Nur wenige wollen den deutschen Pass

Sandra Horny.

NEUENRADE ▪ Sandra Horny, Integrationsbeauftragte der Stadt Neuenrade, kann auch nur spekulieren, warum es vergleichsweise wenige Einbürgerungen gibt.Die jüngste Statistik offenbart hier, dass wenige Ausländer ein Interesse daran haben, Deutsche zu werden.

Die Statistik liefert hier eindeutige Zahlen, die nicht mit einem allgemeinen Rückgang der Bevölkerungszahlen erklärbar sind. Und auch hat die Stadt Neuenrade eine relativ stabile Bevölkerungsentwicklung aufzuweisen. Gut zehn Prozent, etwa 1250 Neuenrader, sind Ausländer. Die größte Gruppe bilden die Türken, es gibt noch eine russische und eine tamilische Gemeinschaft. Dazu die Einbürgerungszahlen aus dem vergangenen Jahr: Da wurden sage und schreibe 17 Neuenrader Ausländer zu Deutschen. Aufgerundet sind das rund 1,5 Prozent der ausländischen Bevölkerung.

Dass viele die deutsche Staatsangehörigkeit nicht annehmen wollen, ist nach Angaben von Sandra Horny einer Gemengelage von Gründen zuzuschreiben. Da gebe es handfeste Dinge. Zum Beispiel bei vielen Türken – die wollten durch die Erlangung der deutschen Staatsbürgerschaft ihre Rechte in der Türkei nicht aufgeben (unbegrenztes Wohnrecht dort). Hinzu kommen würden auch die formalen Hürden (Test), welche durch die Bundespolitik gesetzt würden. Für Neuenrade findet sie es zum Beispiel schlecht, dass keine Integrationskurse zur Erlangung der Bürgerschaft angeboten würden. Auch hielt sie es für sinnvoll, wenn Einbürgerung vor Ort möglich würden. „Wir hier in den Städten arbeiten doch mit den Leuten zusammen“. Doch Horny ist auch der Meinung, dass sich inzwischen etwas getan habe, dass man mehr auf die Menschen zugehe. Das Integrationslotsenprojekt und andere Maßnahmen hätten geholfen oder würden sicher noch helfen.

Auch auf Kreisebene erkennt man zudem einen positiven Trend: Seit 2008 würde die Zahl der Einbürgerungen wieder steigen. In 2010 haben sich demnach 607 Menschen entschieden Deutsche zu werden. 2008 waren es erst 457.Neuenrades Integrationsbeauftragte Horny hat noch einen Aspekt: „Spannend wird es, wenn sich die jungen Leute mit der doppelten Staatsangehörigkeit für eine entscheiden müssen.“

Peter von der Beck

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