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Wahlkampf auf dem Windrad: Grünen-Spitzenkandidatin auf dem Kohlberg

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Von: Volker Heyn

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Wie in einer Weltraumstation sieht es in der Gondel des Windrades Nummer sechs auf dem Kohlberg aus.
Wie in einer Weltraumstation sieht es in der Gondel des Windrades Nummer sechs auf dem Kohlberg aus. © Heyn, Volker

Diesen Ausflug ins Sauerland wird Mona Neubaur nicht so schnell vergessen. Denn der Wahlkampftermin in Neuenrade ist ein ganz besonderer, findet er doch in luftiger Höhe statt.

Die Parteichefin der nordrhein-westfälischen Grünen und Spitzenkandidatin für die Landtagswahl im Mai war bei ihrem Besuch der Windkraftanlagen auf dem Kohlberg physisch und psychisch stark gefordert.

Auf Einladung des Anlagenbetreibers Klaus Schulze Langenhorst von der SL Naturenergie war die 44-jährige Politikerin nach Neuenrade gekommen, um sich selbst ein Bild von einer der turmhohen Windmühlen-Anlagen zu machen. Neben den Neuenrader Grünen waren zu diesem Wahlkampf-Termin noch zwei Medienvertreter eingeladen.

Politische Themen in 158 Metern Höhe

Neubaur wollte aber nicht nur am Boden über ihre politischen Ziele sprechen, sondern auch die Gondel auf genau 158 Metern Höhe besichtigen. In einer sehr engen Aufzug-Kabine im Inneren können zwei Personen gleichzeitig per Stahlseilzug nach oben befördert werden. Beim Ausstieg und beim Betreten der obersten Plattform sind noch einige steile Leitern zu überwinden, sodass alle Beteiligten eine Sicherheitsausrüstung mit Gurten, Selbstsicherung, Steigklemme, Helm und Handschuhen anlegen mussten. Einigermaßen robust sollte man schon sein – schließlich muss man mit einiger Kraft Arme und Beine benutzen, der Aufzug fährt auch nicht gerade seidig-glatt, in der Gondel ist es eng wie auf der ISS und leider war es an diesem Morgen auch noch bitterkalt. Zudem gab es auf der obersten Plattform keinerlei Sicht, ebenso wenig nennenswerten Wind.

Maik Stoltz, technischer Betriebsführer bei SL Naturenergie, steuerte die Kabine des kleinen Aufzugs.
Maik Stoltz, technischer Betriebsführer bei SL Naturenergie, steuerte die Kabine des kleinen Aufzugs. © Heyn, Volker

Es war also richtig anstrengend für Mona Neubaur, die sich für das Erreichen ihrer politischen Ziele keinesfalls schont. „Alles“ werde sie „dafür tun, dass am Ende kein Weg an unseren Inhalten vorbeiführt“, verspricht die Diplompädagogin, die 1997 zum Studium der Fächer Erziehungswissenschaft, Soziologie und Psychologie aus Bayern nach Düsseldorf gezogen ist. Neubaur ist seit 2014 Landeschefin der Grünen, hat aber kein Mandat und bezeichnet sich deshalb gern als „Unterwegspolitikerin.“

Investor wünscht sich die Grünen in der Regierung

Klaus Schulze Langenhorst formulierte den Wunsch, dass Neubaur der nächsten Landesregierung angehöre: „Macht, dass Ihr gewählt werdet!“ Der Windkraft-Standort Kohlberg sei ein hervorragendes Beispiel dafür, wie lange die Genehmigung für Windenergie dauere. 2012 habe er erste Gespräche geführt, eine ganze Dekade habe es schließlich bis zur Realisierung gedauert. Und das auch noch nicht vollkommen rechtssicher – bekanntlich steht ein Hauptsacheverfahren gegen den Betrieb der Anlagen noch aus. In vielen behördlichen Bereichen behindere Personalmangel schnellere Entscheidungswege, das gehe bis hin zum Oberverwaltungsgericht. Das müsse sich ändern.

Einnahmen aus der Windkraft für Kindergärten

Mona Neubaur will sich im Landtag dafür einsetzen, den Ausbau regenerativer Energien mit wirtschaftlichem Wachstum für die Region zu verbinden. Die Stadt Neuenrade könne durch die Einnahmen aus der Windkraft zum Beispiel Kindergärten bauen. Und aus den vom Borkenkäfer geschädigten Flächen könnten Waldbauern Pacht von Windmüllern bekommen. Nach dem Ende von Kohle- und Atomstrom benötige die Großwirtschaft weiterhin viel Energie. Das funktioniere eben nur mit dem Ausbau erneuerbarer Energien.

In eisiger Höhe konnten Holger Dirks (l.) und Klaus Schulze Langenhorst von SL Naturenergie der Grünen-Landesvorsitzende Grüne Mona Neubaur weder Aussicht noch Wind bieten.
In eisiger Höhe konnten Holger Dirks (l.) und Klaus Schulze Langenhorst von SL Naturenergie der Grünen-Landesvorsitzende Grüne Mona Neubaur weder Aussicht noch Wind bieten. © Klaus Storch, Altena

„Jedes Windrad senkt den Strompreis“ sagte Neubaur gegenüber den beiden Journalisten. Die derzeitige Teuerung beim Strom sei durch die Krise der fossilen Energieträger bestimmt. Und ja, Windräder veränderten das Landschaftsbild. Das „ob“ sei aber entschieden, jetzt ginge es nur noch um das „wie“.

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