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Widerstand gegen Häuser-Abriss an der Ersten Straße

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Von: Peter von der Beck

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Um diese beiden Häuser – hier in der Südansicht – geht es. Architektonisch und kulturhistorisch haben sie nach Auffassung von Stadtarchivar und vom Naturhistorischen Verein erhebliche Bedeutung für Neuenrade.
Um diese beiden Häuser – hier in der Südansicht – geht es. Architektonisch und kulturhistorisch haben sie nach Auffassung von Stadtarchivar und vom Naturhistorischen Verein erhebliche Bedeutung für Neuenrade. © von der Beck, Peter

Rund um die beiden Häuser (ehemals Eine-Welt und Deutsches Haus) an der Ersten Straße gibt es Ärger.

Jene, die sich um die historische Substanz der Stadt Sorgen machen, sind gegen den Abriss der beiden Häuser. Bekanntlich will die Stadt Neuenrade die Häuser erwerben, abreißen lassen und dann dort einen Minipark, eventuell mit Stellplätzen, errichten. Ein entsprechender Antrag auf Fördermittel wurde gestellt.

Dagegen gibt es schon seit längerem Widerstand. Bereits vor gut einem Jahr – wie jetzt auf Nachfrage bei Stadtarchivar Rolf Dieter Kohl bekannt wurde – hatte dieser sich in einem Brief an Bürgermeister Antonius Wiesemann (CDU) gegen einen Abriss gewandt. Beide Gebäude gehören dem 18. Jahrhundert an und verkörpern ein nicht unwichtiges Kapitel Neuenrader Geschichte. Erste Straße Nummer 12 – erstmals 1721 erwähnt – beherbergte demnach eine von den Familien Hegenscheid, Mergenhagen und Voss geleitete Strumpf- und Wäschefabrik.

Gebäude in mehreren Büchern zu finden

Das Gebäude habe laut Dr. Kohl architektonische Besonderheiten und wurde aufgrund seiner baugeschichtlichen Bedeutung in das architekturgeschichtliche Standardwerk von Dr. Ulrich Barth (Landesamt für Denkmalpflege) „Die Profanbaukunst im märkischen Sauerland“ aufgenommen. Das benachbarte Gebäude, Haus Nummer 10, stand laut Dr. Kohl über viele Jahre im Mittelpunkt des kommunalen Geschehens in Neuenrade. Das Haus war Heimstatt von Bürgermeister Gerhard Hape, der sich vor allem um die Verbesserung des Neuenrader Feuerwehrwesens verdient gemacht habe. Unterm Strich sei ein Abriss nicht wieder gutzumachen.

Auch der Naturhistorische Verein Hönnetal setzt sich vehement für den Erhalt ein: In einer E-Mail an die Redaktion heißt es: „Mit dem geplanten Abriss der stadtbildprägenden Bürgerhäuser Erste Straße 10 und 12 wird das wunderbare historische Stadtbild der Neuenrader Innenstadt brutal zerstört. Die architektonischen Fehlgriffe der letzten Jahrzehnte setzen sich hier konsequent fort.“ Verfasser Andreas Kolarik, Vorsitzender des Naturhistorischen Vereins Hönnetal, verweist darauf, dass sich der Verein um den Erhalt historischer Bausubstanz „von der Quelle bis zur Mündung“ der Hönne einsetze. Und die Bedeutung der beiden Häuser sei auch via Autor Peter Riecke im Buch „100 Jahre Schutzaktion – Die Rettung der Schönheit des Hönnetals“ noch einmal beschrieben. Auch verweist Kolarik auf das Buch „Kunst und Geschichtsdenkmäler im Märkischen Kreis“ des Heimatbundes MK. „Der verwahrloste Zustand“ (vier Fenster zugemauert, die Fassade verhunzt) sage nichts über die städtebauliche Bedeutung des Hauses für die Neuenrader Innenstadt aus. „Nach erfolgter Instandsetzung könnten die beiden Häuser Glanzpunkte in Neuenrade sein. Sinnvoll wäre in jedem Fall eine nachträgliche Unterschutzstellung dieser Objekte – aus städtebaulichen Gründen“, verweist Kolarik auf den Ensembleschutz. Und man könne ja Fehler machen, aber die Dinge später dann neu bewerten.

Historische Bedeutung im Ausschuss kein Thema

Bürgermeister Wiesemann bestätigte auf Anfrage, dass Dr. Kohl ihn auf die Häuser und deren Bedeutung hingewiesen habe. Er sagte, dass die Häuser bis jetzt nicht im städtischen Besitz seien. Außerdem stünden die Häuser nicht unter Denkmalschutz, das habe man vor Jahren geprüft. Und da sei ja auch noch die schlechte Bausubstanz. Aber am Ende sei es eine politische Entscheidung.

Im Bauausschuss im September war von der historischen Bedeutung der Gebäude keine Rede. Kein Wort darüber. Im Verlauf der Sitzung wurde nur darauf hingewiesen, dass wegen der schlechten Bausubstanz ein Abriss wohl unumgänglich sei. Eine Nutzung als Wohnraum wohl nicht möglich. Eine Stellungnahme der Eigentümer war zunächst nicht zu bekommen.

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