Walter blickt über den ökonomischen Tellerrand

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Prof. Dr. Norbert Walter klärte in seinem Referat etliche interessante Zusammenhänge auf. ▪

NEUENRADE ▪ Überaus aufschlussreich, wenn ein herausragender Ökonom, wie Prof. Dr. Norbert Walter zweifelsohne einer ist, über den Tellerrand blickt.

Am Mittwochabend referierte der ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank über die Perspektiven des Euro, die fehlende Liebe der europäischen Bevölkerung zu ihrer Währung, Auswirkungen der Griechenlandkrise auf die Währungsunion und vieles mehr – und räumte gleichzeitig mit etlichen Vorurteilen auf. Beispiel gefällig: Es wäre ein Irrglaube, Griechenland könne so ohne weiteres den Euro gefährden, sagte Walter und lieferte prompt Fakten. Das Saarland, das nicht gerade für seine solide Finanzpolitik berühmt sei, hätte zu keinem Zeitpunkt die D-Mark destabilisiert. Warum sollte dann Griechenland, das im Verhältnis zur EU kleiner ist als das Saarland bezogen auf Deutschland, den Euro gefährden.

Auch wenn Prof. Dr. Norbert Walter zu Zeiten der Euro-Einführung hunderte von Vorträgen pro Währungsunion geführt habe, scheint der Ökonom keineswegs befangen, wenn er behauptet, der Euro wird mich locker überleben. Damit widerspricht er der US-amerikanischen Wirtschaftsinstitution Alan Greenspan, der damals behauptete, der Euro würde rasch wieder vom Markt verschwinden. Walter geht noch einen Schritt weiter und ist überzeugt, dass der Euro an Bedeutung weiter gewinnen wird. Es werden auch weitere Mitgliedsländer dazustoßen. Das sei allerdings eine längerfristige Entwicklung.

Im Gegensatz zum Dollar würde der Euro von der Bevölkerung aber nicht so geliebt. „Teuro“ wird er hämisch genannt. Warum, fragt sich Walter? Denn die Teuerungsrate des Euro läge durchschnittlich unter zwei Prozent pro Jahr. Die D-Mark hätte durchschnittlich bei 3,3 Prozent gelegen. Die Bevölkerung wäre gut beraten, kritischer an viele Sachverhalte heranzugehen und die Fakten sorgsam zu studieren, riet der Ökonom.

Interessant waren auch die Vergleiche zu den US-Amerikanern, die deutlich konsumfreudiger wären. Ein Deutscher gibt nur Geld aus, wenn er damit Steuern sparen kann, sagte Walter. Viel schwerwiegender als all die wirtschaftlichen Sorgen sei hingegen der Kindermangel in Deutschland, der uns in der Zukunft viel stärker beschäftigen wird.

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