Vier Tage für die Kunst

In den ehemaligen Geschäftsräumen tummeln sich Schüler und Lehrerin. Foto: Schnücker

Neuenrade - Graf Engelbert III. hatte gestern als Statue Grund zur Freude. Der Verleiher der Stadtrechte blickte aus höherer Warte nicht nur auf das wackere Marktgeschehen, bei strahlendem Sonnenschein hatte sich zu seinen Füßen am Rande des Stadtbrunnen eine komplette Schulklasse niedergelassen. Die Klasse 9 der Waldorfschule Neuenrade war mit Zeichenblock und Malutensilien angetreten, um ein Kunstprojekt mit Lehrerin Anna Wiesemann zu realisieren.

Für vier Tage und bis einschließlich kommenden Freitag werden die Schüler in den ehemaligen Geschäftsräumen der Ernstings Family an der Ersten Straße ihre Werke der Öffentlichkeit vorstellen, werden Kunst produzieren.

„Kunst“, so Kunstlehrerin Anna Wiesemann, „soll nicht hinter verschlossenen Türen und Scheiben stattfinden. Die Leute sollen sehen, was die Schüler festgehalten haben und jeder, der uns besucht, kann sich ein kleines Werk aussuchen und mitnehmen.“ Bereits beim gestrigen ersten Aktionstag fanden einige Neuenrader den Weg in die derzeit leerstehenden Geschäftsräume an der Ersten Straße, die der Hauseigentümer kurzfristig für die Aktion zur Verfügung gestellt hatte. Es waren noch nicht viele, die das Geschäftslokal betraten, aber „das Interesse wird steigen, wenn wir unseren Freunden und Bekannten erzählen, was hier für tolle Sachen entstanden sind“ lobte eine Seniorin optimistisch die Aktion.

Über mangelnde Arbeit konnten sich die Schüler der Klasse 9 nicht beklagen. Das Geschehen auf dem Neuenrader Wochenmarkt festzuhalten hatte ihnen Kunstlehrerin Anna Wiesemann als Aufgabe mit auf den Weg gegeben und ihre Schützlinge ermuntert, nach „schönen Situationen und Motiven Ausschau zu halten.“ Das kam an, in kleinen Gruppen wurde der Hans-Schmerbeck-Platz samt Wochenmarkt angelaufen, Motive gab es reichlich.

Graf Engelbert III. auf seinem Sockel wurde ebenso ins Visier genommen wie der Brunnen mit Wasser. Mal saßen die Schüler auf dem Brunnenrand, aber im Einzelfall wurde das schöpferische Wirken auf den Erdboden verlegt, um von dort die richtige Perspektive zu haben. Kunstschülerin Leonie war in ihrem Element, den Stadtbrunnen hatte sie sich als Motiv ausgewählt. Einige ihrer Mitschüler hatten das Marktgeschehen ins zeichnerische Visier genommen. Obst, Gemüse und Kartoffeln wurden zu Papier gebracht, aber auch der jeweilige Marktstand mitsamt Betreiber wurde festgehalten. Landwirt Hans-Joachim Redix strahlte gestern samt Kundschaft um die Wette, eines der zeichnerisch-kreativen Bilder hatten ihm die Schüler geschenkt: „Eine tolle Sache“ lobte der Landwirt, seine Kunden nickten wohlwollend und eine Dame meinte, „dass die Jugend von heute doch gar nicht so schlecht ist......“

Das Kunstprojekt geht bis einschließlich kommenden Freitag weiter, die ungewöhnlichen Aktionen werden die Schüler fordern, um neue Ideen umzusetzen. Am heutigen Mittwoch werden die Schüler die Neuenrader ansprechen, werden einige bitte, für ein Portrait zur Verfügung zu stehen. Etwas Zeit sollten die Bürger haben, um dem öffentlichen Kunstprojekt Bedeutung zu verleihen. Jeweils von 8 bis 12 Uhr ist das offene Atelier in der ersten Straße geöffnet, jeder ist willkommen und jeder Besucher bekommt ein kleines Kunstwerk.

Von Udo Schnücker

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