Wild-Unfallschwerpunkt B 229 im Fokus

Es gibt keine Lösung, die alle Unfälle verhindern kann. Die Autofahrer sollten ihre Fahrweise anpassen.

NEUENRADE ▪ 150 Wildunfälle gab es in den vergangenen 13 Jahren allein auf der B229 zwischen Küntrop und Benkamp. Damit zählt diese Strecke zu den unfallträchtigsten im ganzen Kreisgebiet. Im Rahmen eines Modellprojektes wurden elf Strecken ausgewählt, näher untersucht und Gegenmaßnahmen entwickelt. Die Bundesstraße ist eine davon.

Es gab bereits ein Treffen vor Ort. Vertreter des Kreises, die Jagdausübungsberechigten sowie Forscher der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung berieten gemeinsam über mögliche Lösungen. Seit zwei Jahren läuft das Projekt bereits. Ein Bestandteil ist die Wildunfallkarte, die im Geodatenportal des Märkischen Kreises zu finden ist und per Mausklick hausnummergenau Unfallschwerpunkte aufzeigt. Die Punkte auf der B229 sind kaum noch zu zählen, denn die Route ist nahezu komplett rot. Teilweise ereigneten sich bis zu 20 Unfälle an einer Stelle.

Ziel des Projektes ist die Verringerung von Verkehrsunfällen mit Reh- oder Schwarzwild. Die Karte setzt sich zusammen aus Daten der Kreispolizeibehörde. Wissenschaftlich unterstützt wird das Projekt von Dr. Ingrid Hucht-Ciorgaer von der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung des Landesbetriebes Wald und Holz in Bonn. Außerdem wurde eine Wildunfallkommission gebildet. Sie besteht aus Vertretern der Unteren Jagdbehörde, der Straßenverkehrsbehörde, der Unteren Landschaftsbehörde, des Fachdienstes Kataster- und Geodatenmanagment des Kreises sowie der Kreisjägerschaft, der Kreispolizeibehörde und des Landesbetriebes Straßen NRW.

Erste Ansätze zur Lösung des Problems wurden bereits erarbeitet. Jedoch sei es schwer die Unfallgefahr durch Wild zu verringern, denn die Tiere gewöhnten sich schnell an Veränderungen. So genannte Wildreflektoren, die an den Leitpfosten angebracht werden, sollen abschrecken. Allerdings gewöhne sich gerade das Rehwild schnell an die blenden Lichter. So sei dies keine Lösung über mehrere Jahre. „Grundsätzlich muss das Wild reduziert werden“, erklärte Manfred Seibel, Sachbearbeiter der Unteren Jagdbehörde. Das heißt, dass mehr Tiere als bisher geschossen werden müssen. „Natürlich ist es keine Lösung das ganze Wild abzuschießen. Der Bestand muss lediglich angepasst werden“, erklärt Dr. Ingrid Hucht-Ciorgaer. Sie betont, dass man insbesondere die Bedingungen, die die Tiere dort finde analysieren müsse. „Es gibt in der Nähe Kyrillflächen, die dem Wild ideale Bedingungen bieten, außerdem gibt es große Felder, die die Tiere zum äsen einladen“, erläutert die Forscherin weiter.

„Ein perfektes Mittel zur Unfallverhütung gibt es nicht. In erster Linie kommt es darauf an, dass sich die Autofahrer der Gefahr bewusst sind und gerade in der Dämmerung angepasst fahren“, mahnt die Expertin.

Ein Tempolimit sei jedoch nicht angedacht. Verkehrsexperten hätten erklärt, dass es den Autofahrern nicht zu vermitteln sei, warum sie an dieser Stelle langsam fahren sollten. ▪ lm

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