Waldfriedhof am Kohlberg: Darum fehlen die Grabplatten

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Der Holzzaun wird durch einen Mattenzaun ersetzt, das Gelände wird verkleinert.

Neuenrade – Etwas abseits gelegen, aber direkt neben einem Wanderweg am Kohlberg liegt ein kleiner Friedhof. Bestattet sind hier 21 Kriegsopfer.

Es handelt sich um einstige Zwangsarbeiter/Zivilarbeiter, die in einem nahe gelegenen Sanatorium starben. Die Toten stammen aus Russland (damalige UDSSR), Polen und dem ehemaligen Jugoslawien, wie der Gedenktafel zu entnehmen ist. Der Friedhof beleuchtet dabei ein spezielles Kapitel der Weltkriegsgeschichte, als viele Fremdarbeiter in den heimischen Fabriken oder auf den Bauernhöfen arbeiteten. 

Wie diversen Veröffentlichungen zu entnehmen ist, war das Sanatorium das ehemalige SGV-Kohlberghaus, das zu Kriegszeiten kurzzeitig ein Entbindungsheim war. Mehr als 800 Kinder wurden dort geboren, weil im Ruhrgebiet und Südwestfalen die Infrastruktur zerstört war. Nach dem Krieg wandelten die Amerikaner das Gebäude in ein Sanatorium um. Fortan sollten sich dort ehemalige Fremdarbeiter mit Lungenkrankheiten erholen. Für die verstorbenen Patienten wurde von den Amerikanern der Waldfriedhof angelegt. Einige der Verstorbenen wurden in ihre Heimat überführt. Heute ist das Kohlberghaus eine Pflegeeinrichtung. 

Bezirksregierung trägt die Kosten

Der Friedhof wird gehegt und gepflegt. Nun soll er umfassend saniert werden. Nach einer Begehung, bei der der Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge sowie ein Vertreter der Bezirksregierung dabei waren, sind Maßnahmen empfohlen worden, berichtete Andrea Schäfer, Mitarbeiterin im Ordnungsamt und Standesbeamtin der Stadt Neuenrade. 

Das Areal wird verkleinert, das Gelände gärtnerisch in Ordnung gebracht, die Grabsteine werden von Mitarbeitern einer Fachfirma gesäubert und restauriert. Das Gelände wird neu umzäunt, der marode Holzaun wird abgerissen. Stattdessen wird der kleine Friedhof künftig durch einen sogenannten „Doppelstabmattenzaun“ umgeben. 

Kosten von 17.000 Euro

Insgesamt wird die Maßnahme 17 000 Euro kosten. Das Geld gibt es von der Bezirksregierung Arnsberg. Grundlage ist das sogenannte Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Kriegen und Gewaltherrschaft“ – kurz Gräbergesetz. Das Gelände gehört der Stadt, der Friedhof wird von einem ehemaligen Mitarbeiter der Stadt gegen ein kleines Entgelt gepflegt. Auch das wird über eine Pflegepauschale der Bezirksregierung geregelt. 

Inzwischen wurden die Grabplatten von der Firma schon abgeholt, um sie aufzuarbeiten. Spaziergänger hatten das Fehlen der Grabplatten bemerkt und Diebstahl vermutet. Im Herbst soll die Maßnahme erledigt sein.

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