsführer Milan Nitzschke sagte einzig: „Uns ist außerordentlich wichtig, den Bürgern im Umfeld der Windkraftanlagen eine Möglichkeit zu bieten, direkt zu partizipieren. Sobald die genauen Konditionen stehen, werden wir diese öffentlich machen und hoffen auf möglichst breite Beteiligung.“ 

Auch Kleinanleger sollen partizipieren können

Seitens der Stadt Neuenrade sagte Kämmerer Gerhard Schumacher: „Wir haben seinerzeit bei dem Vertrag, den wir mit der SL Naturenergie geschlossen haben, vereinbart, dass eine Bürgerbeteiligung auch für Kleinanleger möglich sein muss. Daran haben wir bei dem Treffen noch einmal erinnert.“ Schumacher schätzt, dass Mitte des Jahres Details zu dem Beteiligungskonzept vorliegen. 

Bei Windenergieanlagen gibt es verschiedene Modelle einer Bürgerbeteiligung: diese reicht vom Kommanditistendarlehen bis zu einer Genossenschaft.

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