Bürgerinitiative wähnt sich fast am Ziel? Rotmilane und mehr

Windpark Kohlberg: Artenschutz entscheidend?

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Dr. Frank Hoffmann präsentierte eine Fülle an Material und eigenen Untersuchungen: Karten und Fotos.

Neuenrade - Für den Ersten Mann der Bürgerinitiative „Rettet den Kohlberg“ ist es ganz klar: Die Sache mit dem Kohlberg sei eine politische Entscheidung mit prinzipiell zwei Vorgaben gewesen: Keine Windräder in Altenaffeln und die Pachtzahlungen. 

Die sollte eben kein Privatmann kassieren, sondern möglichst Neuenrade zugute kommen. Entsprechend sei agiert worden.

Dr. Frank Hoffmann verweist auch auf die vehementen Proteste, die es seinerzeit in Neuenrade wegen des möglichen Baues von Riesenwindrädern in Altenaffeln gegeben habe und verweist auf entsprechende Presseberichte. 

Zuspruch für Bürgerinitiative steigt

Gegen den Windpark auf dem Kohlberg gibt es reichlich Proteste aus Dahle/Evingsen. Dass es jetzt bei der Neuenrader Bevölkerung kein ähnliches Protestaufkommen wie in Dahle gebe, schiebt er darauf, dass der projektierte Windpark möglicherweise weit genug entfernt sei. Hoffmann wies aber daraufhin, dass inzwischen der Zuspruch zur Bürgerinitiative „Rettet den Kohlberg“ steige – auch aus Neuenrade. 

Altenaffeln ist nun erst einmal Geschichte: Hoffmann und seine Leute müssen mit den Realitäten umgehen: Die Konzentrationsfläche auf dem Kohlberg existiert und beim Kreis liegt der Bauantrag für sechs Windräder. 

Die Bürgerinitiative setzt nun alle Hebel in Bewegung, hat ihre Kontakte, kritisiert das Einschalten der Task-Force im Genehmigungsverfahren, moniert, das so Druck auf die Entscheider ausgeübt werde und macht seinerseits Druck, trommelt ihre Leute zusammen und überreicht eine Petition an den Landrat. Hoffmann moniert die angebliche Nähe des Investors SL-Windenergie-Chef Klaus Schulze-Langenhorst zu Umweltminister Johannes Remmel.

Die Bürgerinitiative mit Dr. Frank Hoffmann, Wilfried Bracht und Co ist nicht nur im politischen Geschäft geübt. Sie präsentieren auch Daten sowie Zahlen und hinterfragen natürlich das in Gutachten präsentierte Material. Es ist eine lange Liste, die Hoffmann präsentiert. Es sind dabei die Rotmilan-Horste, die dem Windpark-Projekt möglicherweise den Garaus machen könnten. 

Rotmilan im Fokus

So sah sich die Bürgerinitiative am Ziel, als die Baugenehmigungsbehörde in Sachen Rotmilane Bedenken äußerte und wohl eine zeitaufwändige sogenannte Nachkartierung einforderte. 

Hoffmann erläutert den Hintergrund: Demnach überprüften Mitglieder der Bürgerinitiative die Sache mit den Rotmilanen, jene empfindliche Raubvogelart. Sie machten sich auf die Suche, entdeckten demnach Horste, teilweise mit Flug-Betrieb. Man machte Fotos und gab Koordinaten an. 

Und jene Vogelstandorte seien eben nicht in dem entsprechenden Gutachten verzeichnet. Dabei gäbe es jede Menge dieser Tierart dort. An anderer Stelle spricht die Initiative sogar von einem „Dichtezentrum“ von Rotmilanen. 

Die SL-Windenergie äußerte sich jüngst zum Thema Artenschutz: Demnach habe man ein Jahr lang in mehreren Begehungen die Artvorkommen auf dem Kohlberg untersucht (...). „In der Windvorrangzone und auch im nahen Umkreis wurden keine Brutstätten von windenergiesensiblen Arten gefunden. Allen Anzeigen der Landschaftsbehörde und der Bürgerinitiative nach möglichen Horsten wurde nachgegangen. Keine konnten bestätigt werden (...).“ 

Und die Sprecherin der SL-Windenergie, Aline Wenderoth, betonte: Es sei schließlich im ureigensten Interesse, derartigen Dingen nachzugehen und auf der sicheren Seite zu sein. So etwas könne das Aus für ein Projekt bedeuten. Und man verweist darauf, dass man wegen der Komplexität des Verfahrens das Lanuv (Landesamt für Natur, Umwelt- und Verbraucherschutz) eingeschaltet habe. 

SL-Windenergie unter Zeitdruck

Wie auch immer: Dass die von SL beauftragten Gutachter all den Hinweisen nachgegangen sei, das hält Hoffmann für unwahr. Er präsentiert Fotos und Kartenmaterial. Und er verweist nochmals darauf, dass SL-Windenergie unter Zeitdruck stehe. 

Bei einer Baugenehmigung noch in diesem Jahr gebe es mehr Geld durch die EEG und 20 Jahren Bestandsschutz. Eine Baugenehmigung nach dem 31. Dezember komme dem Projektierer teuer zu stehen. Und eine Nachkartierung müsse von Februar bis Juli erfolgen. 

Mit einer Baugenehmigung könne der Investor dann erst im Herbst 2017 rechnen. Und da gehe es dann dem Investor ans Geld. Zehn Prozent weniger an Einspeisevergütung seien das sicherlich, schätzt Hoffmann. 

In Sachen Rotmilane präsentiert Hoffmann noch weitere Indizien, die aus seiner Sicht Zweifel nähren. Klagerelevant sind laut Hoffmann die Schallimmissionen, die das Kohlberghaus betreffen. Dort komme mehr an als die erlaubten 35 d(B)A. 

Tatsächlich sind in den Unterlagen 41 d(B)A verzeichnet. Gleiches gelte für einige Häuser in Ortslage. „Wenn der Kreis das genehmigt, werden wir sofort klagen“, prophezeit Hoffmann. 

Und weiter: Der Einzugsbereich für die Springer Quelle gelte es nochmal zu überprüfen, in Sachen Schlagschatten habe die Bürgerinitiative acht Stellen, bei der die Vorgaben überschritten würden, zudem gebe es diverse Verfahrensschwächen. 

Noch etliche weitere Aspekte hat die Bürgerinitiative parat. Und kurzfristig traf sich die Initiative auch mit einem Fachanwalt und bereitete alles vor – „für den Fall dass die Genehmigung erteilt werden sollte“, sagte Dr. Frank Hoffmann.

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