„Raus in die Natur!“

Weltspieltag: Psychologin erklärt, warum Kinder unbedingt spielen sollten

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Im Wald gibt es für Klein und Groß eine Menge zu entdecken. Vor allem bieten sich dort aber jede Menge Spielmöglichkeiten.

Neuenrade – „Raus in die Natur!“– so lautet das Motto des Weltspieltags. In Deutschland wird dieser Aktionstag seit 2008 jeweils am 28. Mai eines Jahres begangen. Koordiniert werden die Aktionen vom Deutschen Kinderhilfswerk und seinen Partnern im „Bündnis für Recht auf Spiel“.

Im Gespräch mit SV-Redakteurin Carla Witt erläutert die Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche Dr. Rafaela Wingen aus Neuenrade warum Heranwachsende unbedingt spielen sollten, und wie Eltern ihre Kinder unterstützen können. 

Was löst das freie Spielen in der Natur – ohne Handy und Spielekonsole – in Kindern und Jugendlichen aus? Warum ist es für ihre Entwicklung so wichtig? 

Bei Kindern beobachten wir zwischen der Geburt und dem Erwachsenenalter alters- und entwicklungsspezifische unterschiedliche Spielformen. Spielerische Handlungen dienen der Assimilation. Das bedeutet, Kinder eignen sich die Umwelt spielerisch an und lernen über die Anwendung vielfältiger Spielformen, mit ihr zurechtzukommen. 

Hat das Spielen insbesondere in dieser kontaktarmen Zeit eine ganz besondere Bedeutung? 

Das Spiel kann als zentrales Ausdrucks- und Lernmedium von Kindern angesehen werden. Die Entwicklungspsychologie und die Spielpsychologie zeigen, dass das Spiel im Kindesalter das bevorzugte Medium ist, um sich mit Gegebenheiten der Umwelt vertraut zu machen. Neues wird von Kindern im Spiel erprobt, bevor es Anwendung im Alltag findet. Dies umfasst neben dem Erlernen von Fähigkeiten, Verhaltens- und Denkmustern auch das Erlernen von Bewältigungsstrategien für schwierige Situationen und Erlebnisse. Hierzu zählt auch der Lockdown mit seiner daraus resultierenden Distanzierung. Kinder versuchen nun mithilfe des Spiels, Lösungen für ihre Probleme oder Anliegen zu finden, damit sie wieder in ein inneres Gleichgewicht kommen und ihre innere Homöostasis halten können. 

Können Eltern ihre Kinder unterstützen, damit sie Zugang zum freien Spielen in der Natur finden? 

Eltern sollten ihren jüngeren Kindern den Raum und die Möglichkeit geben, in der Natur spielen zu können. Ein Waldspaziergang oder ein organisierter Tag im Freien bietet Raum für ein zieloffenes Spiel. Tempo und Inhalt wird vom Kind bestimmt, doch meist ist zu Beginn eine Anleitung oder ein zur Verfügung gestelltes Spielmaterial notwendig, um den Spielprozess anfänglich zu unterstützen. 

Wie können Kinder (und Jugendliche) frei spielen, wenn sie Abstand halten sollen? 

Abstand halten ist in diesem Zusammenhang schwer. Spielende Kinder befinden sich oft in einem selbstvergessenen Trancezustand. Dieser als Flow bezeichnete Zustand wird von den Kindern als sehr angenehm empfunden und führt schließlich dazu, dass Zeit, Raum und Spielinhalt unter die Kontrolle des das Spiel bestimmenden Kindes fallen. Der Alltag rückt dabei in weite Ferne, sodass es den Kindern in einem konzentrierten Spiel verständlicherweise nicht möglich sein wird, die Abstandsregeln einzuhalten.

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