Großprojekt läuft über zehn Jahre

Waldorfschule im MK investiert acht Millionen Euro in Infrastruktur

Waldorfschule: So sieht der Entwurf des Hauptgebäudes aus. Die neue Mensa soll Herzstück des Schulkomplexes werden und neben dem bisherigen Aula-Gebäude entstehen.
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So sieht der Entwurf des Hauptgebäudes aus. Die neue Mensa soll Herzstück des Schulkomplexes werden und neben dem bisherigen Aula-Gebäude entstehen.

Die Waldorfschule in Neuenrade wurde zuletzt immer beliebter. Eigentlich für 240 Schüler ausgelegt, werden momentan bereits rund 280 Kinder und Jugendliche unterrichtet. Um diesen veränderten Bedingungen auch räumlich gerecht zu werden, soll massiv in die Infrastruktur investiert werden: insgesamt rund acht Millionen Euro.

Die Waldorfschule liegt ein wenig abseits und ist über eine gewundene Zufahrtsstraße zu erreichen. Ein kleiner Kreisverkehr, an dem es eine Bushaltestelle gibt und an dem sich der Schüler-Bring-und-Holdienst abspielt, markiert den Beginn des Schulgeländes. Die Schule liegt idyllisch auf dem Remmelshagen, ein Bergrücken von dem aus man einen herrlichen Blick auf das Lennetal hat.

Das Gelände besteht aus einem Ensemble moderner Pultdachgebäude und einem älteren zweiflügeligen Haus, in dem unter anderem die Aula untergebracht ist. Ein Schafstall mit Weide und bunte Hinweisschilder ergänzen das Bild, welches nichts mit den Zweckbauten einer staatlichen Standardschule zu tun hat. Wer hier eingeschult wird, kann theoretisch bis zur Klasse 13 bleiben und Abitur machen. Dafür wirbt die Waldorfschule auch derzeit offensiv mit einer Plakataktion in Neuenrade.

60 Bewerbungen auf 25 Plätze

Die Waldorfschule hat in den vergangenen Jahren enorm an Zulauf gewonnen. Es gab Zeiten, da wurden jedes Jahr nur zwei Handvoll Schüler eingeschult. Jetzt freut sich Schulmanager Klaus Giljohann, dass 60 ernst zu nehmende Bewerbungen für die erste Klasse vorliegen – angenommen werden 25 Schüler. Bis zu 300 Schüler werden an der Waldorfschule Neuenrade über alle 13 Jahrgänge hinweg unterrichtet, für 240 war das Gebäudeensemble mal konzipiert.

Geschäftsführer Klaus Giljohann und Architekt Jan Kanngießer präsentieren den Masterplan.

Deshalb werden die Rahmenbedingungen kontinuierlich angepasst. Nicht von ungefähr will die Führungsmannschaft in Absprache mit allen Beteiligten investieren. Die Nachhaltigkeit im Fokus, der gestiegenen Schülerzahl gerecht werden und ein zukunftsweisendes Vorhaben für die nächsten zehn Jahre: Auf dem Remmelshagen entsteht ein Vorzeigeprojekt der Waldorfschule, das auch der Stadt Neuenrade gut zu Gesicht stehen und die Neuenrader Schullandschaft weiter stärken dürfte. Investiert werden soll rund acht Millionen Euro.

Großes Mensagebäude und Bau einer Sporthalle

Die Pläne sehen ein großes Mensagebäude, eine landschaftlich-landwirtschaftlich und ökologische Gestaltung des Außengeländes, den Bau einer Sporthalle mit Elementen im Außengelände, besondere Gewächshäuser und damit verbundene weitere Konzepte vor, die von der Streuobstwiese über Erdgewächshäuser bis hin zur E-Tankstelle reichen. Drei Jahre wurde bisher an dem Konzept gearbeitet, das zwar einen Rahmen setzt, aber durchaus offen und anpassbar bleibe, wie Klaus Giljohann, Schulmanager, betont. Schülerschaft, Eltern, Belegschaft und Führungsmannschaft haben an dem Konzept mitgewirkt. Es gibt die „Projektliste Visionäre“, welche die Dimensionen noch einmal beleuchtet.

Die Koordinatoren Geschäftsführer Giljohann, sowie Architekt Jan Kanngießer und Professor Andreas Kaiser aus der Elternschaft haben derzeit allerhand um die Ohren. Natürlich werden sie personell entlastet. Allein könnte das Trio die zehn Projekte mit jeweils mehreren Unterprojekten sicher nicht in der nötigen Tiefe bewältigen.

Der Masterplan ist bereits gezeichnet

Visualisiert ist das Ganze bereits: Jan Kanngießer: „Es gibt den großen gezeichneten Masterplan, auf dem alle künftigen Projekte auch illustriert wurden.“ Der Architekt ergänzt: Der Plan ist nun Grundlage. Fahrtwege, Rettungswege, vorhandene und mögliche Parkplätze, Eingrabungen und Markierungen, Gebäude und Pflanzungen. Bisher gab es nur einen relativ ziellosen Bauplan.“

Im Verwaltungsgebäude der Waldorfschule steht ein Modell, das die Einbettung in das Gelände und die Dimensionen des Vorhabens verdeutlicht.

Das erste Projekt aus dem Masterplan, das die Neuenrader Waldorfschule flott in Angriff nehmen will, ist das Mensa-Gebäude. Die Fläche ist schon gerodet und die Dimensionen lassen sich erahnen. Als Bauzeit ist ein Jahr veranschlagt. Das Gebäude soll nach der Fertigstellung auf zwei Etagen 1000 Quadratmeter Nutzfläche haben.

In der Mensa wird nicht nur gegessen

In der Mensa wird nicht nur gegessen. Hier wird gekocht, Hauswirtschaft unterrichtet und die unmittelbare Gebäudeumgebung mit in das Konzept einbezogen. Um barrierefrei ins Gebäude zu gelangen, sorgt eine Rampe. Vier mal vier Kochplätze sollen für den Unterricht im Gebäude vorhanden sein, im Außenbereich werden Erdgewächshäuser gebaut, einen Terrassen-Gemüsegarten gibt es zukünftig auch. Ein kleines Atrium, das sich für Veranstaltungen und Unterricht eignet, soll angelegt werden, ein Kräutergarten für den Koch wurde in den Planungen berücksichtigt. Denn gekocht werden soll nachhaltig und frisch mit Produkten aus der Region. An Personal gibt es unter anderem einen Koch, zwei Integrationskräfte und einen Auszubildenden. „Das müsste passen“, sagt Giljohann. Eventuell könnten sich noch Eltern über einen Mensa-Verein einbringen, sich um das Frühstück kümmern.

Ziel sei es zudem, den Schülern beizubringen von Grund auf wirtschaften zu können. Giljohann: „Das bedeutet selbst anbauen und pflegen, ernten, zubereiten, essen.“ Streuobstwiese, Terrassengemüsegarten. Giljohann gerät ins Schwärmen, präsentiert weitere Ideen: „Kinder machen ein Galadiner für die Eltern, man könnte Marmeladen, Gelees, Dörrobst herstellen“. Man könne auch „Kochkurse mit Eltern“ anbieten, oder „Kochen wie Großmutter, um Wissen zu bewahren.“.

Platz für bis zu 150 Personen

Auch die Offene Ganztagsschule soll in dem Mehrzweckgebäude Mensa untergebracht werden. In der Mensa finden auch bis zu 150 Menschen Platz, es gibt die moderne Ausstattung einschließlich Moderatorenplatz. Giljohann kann sich vorstellen, das Gebäude auch Vereinen für Veranstaltungen anzubieten. Für das Catering könne man ja sorgen. „Die neue Mensa wird das Herzstück der Schule“, sagt Giljohann.

Realisierungszeitraum von rund zehn Jahren

Bauherr des Großprojekts ist der Trägerverein der Freien Waldorfschule Neuenrade. Die Gesamtkosten mit allen Nebenmaßnahmen belaufen sich auf geschätzte acht Millionen Euro. Das erste Projekt, das verwirklicht werden soll, ist die Mensa in Form eines Mehrzweckbaus (unter anderem Küche, Klassenräume, Speisesaal). Mit den angeschlossenen Projekten wird die Fertigstellung bis 2022 avisiert. Danach ist der Gartenbaubereich für das Schulgelände an der Reihe (Fertigstellung ist für 2023/2024 geplant). Der Sportbereich/die Sporthalle soll 2025/2026 realisiert werden. Hinzu kommen all die Dinge von der umfassenden Projektliste. Insgesamt ist eine Projektdauer von zehn Jahren angedacht.

Ein weiteres wichtiges Projekt werden die Sportanlagen inklusive Sporthalle. Das hängt mit dem Abiturfach Sport zusammen, das die Waldorfschule künftig anbieten will, und der Tatsache, dass es immer schwieriger werde, die dafür erforderlichen Zeitkontingente in den öffentlichen Sporthallen zu bekommen. In der Waldorfschule soll jedenfalls unter anderem eine Laufanlage mit Sprunggrube entstehen. Auch Basket- und Volleyball wird möglich sein.

Vorgespräche mit Stadt und Kreis

Der Plan für die Gebäude wurde mit der Neuenrader Verwaltung vorbesprochen, auch die Untere Naturschutzbehörde des Märkischen Kreises war mit im Boot. Argumentativ habe es keine Probleme gegeben. Grünes Licht habe man jeweils signalisiert.

Insgesamt ist es ein umfassendes und ambitioniertes Projekt – selbst die Farbgebung wird eine bedeutende Rolle spielen. Giljohann: „Ein anthroposophischer Künstler wird sich um Farbgestaltung kümmern. Farbkonzepte – das ist ein Riesenthema.“

Energieversorgung über Geothermie

Nicht zu unterschätzen ist die Energieversorgung: So wird die Geothermie genutzt. Um mit Erdwärme heizen zu können, muss ein rund 100 Meter tiefes Loch gebohrt werden. Doch nicht nur Erdwärme und thermische Bauteilaktivierung wird eingesetzt, sondern auch Fotovoltaik. „Wir können die Energie dann nutzen, wenn gerade Bedarf besteht.“ Verwirklichen wird dieses Vorhaben das Salzburger Unternehmen „Future is now“ – ein renommiertes, mehrfach preigekröntes Unternehmen. Derzeit nutzt man an der Waldorfschule Gas. Wenn die neue Technik zum Einsatz komme, sei man auf dem Weg zur CO2-Neutralität, sagt Giljohann. Das „Mensa-Gebäude“ werde jedenfalls „Topwerte“ in Sachen Energiestandards haben.

Klaus Giljohann zeigt den Platz, der für den Bau des Gebäudes schon gerodet wurde.

Ein Brauchwasserkreislauf soll außerdem noch für Gelände und Gebäude installiert werden, ein Umlauf ums Gelände wird angelegt. Viele Ideen stehen darüber hinaus auf der Projektliste. Beispielsweise eine Anlage für Bogenschießen, ein Klettergarten oder ein Barfußpfad.

Die Finanzierung steht

Finanziert wird das Acht-Millionen-Euro-Projekt mit einem Mix aus Krediten von Sparkasse und Volksbank, Förderprogrammen von Land und Bund, Spenden und auch Eigenleistungen. Dazu zählt auch körperliche Arbeit wie etwa das Pflanzen von Bäumen. In der Elternschaft der Schule gibt es einen Baukreis, in dem Architekten und Handwerker sind. Sie alle werden bei der Realisierung dieses Projektes helfen. Für Giljohann hat die Zusammenarbeit der Eltern für die Schule noch einen besonderen Effekt. „Das ist identitätsstiftend.“

Überhaupt sei das Objekt in vielerlei Hinsicht eine gute Sache. Beauftragt würden, wenn möglich lokale Firmen. Nicht auswirken werde sich das Projekt auf die Mitgliedsbeiträge – die würden ohnehin jährlich automatisch um zwei Prozent angehoben.

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