Bürgerinitiative nimmt Stellung

Windpark: „Aufgelistete Mängel ignoriert“

Wilfried Bracht (links), stellvertretender Vorsitzender der Bürgerinitiative „Rettet den Kohlberg“ sowie Klaus Schulze Langenhorst, Geschäftsführer des Windpark-Projektierers SL Windenergie, und Lars Schnatbaum-Laumann (rechts) von der EnergieAgentur.NRW ab

Neuenrade - Am vergangenen Dienstag nahm SL-Windenergie-Geschäftsführer Klaus Schulze Langenhorst Stellung zum Genehmigungsprozess für den geplanten Windpark auf dem Kohlberg und kritisierte die Windpark-Gegner und ihre Argumentation.

Die Bürgerinitiative „Rettet den Kohlberg“ reagiert nun darauf und stellt die Behauptungen und Aussagen von Schulze Langenhorst aus ihrer Sicht richtig.

So sei es falsch, dass vielfach von den Windpark-Gegnern nicht mit „Sachlichkeit argumentiert“ worden sei. Anhand der „sachlich fundierten“ Eingaben der Bürgerinitiative bei der Stadt Neuenrade, dem Märkischen Kreis und der Bezirksregierung sei dies zu wiederlegen, schreiben die Verantwortlichen. 

Entfernung niemals falsch beziffert

Auch die Entfernung der geplanten Anlagen zum Kohlberghaus sei von der Bügerinitiative nie falsch beziffert worden. Vielmehr stelle diese Aussage eine „Irreführung der Öffentlichkeit“ dar. Vom Vorstandes der Initiative sei „niemals etwas anderes verbreitet worden als die mehr als 700 Meter“. Andere Personen würden nicht für die Initiative sprechen. 

Auch weitere Aussagen Schulze Langenhorsts zum Kohlberghaus griff die Initiative in ihrer Stellungnahme auf. So verweigere der Geschäftsführer der Einrichtung seinen hohen Schutzanspruch. Im Gegensatz zu den Aussagen von Schulze Langenhorst gäbe es keine Studien, die belegen würden, dass „schwer psychisch Kranke“ durch Infraschall nicht belastet würden. 

Bewohner dem Infraschall ausgesetzt

Gesetzliche Grenzwerte gäbe es für derartige Einrichtungen nicht – sonst „dürfte erst recht nicht auf dem Kohlberg gebaut werden“. Durch die „geballte Immission“ von sechs Windkraftanlagen seien die Bewohner des Kohlberghauses auch einer „geballten Ladung“ an Infraschall ausgesetzt. 

Schulze-Langenhorst verschweige außerdem, dass es zum Artenschutz eine „Unmenge sachlich überzeugender Einwände“ gäbe. Die Bürgerinitiative habe eine Vielzahl von Mängeln aufgelistet, die bisher alle ignoriert worden seien. Sie würden in dem bevorstehenden Klage-Prozess eine wesentliche Rolle spielen. 

Frage nach Seriosität

Deutlich nimmt die Initiative Stellung zu der Aussage des Umweltgutachters, er sei Hinweisen der Bürger zu Rotmilan-Sichtungen nachgegangen. Diese Äußerung sei „nachweislich falsch“. Der Initiative läge eine Vielzahl von eidesstattlichen Erklärungen zu Rotmilan-Beobachtungen im Kohlberg-Giebel-Gebiet sowie in den Bereichen der Orte Dahle, Evingsen und Neuenrade vor. Das Gebiet der Vorrangzone sei „ohne Zweifel ein Dichtezentrum für Rotmilane“. Die Arbeit des Gutachters lasse die Frage nach ihrer Seriosität offen. 

Im gesamten Genehmigungsprozess seien gravierende Mängel aufzuweisen. Dies zeige auch der Umgang mit den Einwänden von mehr als 200 Bürgern und Institutionen. Diese seien von Firmen im Auftrag der Stadt Neuenrade „derart hanebüchen“ beantwortet worden, dass nicht von einer ernsthaften Prüfung gesprochen werden könne. Auch mit diesem Punkt werde sich das Verwaltungsgericht in Arnsberg beschäftigen. 

Kein Angebot von SL Windenergie

Dass SL Windenergie der Bürgerinitiative entgegengekommen sei, sei falsch. Das Angebot zum Thema Null-Verschattung habe es nie gegeben. Auf den Vorwurf Schulze Langenhorsts, der Initiative gehe es nicht um Kompromisse sondern darum, den gesamten Windpark zu verhindern, reagierten die Windpark-Gegner deutlich. 

Gerade Schulze-Langenhorst gehe es nicht um Kompromisse, sondern darum, um jeden Preis möglichst viel Geld an der Errichtung Anlagen auf dem Kohlberg zu verdienen. Er betreibe bewusst die „Zerstörung dieser bisher unbelasteten Landschaft durch Windindustrieanlagen“. Dies wolle die Initiative verhindern. In Neuenrade gäbe es andere, besser geeignete Standorte für einen Windpark.

Sachliche Diskussion

Dass vielfach mit Ängsten gearbeitet und die Diskussion emotionalisiert worden sei, sei ebenfalls falsch. Für den Vorstand der Bürgerinitiative hätte stets die sachliche Argumentation im Vordergrund gestanden. Natürlich hätten Diskussionsteilnehmer aber das Recht, auf den „unglaublichen Vorgang der Zerstörung von Landschaft und Natur auf dem Kohlberg“ emotional zu reagieren.

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