Ausgeklügelte Technik

Vorreiter in Sachen Umweltschutz: Firma Klinke begrünt Fassaden

Sitzen vor der begrünten Fassade: Manfred Klemradt (links) und Alexander Klinke.
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Sitzen vor der begrünten Fassade: Manfred Klemradt (links) und Alexander Klinke.

„Wir sind schon ein bisschen grün hier“, stellt Firmenchef Alexander Klinke augenzwinkernd fest. Der Geschäftsführer der Julius Klinke GmbH & Co. KG nimmt die Themen Umwelt- und Klimaschutz schon seit vielen Jahren ernst. Jetzt hat er in diesen Bereichen erneut investiert – in die Fassadenbegrünung.


Neuenrade - Ein großer Teil der firmeneigenen Flachdächer an der Bahnhofstraße sind bereits ein Paradies für Insekten. Direkt vor dem Bürofenster des Unternehmers sind im Sommer die Bienen unterwegs. Als vor einiger Zeit ein weiteres Dach begrünt wurde, erfuhr Alexander Klinke von einer zusätzlichen Klimaschutzmöglichkeit. „Die Firma Belke aus Lennestadt war bei uns im Einsatz. Und der Chef sprach mich auf die Fassadenbegrünung an.“

Das Interesse des Unternehmers war geweckt, insbesondere mit Blick auf den Neubau, der im vergangenen Jahr fertig gestellt wurde: Eine Produktionshalle mit 1500 Quadratmetern Fläche und eine 600 Quadratmeter große Lagerhalle. Gemeinsam mit Manfred Klemradt, dem Immobilienbeauftragten des Neuenrader Unternehmens, informierte er sich genauer über die Idee, vertikale Fassaden als Lebensraum zu erschließen.

Mithilfe einer ausgeklügelten Technik werden unterschiedliche Pflanzenarten auf vorgefertigte Vliesplatten gepflanzt, die dann an der Wand befestigt werden. „Bisher gibt es eine solche Fassadenbegrünung nur an wenigen Gebäuden in Deutschland“, stellt Alexander Klinke fest.

Eines dieser Gebäude ist jetzt das Unternehmen an der Bahnhofstraße: Insgesamt 500 Quadratmeter nackte Betonfläche hat die Firma Belke dort mit einem grünen Pelz ausgestattet, der unter anderem aus Stauden, Gräsern und Farnen besteht und der im Sommer in vielen Farben blühen soll. „Für die besondere Optik wird dann eine blühende Linie kleinblütiger Pflanzen sorgen“, verrät Alexander Klinke, dass noch ein zusätzliches gestalterisches Highlight geplant ist.

Eine weitere Umwelt- und Klimaschutzmaßnahme bei Klinke: Auf einer Fläche neben dem Parkplatz wurden 50 Bäume gepflanzt.

Im Gegensatz zu einem relativ pflegeleichten Flachdach muss die Wandfläche mit einem komplexen Bewässerungssystem ausgestattet werden. „Mehrere hundert Meter Schläuche sind integriert“, erklärt Manfred Klemradt, der dem Projekt aus diesem Grund zunächst etwas skeptisch gegenüberstand: „Die Bewässerungsanlage darf nicht ausfallen, sonst vertrocknen die Pflanzen. Andererseits können wir aus dem Unternehmen aber niemanden abstellen, der ständige Kontrollen durchführt.“

Die Lösung für dieses Problem: Die Anlage wird online über eine App überwacht. „Das übernimmt die Firma Belke. Wenn die Bewässerungsanlage ausfallen sollte, wird der Fehler so schnell wie möglich behoben“, erklärt Klinke. Über die Kosten für die Fassadenbegrünung möchte der Unternehmer nicht sprechen. „Man darf nicht nur über Umweltschutz reden, man muss auch etwas tun“, sagt er.

Eine Verschiebung des Projektes aufgrund der Corona-Pandemie und deren Folgen kam für den Neuenrader nicht in Frage. Bemühungen in den Bereichen Klima- und Umweltschutz dürften auch in dieser Zeit nicht in Vergessenheit geraten. „Natürlich bekommen auch wir die Auswirkungen der Krise zu spüren“, stellt Klinke fest. Doch bisher seien die insgesamt 200 Mitarbeiter von Kurzarbeit verschont geblieben. „Wir haben betriebsintern einige Mitarbeiter in andere Bereiche versetzt. So konnten wir die Folgen bisher gut abfedern.“

Die Kaffee-Pappbecher, wie sie hier Nadine Borst aus der Telefonzentrale zeigt, sollen die Kunststoffbecher ersetzen.

Der Unternehmer lobt „seine engagierte Mannschaft“: „Die Mitarbeiter haben ein Recht darauf, dass sie vor einem Jobverlust bewahrt werden und Kurzarbeit ausschließlich als Notfall-Instrument eingesetzt wird.“ Zurück zum Umwelt- und Klimaschutz: In der Vergangenheit hat der Neuenrader Unternehmer diesbezüglich mehrmals eine Vorreiterrolle übernommen. Bereits vor zwölf Jahren hat Alexander Klinke in Geothermie investiert.

In der wärmeren Jahreszeit steht diese Technik zur Kühlung der Produktionshalle zur Verfügung, die sich durch die Abwärme des Maschinenparks ansonsten zu sehr aufheizen würde. Im Winter wird die Erdwärme zum Erreichen einer Basistemperatur in der Halle genutzt, so muss weniger geheizt werden. Eine Fotovoltaikanlage auf einem nicht begrünten Gebäudedach spart 250 000 Kilogramm CO2 jährlich; das Regenwasser wird vom Firmengelände nicht in die Kanalisation, sondern direkt in die Hönne geleitet.

Bei der Materialverarbeitung in der Produktion wird auf den Einsatz von Blei verzichtet, Recycling-Maßnahmen in der Fertigung sind selbstverständlich. Auf dem Gelände gegenüber des Unternehmens ist kürzlich ein neuer Mitarbeiterparkplatz entstanden, die Fläche daneben lag zunächst brach – das gefiel Klinke nicht. Mittlerweile ist dort ein kleiner Wald angepflanzt worden: 50 Laubbäume wachsen jetzt neben den Schienen der Hönnetalbahn gen Himmel.

Ganz nebenbei wird in dem Neuenrader Unternehmen auch der Plastikmüll drastisch reduziert. „Bei uns sind bisher jährlich etwa 100 000 Kaffeebecher aus Kunststoff verbraucht worden“, erzählt Klinke. Damit soll bald komplett Schluss sein; die ersten Pappbecher sind bereits im Einsatz.

Das Unternehmen: Bereits 1847 in Neuenrade gegründet

Die Firma Julius Klinke hat eine lange Tradition: Das Familienunternehmen mit derzeit 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurde bereits 1847 in Neuenrade gegründet und wird inzwischen von Alexander Klinke in fünfter Generation geführt. Das Unternehmen ist auf Präzisionsdrehteile und Klavierbestandteile spezialisiert. An der Bahnhofstraße werden Drehteile aus allen geeigneten Materialien (Messing, Stahl, Edelstahl, Aluminiums, Bronze, Kupfer, Kunststoff etc.) gefertigt.

2018 wurde die Julius Klinke GmbH & Co. KG von der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen offiziell als Weltmarktführer der Branche anerkannt. Geschäftsführer Alexander Klinke war viele Jahre in der Neuenrader Kommunalpolitik aktiv, unter anderem von 1989 bis 2011 als Fraktionschef der CDU.

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