Besonderes Kunstprojekt

Waldorfschule wird von Lehranstalt zu Lebensort

Spiralmosaik statt Fußabdrücken an der Wand im Treppenhaus: Klaus Giljohann, kaufmännischer Geschäftsführer der Waldorfschule, und Künstler Robert Kaller.
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Spiralmosaik statt Fußabdrücken an der Wand im Treppenhaus: Klaus Giljohann, kaufmännischer Geschäftsführer der Waldorfschule, und Künstler Robert Kaller.

„Kunst wirkt.“ Davon ist der Robert Kaller überzeugt. Und wenn man die Reaktion von Heike Meisen in Betracht zieht, dann hat der Mann Recht.

Meisen, Lehrerin an der Waldorfschule Neuenrade, hat schon die Maler und Mitarbeiter des Künstlers gelobt. „Ich habe Ihren Leuten schon gesagt: was habt ihr für einen tollen Job gemacht.“

Heike Meisen jedenfalls fühlt sich wohl. Die Farbgestaltung des Verwaltungs- und Schulgebäudes der Freien Waldorfschule hat bei ihr nun Wohlfühlcharakter. Ein älterer Schüler ist zurückhaltender, findet das ganze allerdings auch sehr „chique“.

Verwaltungsgebäude und Klassenräume werden aufgehübscht

Derzeit erfährt das Verwaltungsgebäude mit seinen Klassenräumen eine Renovierung. Und es wird anders als man es von einer Schule erwarten würde. Nichts ist zu sehen von Standardweiß oder geometrisch gestalteten Flächen. Stattdessen sind dort überall eher warme Farbtöne zu finden, vor allem wenn es um die Klassen der jüngeren Schülergeneration geht. Sie würden sogar von den warmen Farben umfangen, formuliert es Kaller.

Ältere Schüler kämen hingegen gut mit kühleren Farben zurecht. Selbst im Computerraum, der in einem Blauton gehalten ist, passt das Farbkonzept – denn Blau hat etwas Sachlich-Technisches.

Mosaikflächen in Kniehöhe

In den Fluren gibt es auch in Kniehöhe mit Mosaiksteinchen gestaltete Flächen. Wo normalerweise hässliche Flecken von Schuhen zu sehen sind, hat Kaller wellenförmige Objekte mit farbigen und unterschiedlich großen Mosaiksteinchen gestaltet. Auch hier wirkt Kunst – diesmal auch ganz praktisch. „Kunst als Dienstleistung“, formuliert es Kaller.

Die Mitarbeiter von Robert Kaller rühren die Farben für die Umgestaltung an.

Er gerät schnell ins Schwärmen, spricht von lichtoffener Farbigkeit, pigmenthaltigen Schichten und amüsiert sich über das Wortungetüm nutzungsorientierter Raumcontainer – ein Begriff aus den 1970er-Jahren, der noch heute auf auf viele Schulen zutrifft. Der Künstler hatte nie das Bestreben als Künstler ein schlichtes und armes Dasein zu fristen, auch mit dem Elitehaften der Kunst kann er nichts anfangen. Der Master of fine Arts, ein Studienabschluss in bildender Kunst, will einen gesellschaftlich-finanziellen Stellenwert, den auch andere Studierte wie Ärzten oder Rechtsanwälte genießen würden. Kunst soll in der Mitte der Gesellschaft wirken. „Kunst wirkt“ – so ist gar die Doktorarbeit überschrieben, die Robert Kaller derzeit an der Uni Potsdam schreibt.

Messbare physiologische Reaktionen

Gerade Farben und Lichtverhältnisse würden messbare physiologische Reaktionen hervorrufen, lässt er durchblicken. Er ist seit Jahrzehnten im Geschäft und hat viele Schulen, Kitas, Krankenhäuser, Kirchen, private Wohnräume und auch Krankenhäuser gestaltet. Nicht ohne Stolz verweist er auf die Geburtsklinik Dortmund-Hörde, welche er mit seinem Farben und mit seinen Mosaiken ein neues Gesicht gegeben hat. „Die Geburtszahlen haben sich seitdem dort verdoppelt,“ sagt Kaller. Für ihn gibt es da ganz klar einen Zusammenhang.

Die Beispiele der Farbgestaltung von Robert Kaller sind fantastisch anzusehen. Seine Fähigkeit, Räume zu inszenieren, ist mit Kunsthandwerk sicher unzureichend beschrieben. Handwerk ist es ohne Zweifel, aber eben auch Kunst. Für Kaller ist Kunst inmitten der Menschen. Und die Gestaltung eines Schulgebäudes ist für ihn „eine Verwandlung von Lehranstalt in einen Lebensort“. Schule habe sich eben auch gewandelt. Heutzutage würden Kinder dort den Großteil ihrer Zeit verbringen. Da sei ein förderndes Ambiente eigentlich Pflicht und eine angenehme Atmosphäre tue Not. Schulen seien zu Entwicklungs- und Kompetenzzentren geworden. Das sei mit einer entsprechenden Gestaltung zu unterstreichen. „Eine Schule ist kein nutzungsorientierter Raumcontainer,“ betont er.

Experten für Mosaikkunst

Kaller, der sich auch Kunstunternehmer nennt, und seinen Mitarbeiter (gelernte Maler und Lackierer) sind auch Experten für Mosaikkunst. Sie wird im Atelier von Robert Kaller unterrichtet. Hier bietet er sogar einen berufsbegleitenden Studiengang zum zertifizierten Mosaikkünstler an.

Robert Kaller (links) und Klaus Giljohann schauen sich den jetzt in Blau gehaltenen Computerraum an.

Eine Mosaikstruktur, die in der Waldorfschule gut ankommt, ist das Spiralmosaik im Treppenhaus. Es dokumentiert die Bewegung in diesem Bereich und korrespondiert mit den von Stockwerk zu Stockwerk rennenden Schülern – es passt.

Umgestaltung hat auch praktische Vorteile

Abgesehen vom nun angenehm gesteigerten Aufenthaltsgefühl in der Neuenrader Waldorfschule freut sich Klaus Giljohann, kaufmännischer Geschäftsführer der Schule, auch über eine praktische Sache: „Die Wände sind abwaschbar.“

Dass nun das Verwaltungsgebäude mit den Schulräumen mit dem neuen Farbkonzept gestaltet wird, diene auch der Aufwertung dieses Gebäudes vor dem Hintergrund des neuen großen Komplexes, der auf dem Waldorfschulareal gebaut wird, sagte Giljohann. Bekanntlich werden in kommenden Jahren rund acht Millionen Euro auf dem Schulareal investiert, um unter anderem mehr Platz für die zuletzt gestiegene Zahl an Schülern zu schaffen, eine Mensa sowie eine Sporthalle zu errichten.

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