Windräder: Bürger machen im Rat ihrem Ärger Luft

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Die roten Punkte markieren die geplanten Standorte der 200 Meter hohen Windenergieanlagen. ▪

NEUENRADE ▪ „Wir haben Angst“, sagte Andreas Mühlenfeldt aus Affeln – und er sprach damit den Anwohnern, die von den Riesen-Windrädern betroffen sein könnten aus der Seele. All diese Vorschriften, verwaltungsrechtliche Rahmenbedingungen und wohl auch weltfremde gesetzliche Richtlinien sind den Menschen in den Dörfern egal.

Sie haben Angst um ihre Gesundheit, Angst um ihre Leben, ihre Seelenruhe. Sie haben Angst, dass ihre Lebenspläne zerstört werden und sie künftig buchstäblich im Schatten gigantischer Stromerzeuger leben müssen, die auch noch stetige Hintergrundgeräusche erzeugen. Und sie bemängelten die mangelhafte Transparenz der Behörden.

So war denn auch gestern kein Sitzplatz im Zuschauerraum frei, den hatten Affelner besetzt. Und sie bekamen aus erster Hand mit wie nach einer recht kurzen Debatte die CDU-, die SPD-, die FDP- und die FWG-Fraktion die Strategie der Verwaltung unterstützten, mit einem Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan sowie einem Antrag auf Zurückstellung des Baugesuches der Dortmunder sowi GmbH, das Szenario abzumildern. Nur die Grünen unterstützten aus grundsätzlichen Erwägungen das Vorhaben nicht, sprachen sich quasi für die Errichtung der Groß-Windräder aus. Der Ärger durch Schlagschatten und Windgeräusche würden vor dem Nutzen der Windenergie zurückstehen, sagte Karl Kaluza.

Die Strategie der Verwaltung läuft darauf hinaus, Zeit zu gewinnen und einem Bebauungsplan in die Wege zu leiten, der in Affeln nicht die Windräder verhindert, sondern Anlagen möglich macht, die nicht so groß dimensioniert aber dennoch wirtschaftlich betrieben werden können. Auf dieser Grundlage kann dann der Antrag auf Zurückstellung des Baugesuches gestellt werden. Das geschieht nach dem Ratsbeschluss nun auch in Abstimmung mit dem Märkischen Kreis. Und das geschieht auch in Erwartung eines Rechtsstreites. Denn eine Verhinderungssatzung käme da garantiert nicht durch. Denn für den Antragsteller, aber auch für den oder die Grundstückseigentümer geht es um viel Geld. Und die Behörden haben Angst wegen möglicher Schadensersatzansprüche. Nichtig scheint nun die Gestaltungssatzung, welche die Stadt Neuenrade einst aufgestellt hatte und welche die Höhe von Windkraftanlagen auf 99 Meter begrenzt. Zum Verdruss der Bürger, deren Wille, einst via Ratsvertreter im Jahre 1999 so kundgetan, offenbar nicht zählt und mithin die Planunghoheit der Stadt ad Absurdum geführt wird.

So wurde es auch im Rahmen der Sitzung formuliert. Da sieht man die Ratsmitglieder „zu Witzfiguren“ degradiert, denn die „wirklich wichtigen Entscheidungen“ würden anderswo getroffen. So ist die Stimmungslage (Bericht folgt).

Peter von der Beck

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