„E-Motoren sind eine andere Welt“

Werkstatt in Neuenrade wartet die Streetscooter-Flotte der Post

Olli Eifert (Fünfter von links) mit seinem siebenköpfigen Werkstattteam. Mit seinem Unternehmen an der Oststraße ist Eifert Servicepartner der Deutschen Post.
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Olli Eifert (Fünfter von links) mit seinem siebenköpfigen Werkstattteam. Mit seinem Unternehmen an der Oststraße ist Eifert Servicepartner der Deutschen Post.

„Früher lief einem Automechaniker das Öl bis in die Achselhöhle“, blickt Olli Eifert auf seine Anfänge zurück. „Das ist heute eher selten.“

Der gelernte Automechaniker schiebt jedoch hinterher: „Ich bin aber durchaus froh, dass das Digitale den Dreck und den Schmutz abgelöst hat.“

Eifert betreibt seit 29 Jahren eine freie Werkstatt an der Oststraße in Neuenrade. Seit 2011 gehört die Deutsche Post zu seinen Kunden. Zunächst hat die Post Fahrzeuge mit konventionellen Antrieben zu ihm gebracht, die älter als fünf Jahre waren und aus Garantiegründen nicht mehr in eine händlergebundene Reparaturwerkstatt mussten.

Streetscooter werden gewartet und repariert

Seit 2014 hat der gebürtig aus Kassel stammende Eifert einen Generalvertrag mit dem Logistikunternehmen aus Bonn. Er sei damit alleiniger Servicepartner für die Elektrofahrzeuge der Post aus Balve, Altena und Plettenberg. Die gelben Streetscooter werden bei ihm gewartet und repariert. „Ab Oktober kommen noch 80 mit Wasserstoff betriebene Wagen dazu“, schaut Eifert Richtung Herbst.

553 Rechnungen habe er bisher an die Post geschickt in diesem Jahr. „Alleine heute habe ich sieben der gelben Wagen hier“, sagt Eifert, der seit 21 Jahren in Neuenrade lebt. „Zum Vergleich: Insgesamt habe ich in diesem Jahr bisher 3270 Aufträge abgearbeitet.“ Der Anteil der Post in seinem Arbeitsalltag liegt demnach bei knapp 17 Prozent. Der in Langenscheid aufgewachsene Eifert ist deswegen stolz, „denn nicht alle Autowerkstätten sind fit, wenn es um Reparaturen von E-Autos geht“. Sein Betrieb sei jedoch „von der Dekra zertifiziert für das Flottengeschäft, das heißt, wir können nachweislich sämtliche Fahrzeug-Marken warten und instandsetzen“.

Wenig Werkzeug und viel Software

Der Kfz-Meister weiß: „E-Motoren sind eine völlig andere Welt.“ Er erzählt schmunzelnd: „Mein Ausbilder hat damals zu mir gesagt: ,Mit einem Draht, einem Wasserschlauch und einem Seitenschneider kannst Du alles reparieren.’ Heute weiß ich, dass er damit nicht recht hatte.“ Eifert schildert: „Für die Arbeit an E-Autos brauchen wir wenig Werkzeug und viel Software, sowie immer wieder Reparaturanleitungen.“ Letztere stünden ihm je nach Fahrzeughersteller in Form von Videos oder PDF-Dateien zur Verfügung. Wenn wirklich etwas kaputt und nicht bloß ein Update nötig sei, „dann müssen wir oft ein Teil ganz austauschen, statt es zu reparieren“, sagt der Werkstattleiter, zu dessen Team sieben Mitarbeiter gehören. „Die meisten Teile in einem E-Motor sind fest vergossen oder gepresst, die können gar nicht auseinander genommen werden, ohne sie kaputt zu machen.“

Bei Waschmaschine und Co. heiße es ja, die würden so konzipiert, dass sie schnell kaputt gehen. „Das ist beim Auto bis heute nicht so“, betont Eifert, „obwohl Mercedes etwa sagt, ein Auto habe eine Haltbarkeit von 95 000 gefahrenen Kilometern oder vierdreiviertel Jahren.“ Er schüttelt kurz den Kopf und hebt hervor: „Dass das falsch ist, sieht man ja allein daran, dass ein fünf Jahre alter Wagen bei der Kfz-Versicherung noch einen Restwert hat.“

Neufahrzeuge „heute alle gleich schlecht“

Eifert nimmt kein Blatt vor den Mund: „Die Autohersteller sind da völlig blind. Deren Produkte sind aber in der Tat immer noch so hochwertig, dass es genügend Fahrzeuge gibt, die selbst nach 15 Jahren noch durch die Gegend fahren.“ Wenn ihn ein Kunde, der mit dem Gedanken spiele, einen Neuwagen zu kaufen, nach dem besten Hersteller frage, so sage er diesem: „Früher hätte ich Ihnen zum Audi 80 geraten. Der war unkaputtbar. Doch heute sind alle Wagen gleich schlecht.“

Auch in Bezug auf eine Antriebsart hat Eifert keine Präferenzen: „Das umweltschädlichste, was auf dem Markt ist, ist das E-Auto“, leitet er seine Analyse ein. „Viele betrachten ja bloß das reine Fahren und was hinten raus kommt. Wenn man aber Herstellung, Wartung und die spätere Entsorgung mit einbezieht, stelle ich unter dem Umweltaspekt alle Motor-Varianten nahezu auf ein Level.“

Eifert glaubt an die Zukunft des Benziners

Zukünftig, „und da spreche ich vielleicht vom Jahr 2035“, werde dennoch das E-Auto dominieren, prophezeit der 53-Jährige. „Aber auch der Wasserstoff-Antrieb wird Teil dieser Zukunft sein. Sogar der Verbrenner wird nicht aussterben.“ Zwar sprächen die Autohersteller vom Ende des Benziners und des Diesels, doch das mache der Kunde definitiv nicht mit. „Ein moderner Diesel hat ja zum Beispiel weniger Feinstaub-Ausstoß als ein Fahrrad beim Bremsen“, meint er.

„Das E-Auto hat dort Vorteile, wo es um das Fahren im Stadtverkehr und darüber hinaus um geringe Reichweiten geht“, konkretisiert Eifert. „Eine Oma kauft sich ja auch keinen SUV, um damit zum Friedhof zu fahren.“ Er ist sich sicher: „2035 werden viele Leute einen eigenen Stromspeicher fürs Auto zuhause haben.“

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