Mit dem Mountainbike zum Dach der Welt

Die für die Region typischen, bunten Gebetstücher dürfen bei einem Foto-Vortrag natürlich nicht fehlen.

NEUENRADE - 1250 Kilometer hat der Neuenrader Volker Listringhaus in den Knochen als er glücklich und gesund in Leh, einer Stadt im Norden Indiens das Ziel der Tour erreicht hat. Allein die nackten Zahlen sind beeindruckend: Mehr als 19 000 Höhenmeter hat die Gruppe auf ihren Mountainbikes an lediglich 15 Fahr-Tagen bewältigt und dabei so manchen 5000 Meter hohen Pass unter die Stollenräder genommen.

Eine unvergleichliche Tour, die der Hobby-Biker Volker Listringhaus absolviert hat. Am Mittwochabend ab 20 Uhr will er im Nerihaus über sein Abenteuer auf zwei Rädern berichten und Hunderte von Bildern zeigen.

Ursprünglich hat sich der Neuenrader im Volleyball wohlgefühlt. Eine Verletzung brachte ihn dann zum Biken, erinnert sich der bekannte Neuenrader Unternehmer an die Anfänge seiner „Karriere“ – Ende der 80er Jahre. Die Liebe zum Hochgebirge ließ ihn die Alpen durchkämmen. „Ich habe Alpenpässe gesammelt, bis ich irgendwann 70 oder 80 von ihnen befahren hatte“, sagt er ohne erkennbare Anzeichen von Überheblichkeit. Schlummert da ein Ausnahmesportler in der ebenso bescheiden wie stattlich wirkenden Erscheinung? Mitnichten. Er fahre einfach nur gerne Rad, meint er. Gedanken, wie die Strapazen einer solchen Tour einem fast 70-jährigen Mann zusetzen, habe er sich keine gemacht, gesteht Listringhaus.

Auf die Idee, im Himalaya zu biken, kam Listringhaus durch Zufall. In einem Bericht über die Traumstraßen dieser Welt fand sich die Strecke von Manali nach Leh, die auch als Manali-Leh-Highway bekannt ist. Das Feuer war entfacht. Diese Tour sollte es sein. Großartige Trainingsvorbereitungen sparte sich Listringhaus. Zwei-, dreimal die Woche habe er im Vorfeld rund um den Kohlberg ein paar Kilometer abgespult. Wie sich anschließend herausstellte, reichte die Vorbereitung aus. Ankommen, die atemberaubende Landschaft zu genießen, die Menschen dieser buddhistisch geprägten Region Nord-Indiens zu beobachten – das waren die Ziele, die Volker Listringhaus antrieben, und ins Ziel brachten.

Bei der Tour verließ sich der Neuenrader auf einen erfahrenen Anbieter. „Wir mussten nur fahren“, sagt er, um die Verpflegung, die Zelte und alles andere kümmerte sich der Veranstalter. So blieb während der insgesamt 22-tägigen Reise von Ende August bis Mitte September Zeit genug, die unvergleichlichen Eindrücke zu genießen. Davon können sich die Besucher am Mittwochabend persönlich überzeugen. Die Motive sprechen für sich, zeichnen das Bild einer völlig fremd wirkenden Welt, die Listringhaus auf seinem rund 20-Jahre alten Mountainbike, so schätzt er, erkundete. Anekdoten brachte er von der Reise zentnerweise mit. „Einmal kamen wir um eine Biegung und die Straße war weg“. Ein Erdrutsch hatte den Pass für Kraftfahrzeuge unpassierbar gemacht. Ein Umweg von mehreren hundert Kilometern stand dem Begleitfahrzeug bevor. Weil auf der anderen Seite aber ebenfalls Fahrzeuge standen, die umkehren mussten, sprach die Gruppe kurzerhand die Fahrer an, ob sie ihr Material mitnehmen könnten. Kein Problem. Im Himalaya, in den entlegensten Regionen des Planeten hilft man sich. Oder die Verwunderung, als unerwartet ein „German Bakery“ am Wegesrand auftauchte und mit deutschem Gebäck zur Stärkung einlud.

Auf die Frage, ob er sich nochmal auf solch ein Abenteuer einlassen würde, blickt der Hobby-Biker erst in Richtung seiner Frau, grinst dann schelmisch und flüstert: „Nicht ausgeschlossen.“Von Markus Jentzsch

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