Gesprächskreis für Betroffene und Angehörige in Balve

Für Claudia Kaluza war die Parkinson-Diagnose ein Schock: Jetzt will sie anderen helfen

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Betroffene und Helferin: Für Claudia Kaluza ist der Umgang mit ihrer Parkinson-Erkrankung nicht immer einfach. In ihrem Gesprächskreis stellt die Malteserin auch Broschüren vor, die Infos über die Nervenkrankheit enthalten.

Neuenrade – Langsam gestikuliert Claudia Kaluza, während sie spricht. Ihr Kopf schwenkt immer wieder von links nach rechts. Nicht jede ihrer Bewegungen kann sie vollständig kontrollieren. Das war nicht immer so. Seit acht Jahren leidet die FDP-Ortsvorsitzende an der Parkinson-Krankheit.

Mit ihrer Diagnose ging die 56-Jährige, die bis zur Kommunalwahl im nächsten Jahr auch noch im Neuenrader Stadtrat sitzt, damals an die Öffentlichkeit. „Vor allem, um mich zu schützen“, sagt sie. „Die Menschen in meinem Umfeld haben gemerkt, dass sich bei mir etwas verändert. Ich wollte für Transparenz sorgen, damit nicht über meine Gesundheit spekuliert wird.“ 

Einfacher war es für Claudia Kaluza dadurch aber nicht. Der offene Umgang mit ihrer Krankheit wurde aber zum Fundament für ihr jüngstes Projekt: Sie will Menschen mit Parkinson helfen. Zum heutigen Welt-Parkinson-Tag ist der Blick auf die noch immer recht unbekannte Nervenkrankheit gerichtet, die sich laut Experten zur Volkskrankheit entwickelt. 

Parkinson-Krankheit gilt als unheilbar

Trotz der zunehmenden Einschränkungen in ihrem Leben übt sich Kaluza in Gelassenheit. Ändern kann sie an ihrem Schicksal nicht viel, denn Parkinson gilt bislang als unheilbar. 

Stattdessen breitet sich die Krankheit schleichend immer weiter aus. „Ich versuche mein Leben so normal zu gestalten wie möglich“, sagt die gebürtige Rheinländerin. Auch wenn ihr die Diagnose den Boden unter den Füßen weggerissen hat. 

Unterstützung durch die Familie

Viel Hilfe bekommt Kaluza von ihrer Familie. Mit der Unterstützung ihres Mannes Karl, der für die Grünen ebenfalls im Stadtrat sitzt, und ihrer Kinder könne sie ihren Alltag gut meistern. 

So geht es aber nicht jedem: Hilfe sucht sich laut Kaluza bei Weitem nicht jeder Parkinson-Patient. Viele Erkrankte gerieten während des Krankheitsverlaufs zunehmend in Isolation. Sie bleiben lieber in ihren eigenen vier Wänden, weil sie sich für das unkontrollierbare Muskelzucken und die teils eingeschränkte Motorik schämen. 

Vor knapp drei Jahren hat Kaluza daher einen Gesprächskreis für Parkinson-Erkrankte in Balve ins Leben gerufen. Ehrenamtlich organisiert sie für den Hilfsdienst der Malteser regelmäßige Treffen, bei denen sich Betroffene und Angehörige austauschen können und über den Umgang mit der Krankheit informiert werden. 

18 Menschen aus Neuenrade und Balve nehmen an diesen Veranstaltungen teil – Betroffene und auch Angehörige. 

"Möchte ein Netzwerk aufbauen"

Kaluza strebt aber nach mehr: „Ich möchte ein Netzwerk aufbauen“, betont sie. Betroffene sollen sich untereinander austauschen und über die Stadtgrenzen hinaus kooperieren. Auch gemeinsame Unternehmungen wie Pilgerfahrten stehen auf dem Programm der Malteser. Die Hilfsangebote für Kranke gebe es zwar, die Hürden, diese anzunehmen, seien aber teilweise hoch. 

Vor allem wegen der eingeschränkten Mobilität vieler Parkinson-Patienten: Ab einem gewissen Stadium müsse man etwa den Führerschein abgeben. Für öffentliche Verkehrsmittel seien Betroffene oft zu unbeweglich. Mal eben aus dem Bus auszusteigen, ist für Parkinson-Erkrankte im fortgeschrittenen Stadium eine wahre Herausforderung. 

Und da will Kaluza anknüpfen: Ihr Ziel ist ein Fördertopf, der Kranken die Anfahrt zur Therapie ermöglicht. In ländlichen Regionen sei der Mangel an Fachärzten nämlich auch in diesem Bereich spürbar. „Was nützt mir ein guter Facharzt in der nächsten Großstadt, wenn ich alleine nicht dahin komme?“, meint Kaluza, die sich selbst unter anderem in Göttingen und Hamburg behandeln ließ. 

Ständig Hilfe benötigt

Mit dem maltesischen Besuchs- und Begleitdienst, der unter anderem Fahrten für Kranke organisiert, wird ein Teil des Bedarfs bereits gedeckt. Hilfe kann es laut Kaluza aber nicht genug geben. 

Das karitative Engagement ist der 56-Jährigen sehr wichtig, auch wenn es ihr mit ihrer fortschreitenden Krankheit immer schwerer fällt, anderen zu helfen. Zu Beginn tat sie sich nicht gerade leicht mit der Gewissheit, dass sie irgendwann etwas kürzer treten muss. 

Bis vor knapp einem Jahr arbeitete sie noch als Arbeitsvermittlerin beim Jobcenter. Ihr Arbeitgeber habe ihr stark zur Frührente geraten. „Für manche mag die Rente ein freudiges Ereignis sein. Für mich war es wie ein Schlag. Ich habe die Arbeit geliebt“, erklärt die Ratsfrau. 

„Entsprechend schwer fiel es mir, die Entscheidung zu akzeptieren“, erinnert sie sich. „Ich dachte damals, dass ich bestimmt noch zwei Jahre hätte arbeiten können. Ich merke jetzt aber, dass ich mich dafür nicht mehr fit genug fühle.“ 

Angst vor einem Sturz ist groß

Kaluza konzentriert sich daher immer mehr aufs Ehrenamt und die Kommunalpolitik. Doch auch das geht heute nicht mehr so, wie sie sich das vorstellt. Ihre Krankheit breitet sich immer weiter aus. Muskeln und Gelenke werden stetig steifer. Bei Ausflügen und Terminen ist sie heute regelmäßig erschöpft. Zudem begleitet sie oft die Angst zu stürzen. 

FDP-Vorsitzende bleibt sie daher nur noch bis zum nächsten Kreisparteitag, der spätestens bis zur Kommunalwahl im nächsten Jahr stattfinden soll. Ihrer Partei bleibt sie aber weiterhin beratend erhalten. 

Umso mehr kann die überzeugte Malteserin ihre Kräfte künftig in karitative Tätigkeiten stecken, um Menschen zu helfen, die ihr Schicksal teilen.

Der Gesprächskreis 

Der Gesprächskreis findet in der Regel einmal im Monat im Balver Malteserhaus (Dechant-Löckerweg 2) statt. Der nächste Termin ist am Freitag, 26. April, von 15 bis 16.30 Uhr. 

Das Angebot richtet sich an Betroffene sowie Angehörige und ist kostenlos. Interessierte können sich bei Claudia Kaluza, Tel. 01 76 / 56 85 44 87, informieren und anmelden.

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