Willy Thomczyk zu Gast in der Villa am Wall

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„Nur mit dem Dreck, den man erlebt hat, kann man Theater machen“, erklärte Willi Thomczyk dem Publikum.

Neuenrade - Zu Willi Thomczyks zweitem Wohnzimmer wurde die Villa am Wall am Freitagabend: Bilder vom kleinen Willi und seinem Papa aus Wanne-Eickel hingen am schweren altdeutschen Möbel, Gitarre und Piano warteten auf ihren Einsatz.

Und dann saß da – am Rand des schwarzgedeckten Tisches mit Blickrichtung zum Publikum – noch eine kleine hölzerne Gliederpuppe. „Das ist Mr. Bukowski“, stellte Willi Thomczyk die Figur mit dem Konterfei des amerikanischen Schriftstellers vor. 

Dem großen Charles, geboren 1920 in Andernach am Rhein, hatte der Dramaturg, Schauspieler, Sänger und einstige „Camper“ aus dem Ruhrgebiet sein Programm gewidmet. Und tatsächlich zeigten sich gewisse Übereinstimmungen im Lebensgefühl zwischen Bukowski und Thomczyk: „Das Leben ist kaum zu ertragen.“

Grimmiges Weltgefühl

Doch es gibt Gegenmittel: „Wenn wir Kunst und Musik nicht hätten, würden wir vom Dach springen oder unsere Geliebte umbringen.“ Einem solchen Weltgefühl entspringen bekanntlich nicht unbedingt Rosamunde-Pilcher-Filme. Und so war der Song mit der heiteren Zeile „Willkommen im Leben – den heutigen Tag kann uns keiner nehmen“ so ziemlich das Heiterste, was der Barde vortrug. 

Großartig geriet der freie Vortrag von Bukowskis Texten: Nadeln, verliebte Nutten und der Widerstand gegen den Kriegsdienst führten mitten ins Amerika zu Zeiten des Vietnam-Krieges. Darauf folgte ein Lied auf eine Figur, die es in Amerika kaum noch gibt: „Working Class Hero“. 

„Trump-Leute jeden Tag ins Theater bringen"

Was könnte Unbelehrbaren helfen? „Trump-Leute müsste man jeden Tag ins Theater bringen“, empfahl Willi Thomczyk und empfahl Mäßigung gegenüber einem dummen, zynischen, egomanen und überforderten Präsidenten: „Trump? – Aufstehen und in die Fresse hauen!“ 

Kein Bukowski ohne ein paar ordentliche Sauigeleien: „Den Sex haben wir ja auch noch“, kündigte Thomczyk freundlicherweise an, bevor er gierige Fleischberge atemlos aufeinanderprallen ließ. Wunderbar war die in die Schilderungen eingebettete Zeile: „Manchmal ein Hauch von Liebe.“ 

Die kleine hölzerne Puppe wurde von Willi Thomczyk als „Mr. Bukowski“ vorgestellt. Dem amerikanischen Autoren Charles Bukowski war das Programm von Thomczyk gewidmet.

Willi Thomczyk, den die ungezügelte Lust vor einem Dutzend Jahren vor Gericht brachte, zeigte sich anschließend erleichtert: „Das haben wir schon mal abgehakt.“ War er für eine Lebensbeichte nach Neuenrade gekommen? „Nur mit dem Dreck, den man erlebt hat, kann man Theater machen“, ließ er das Publikum wissen.

Doch die Wege zwischen dem prallen Leben und dem, was auf der Bühne passiert, sind verwickelt. Und so ließ auch dieses erstaunliche Ein-Mann-Stück keine direkten Rückschlüsse auf das Leben des Mannes aus Wanne-Eickel zu: „Alles frei erfunden, oder glaubt ihr den Scheiß, den ich hier erzähle?“ 

Das Publikum wusste das offene unverbrämte Wort zu schätzen und bedachte den Barden mit viel Beifall. Im Flur der Villa traf man sich wieder und plauderte noch eine Weile: über die Kunst, das Leben und was es sonst noch so gibt. 

Denn wie heißt es so schön in einem italienischen Sprichwort: „Auch wenn es nicht wahr sein sollte, so ist es doch gut erfunden.“

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