Boden wird verdichtet

Vorarbeiten für Moscheebau: Am Schöntaler Weg geht es los

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Der Bauplatz für die geplante Moschee. Im Hintergrund ist das Großgerät, mit dem der Untergrund – eine Lehmmischung – verfestigt wird. Die Arbeiten dauern eine gute Arbeitswoche.

Neuenrade – Sichtbar und hörbar wird es nun langsam ernst mit dem Moscheebau am Schöntaler Weg: Seit Donnerstag sind Spezialisten mit der Befestigung des Untergrundes auf dem Bauplatz befasst.

Fast 300 Löcher werden bis Donnerstag kommender Woche „gerüttelt“ und verfüllt. Am Ende ist der Bauplatz so hergerichtet, dass Streifenfundament und Bodenplatte für den Gebäudekomplex hergerichtet werden können. Das erläuterte Polier Ralf Schröder im Gespräch mit der Redaktion. Er gehört zum Baukonzern Keller, nach eigener Aussage dem weltweit größten Spezialisten für derartige Fälle. 

Hamit Yilmaz, einstiger Vorsitzender des türkisch-islamischen Kulturvereins Neuenrade und Umgebung und nun Moscheebeauftragter, freut sich, dass es sichtbar vorangeht. Er hat auch einen groben Zeitplan für die weitere Abfolge des Moscheebaus parat. Den tatsächlichen Baubeginn visiert er für Oktober an. 

Rohbau soll in sechs Monaten stehen

Für den Rohbau veranschlagt er („das ist natürlich auch wetterabhängig“) gut sechs Monate. Anschließend kommen die Gewerke zum Zug für den Innenausbau. Hier setzt die türkisch-islamische Gemeinde auch auf viel Eigenleistung. „Für Ende 2021 hoffen wir, dass wir umziehen können.“ 

Mithilfe dieser speziellen Rüttelmaschine werden die Kies-Säulen im Rüttelstopfverfahren in den Untergrund gerüttelt. Darauf kann dann gebaut werden.

Derzeit behilft sich die Gemeinde mit dem zu klein gewordenen Gebäudekomplex an der Bahnhofstraße in der ehemaligen Tankstelle. Das Gelände hat die Stadt zu einem marktgerechten Preis gekauft, die Gemeinde zahlt daher eine marktübliche Miete an die Stadt. Die geplante Moschee (geschätzte 1,5 bis 2 Millionen Euro Baukosten) soll Platz für 500 Menschen bieten. In dem Gebäude sind auch Schulungs- und Seminarräume geplant. Finanziert wird der Neubau aus Spendengeldern, aber auch aus dem Verkauf des bisherigen Moscheegebäudes für 300 000 Euro an die Stadt. Die Europäische Moscheebauunterstützungsgemeinschaft (Emug) aus Köln managt den Bau der Moschee und wird auch als Besitzerin des Grundstücks am Schöntaler Weg ins Grundbuch eingetragen. Die notwendige Präparierung des Untergrundes verteuert den Moscheebau. Der Kostenrahmen bewege sich „im oberen fünfstelligen Bereich“, hieß es unlängst dazu von Yilmaz. 

Exakt 281 Rüttellöcher

Jetzt soll es also losgehen. 70 Rüttellöcher hat das Unternehmen Keller schon gerüttelt und verfüllt. Exakt 281 sind es insgesamt. Der Polier und seine Mannschaft nutzen Digitaltechnik, um die Löcher exakt zu positionieren. Das Verfahren zur Untergrundverfestigung nennt sich Rüttelstopfverfahren nach dem System Keller. Keller ist dabei ein Unternehmen mit rund 10 000 Mitarbeitern. „Wir haben immer mehr zu tun. Die guten Baugründe sind vielerorts weg“, sagt Schröder. Für die Auftragslage der Firma Keller ist das offensichtlich gut. Man habe auch immer mehr Aufträge für Einfamilienhäuser, ließ der Polier durchblicken. 

Reichlich Material für die Kies-Säulen liegt am Baugrund parat.

Im Fall des Moschee-Geländes hat man „schluffigen Boden“, wie es im Baujargon heißt. Das ist feinkörniger Untergrund gemischt mit Sand und anderen Bodenarten wie Ton – es ist eine Art Lehm. Mit einem Spezialgerät Marke Eigenbau rütteln die Arbeiter nun Zylinder in den Boden, dabei kommt auch Kies zu Einsatz, der durch den Zylinder bei dem Rüttelvorgang mit in den Boden eingebracht und verfestigt wird. So wächst im Boden eine feste Kiessäule. Am Ende ist der schluffige Untergrund verbaubar. Es ist ein patentiertes Verfahren. 281 Kiessäulen werden am Schöntaler Weg also den lehmigen Untergrund verfestigen. Darauf kann ein Streifenfundament aufgebracht werden, das wiederum Grundlage für eine Bodenplatte ist. 

Bau der Moschee wird von einigen Neuenradern kritisch gesehen

Der Bau der Moschee wird von einigen Neuenradern kritisch gesehen: Sie halten den Bau für überdimensioniert und für ein Machtsymbol. Zudem fürchten sie, dass demnächst der Ruf des Muezzin erschallt. Die türkisch-islamische Gemeinde ist bei der Konzeptionierung des Baus aber Kompromisse eingegangen. Die Minarette sind funktionslos, der Baustil ist eher westlich. Einen Muezzin-Ruf benötige man gar nicht. „Dafür gibt es eine App,“ hatte Yilmaz an anderer Stelle gesagt. 

Der Muezzin-Ruf ist immissionsrechtlich nicht möglich. Das sei vertraglich geregelt. Akustik am Minarett sei nicht zugesagt und müsste neu beantragt werden, hieß es bei einer Ratssitzung.

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