Wetterexperte Plöger in Neuenrade - mit klarer Botschaft

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Sven Plöger referierte in Neuenrade.

Neuenrade – Wetterexperte und TV-Mann Sven Plöger war in Neuenrade zu Gast - mit klarer Botschaft und viel Humor.

Sven Plöger kann reden, ziemlich gut sogar. Eine knappe Stunde antwortet er auf Fragen von Journalisten und faszinierten Volksbank-Vorständen, ein Radio-Interview wird eingeschoben, bevor es auf die große Bühne des Kaisergartens geht. Mehr als eine Stunde spricht er frei vor einem 400-köpfigen Publikum, ohne auch nur für eine Sekunde Konzentration oder Humor zu verlieren. Nach dem Vortrag beantwortet er in aller Seelenruhe Publikums-Fragen. 

Unterhaltung trifft Wissenschaft

Die rheinische Art des 51-Jährigen kommt in jeder Sekunde zum Vorschein. Dass er auch Schwyzerdütsch kann, weil er viele Jahre bei Kachelmanns Meteomedia gearbeitet hat, baut er später in seinen Vortrag ein. Der Mann hat eine bewundernswerte Energie und Präzision, er paart als Moderator und Vortragender große Unterhaltungskunst mit fundierter Wissenschaft. 

Eine Mission, so hat er einmal gesagt, habe er eigentlich nicht. Das kann man nicht ganz glauben, denn seine Botschaft nicht nur an diesem Abend ist trotz vieler kabarettistischer Ausflüge eindeutig: Der Klimawandel wird alles Leben verändern, aber es ist nicht zu spät, etwas dagegen zu tun. 

Wetterprognose liegt zu 90 Prozent richtig

Und zwar für jeden Einzelnen der im mit 400 geladenen Volksbank-Genossenschaftlern gefüllten Saal. Im Vorgespräch erzählt Plöger etwas über seine Arbeitsweise. Für die Produktion der Wettersendungen bei der Cumulus arbeite nur ein Mini-Team. Hinter der Cumulus steht die Meteogroup mit 100 Meteorologen und etwa 930 Wetterstationen im deutschsprachigen Raum. Von dort würden alle zehn Minuten Daten abgerufen, aktuell in der Sendung verarbeitete Daten seien maximal 20 Minuten alt. „Wir haben eine Vorhersagewahrscheinlichkeit für den Folgetag von 90 bis 93 Prozent“, so Plöger. 

Wettermann und Vertrauensperson

14 Semester hat er Meteorologie studiert und gleichzeitig als Tropenmeteorologe geforscht. Dazu kommt ein riesiger Erfahrungsschatz. Als „Wettermann im Ersten“ sei er über 20 Jahre zu einer Vertrauensperson geworden. „Und das nicht, weil ich gut aussehe, sondern weil ich etwas weiß.“ Schon im Vorgespräch springt er meist stark gestikulierend von einem Gag über seine wenigen Haare zu einer komplizierten Berechnung von Klimaschutzdaten und wieder zu einer einleuchtenden Erklärung.

Klimawandel-Leugner kommen aus "Absurdistan"

Sein Credo: Am Klimawandel gebe es einen gehörigen menschengemachten Anteil. Wer den leugne, etwa wie der amerikanische Präsident Trump, lebe in „Absurdistan“. Plöger erklärt später auf der Bühne in niederrheinischer Lockerheit, dass die starken Winde zum Ausgleich der Temperaturunterschiede zwischen den kalten Polen und dem heißen Äquator langsamer würden. 

Einfache Erklärung für trockene Sommer

Die Hochs und Tiefs würden sich demzufolge weniger bewegen und sich – wie 2018 – als trockener Sommer über ganzen Ländern festsetzen. Plöger prägt den Begriff des „Standwetters“. Vor 30 Jahren sei dieser Klimawandel für die heutige Zeit bereits vorausgesagt worden. Mehr Dürren und mehr Hochwasser seien die Folge. 

Aktuell sage die Meteorologie für die nächsten 30 Jahre einen noch ausgeprägteren Klimawandel voraus. Daran gebe es einfach nichts zu deuteln. Wohltuend ist, dass Plöger nicht dramatisiert oder moralisiert. Jeder einzelne Mensch könne mit seinem täglichen Verhalten dazu beitragen, Energie und Ressourcen zu sparen und damit den Klimawandel zu verlangsamen. 

Plöger verknüpft so Kabarett mit Tatsachen und Wahrnehmung mit Wirklichkeit: „Trump kann reden wie er will, die Physik wird einfach stattfinden.“ Und auch wenn es ein superlangweiliger Satz sei, er wolle ihn dennoch wiederholen: „Es kommt auf jeden Einzelnen an!"

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