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Warteliste für Kinder-Impfungen: Attila Hildebrand bestellt erste Impfdosen

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Von: Maximilian Birke

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Kinderarzt Attila Hildebrand bietet in seiner Praxis Corona-Schutzimpfungen für Kinder- und Jugendliche an.
Kinderarzt Attila Hildebrand bietet in seiner Praxis Corona-Schutzimpfungen für Kinder- und Jugendliche an. © Jari Wieschmann

Anfang kommender Woche soll in den Kinderarztpraxen der erste speziell für Kinder entwickelte Corona-Impfstoff ankommen. Die Nachfrage sei vorhanden, sagt Attila Hildebrand, Kinder- und Jugendarzt aus Neuenrade. Auf seiner Warteliste stehen derzeit etwas mehr als 60 Kinder, berichtet er.

Neuenrade – Hildebrand hat am Dienstag 30 Impfdosen bestellt und bereits zugesagt bekommen. Er geht davon aus, dass dieser Impfstoff auch tatsächlich verfügbar sein wird, wobei sich das durchaus noch kurzfristig ändern könne.

Die 30 Impfdosen müssen für den Dezember reichen. Fürs Erste ist die Bestellung des neuen Vakzins nämlich nur einmal pro Monat möglich. „Bisher gibt es noch keinen festgelegten Turnus für weitere Lieferungen“, sagt Hildebrand. Die anderen Corona-Impfstoffe kann der Kinderarzt einmal pro Woche neu ordern.

Schon klar ist bei 30 bestellten Impfdosen: Die Warteliste für seine Praxis wird Hildebrand frühestens im Januar abgearbeitet haben. Er impft übrigens nur seine eigenen Patienten, betont er. Mehr sei zeitlich kaum leistbar.

Bei dem neuen Impfstoff handelt es sich um ein Präparat des Herstellers Pfizer/Biontech. Es unterscheidet sich von dem bisherigen Impfstoff vor allem in seiner Konzentration. „Der Impfstoff ist anders abgefüllt und stärker verdünnt“, erklärt Hildebrand. Ein Kind benötige lediglich ein Drittel der Wirkstoffkonzentration, die an Erwachsene verimpft wird.

Das neue Präparat, für das die Ständige Impfkommission (Stiko) derzeit eine Empfehlung ausarbeitet, werden Kinder zwischen fünf und elf Jahren erhalten. Ab zwölf Jahren ist der Biontech-Impfstoff in der normalen Dosierung zugelassen.

Attila Hildebrand empfiehlt den Impfstoff vor allem für Kinder, die an Vorerkrankungen leiden, welche das Risiko für schwere Corona-Verläufe erhöhen. „Dazu zählen zum Beispiel Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, Herzfehler und Diabetes“, führt er aus. Allerdings werde er das Vakzin auch verabreichen, wenn Eltern ihr Kind allgemein geschützt wissen wollen.

Bei der Mehrheit der 60 Impfinteressierten auf der Warteliste sei das der Fall. „Ich biete die Impfung allen an, auch gegen eine mögliche Stiko-Empfehlung.“ Die Impfung gebe etwas mehr Sicherheit und der Impfstoff sei bedenkenlos verabreichbar, sagt er. Zudem ist durch die Zulassung die staatliche Haftung gewährleistet.

Zahlen, die die Sicherheit des neuen Vakzins belegen, nennt Hildebrands Kollege Michael Achenbach aus Plettenberg. Er ist Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in Westfalen-Lippe. In den USA sei in einer Gruppe von vier Millionen Kindern bislang keine einzige Herzmuskelentzündung als mögliche Nebenwirkung aufgetreten, berichtet er.

„Das Nebenwirkungsrisiko ist anders – zugunsten der Kinder.“ Zum Vergleich: Bei Erwachsenen tritt eine Herzmuskelentzündung etwa einmal pro 15 000 bis 20 000 Impfungen auf. Junge Männer sind davon stärker betroffen als Frauen.

Für Kinder, die keine Vorerkrankung haben, sei der Impfstoff nicht zwingend erforderlich, meint Hildebrand. Hier müsse man den individuellen Nutzen abwägen. Es gebe zwar viele Infektionen bei den unter Zwölfjährigen, die Krankheitsverläufe seien aber fast ausschließlich mild.

In der Altersgruppe der Fünf- bis Neunjährigen lag der 7-Tage-Inzidenzwert bundesweit zuletzt (Stand 2. Dezember) bei 952,6. Angeführt wird die Liste von den Zehn- bis 14-Jährigen mit einem Wert von 1066,7. Es sind mit großem Abstand die beiden am stärksten betroffenen Altersgruppen. Danach folgen erst wieder die 40- bis 44-Jährigen mit einem Inzidenzwert von 650,6.

Mit Blick auf die Pandemie in ihrem vollen Umfang vertritt Hildebrand die Meinung: „Für die Herdenimmunität wäre es viel entscheidender, dass wir die Impflücke bei den Erwachsenen schließen.“ Michael Achenbach untermauert das mit Zahlen: 14,1 Millionen über 18-Jährige seien derzeit nicht vollständig geimpft. Die Fünf- bis Elfjährigen bringen es dagegen nur auf rund fünf Millionen.

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